Burnout – Bericht an meinen Psychiater

Erstellt von Bodo am 19. Juni 2007 – 14:58 -

Ein Forumsbeitrag aus der Schweiz:

Ausgangslage: Ich bin seit Anfangs Januar 2007 wegen “Burnout” krankgeschrieben, habe über Jahrzehnte zuviel gearbeitet -ich war ein Workoholic. Nun liegt mein Nervensystem blank. Darüber hinaus denke ich, dass ich schon immer neurotisch bis leicht psychotisch war, hatte früher schon Depresseionen, die ich mit Körperübungen und Bioenergetik aber glaubte, kuriert zu haben. Ich habe als Projektleiterin im Sozialbereich gearbeitet und daneben Tanz studiert und unterdessen bin ich auch viel aufgetreten und habe jahrzehntelang Tanzunterricht gegeben nebst meinem Job. Ich habe keine Familie und wohne in Basel, bin 48 Jahre alt. . Dies ist ein kleiner Text, den ich Anfangs Mai 07 meinem Psychiater geschickt habe – ein Versuch, mein körperliches Empfinden darzustellen. Mittlerweile habe ich weiteres Schlimme durchgemacht aber auch viel Schönes erlebt. Hier mal mein Bericht vom 9. Mai.:

Vergangene Woche habe ich zufällig eine Sendung auf irgend einem deutschen TV-Sender gesehen, einen Dokumentarfilm über deutsche Soldaten im Friedenseinsatz in Afghanistan und im Kosovo, die mit einem PTBS nach Hause kamen respektive es viel später zurück in der Heimat ausgebrochen ist.

Als ich diese Sendung anschaute, ging es bei mir los. Ich fing an, am ganzen Körper zu zittern, ich fühlte mich wie aus Glas, ich klirrte. Aus milchigem Glas, ganz entfernt von mir selber. Das Herz begann zu rasen und zu flimmern, ich schwitzte, meine Nackenmuskeln und viele andere krampften sich zusammen, nur durch die kürzlich im KIS (psychiatrischer Notfalldienst des Unispitals Basel) gelernten Uebungen der progressiven Muskelentspannung konnte ich meinen Körper einigermassen in Schach halten. Mein Fernseh-Gerät steht momentan im Schlafzimmer, so war ich schon mal im Bett und das war gut. Ich fing aber immer stärker an zu schlottern, vor allem in den Kiefergelenken. Diverse Nerven an Armen, Beinen und im Gesicht zuckten. Ich musste und wollte aber die Sendung zu Ende schauen.

Von diesem Tag an spürte ich immer ganz bewusst, wenn mich etwas stresst. Es war wie eine Offenbarung (zwar eine beschissene, aber imerhin). Ich musste ausnahmsweise ein Xanax nehmen zum Einschlafen, was ich sonst nie mehr musste und ich in den letzten Tagen zuvor den Umständen entsprechend gut hatte schlafen können, auch ohne Xanax.

Aber seither geht die Post ab in meinem Körper. Es ist, wie wenn sich mein Körper freut, dass ich es endlich rausgefunden habe, und dass er es sich momentan erlauben darf, wie wild zu zucken und die Angst auszudrücken. Auch die Nerven zucken dann in einem solchen Moment. Ich befinde mich ja in einem geschützten Rahmen in diesen Augenblicken, Gott sei dank. Ansonsten würde ich es wohl noch weiterhin unterdrücken.

Es ist nicht immer so, oft bin ich ganz ruhig. Aber alles, was mit Stress, Projekten, Terminen zu tun hat, bewirkt augenblicklich das abscheuliche Klirr-Empfinden und so weiter, wenn ich nur daran denke. Zum Beispiel hatte ich vor, mein Tanz-Studio zu renovieren und auf Oktober 07 einen grossen Schülerauftritt und Tage der Offenen Tür anzubieten. Aber wenn ich nur einen klitzekleinen Gedanken an die Sache verschwendewende, gehts gleich wieder los mit den Symptomen.

In der TV-Sendung gab es verschiedene Typen:

Einer, ein sehr schöner und gebildeter Ingenieur, der als höherer Militär in Afghanistan war, fuhr eines Tages mit seinen Leuten durch die Gegend, und er sagte immer wieder, es sei ihm einfach nicht aufgefallen, dass die Strassen heute so leer waren, es sei ihm EINFACH NICHT AUFGEFALLEN; SCHEISSE: Da geschah ein Selbstmord-Attentat und einer seiner Fahrzeuge mit seinen Leuten aus dem Konvoi war betroffen – die Suizid-Attenteure fuhren mit einem gelben Auto in das der Deutschen Friedenstruppe. Auf einem minenbesetzten Gebiet. Er ging hin zu helfen, soweit noch alles ok. Nur, dass er nach diesem Tag jeden Fahrer, der mit einem gelben Auto daher kam, sofort erschiessen wollte. Er musste postwendend ausgegliedert und nach Deutschland zurückgeschickt werden. Heute lebt er von einer miesen Rente und kann seit vielen Jahren nicht mehr arbeiten. Er sei ein anderer Mensch geworden und alle hoffen noch immer, dass er wieder sich selber sein kann.

Ein anderer, ein fetter und grob aussehender, aber eigentlich sensibler Soldat, war im Kosovo und musste u.a. serbische Familien vor Racheakten beschützen. Auch ein uraltes Ehepaar, die ging er immer besuchen und sie wurden gute Freunde. An einem Tag kam er, und das alte Mütterlein war mit einer Axt erschlagen worden. So weit, so gut. Er blieb, obschon es ihn quälte und soff immer mehr, wurde selber immer brutaler. Zurück in Deutschland, konnte er unmöglich am Tisch mit seiner Grossmutter sein und er will nun jeden Kosovaren, den er auf der Strasse sieht, gleich angreifen u.v.m.. Nur dank unzähligen Gesprächen mit seiner Frau geht es ihm heute besser.

Noch ein anderer, ein Bleicher, Unauffälliger, war in Afghanistan als reiner Friedenshelfer auf einer Station, wo andere zu ihm kamen und er sie beruhigen musste oder so ähnlich. Also keinerlei Einsätze draussen, mehr als Sozialhelfer. Alles bestens, nur die ständige Angst. Jahre später, längst zurück in Deutschland, erkennt er, dass er nicht mehr normal ist. Er kann nicht aus dem Haus, er kann nicht in Supermarkt, er hat Zitterattacken und extreme Muskel-Verspannungen. Es ist ihm peinlich, oft in der “Bundeswehr-Klapse” zu sein, da man dann als Weichei verschrien ist. Aber es geht nicht anders. Er hat nur wenige Momente Ruhe, wenn er ins Shiatsu geht. Bald danach geht es wieder los mit ihm. Er kann in kein Restaurant, er muss immer sogleich rausrennen, fürchtet Attentate oder Attacken. Er raucht wie ein Türke und muss sich immer irgendwie verschanzen.

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Ich könnte unmöglich arbeiten im Moment, da krieg’ ich gerade Zuckungen bei dem Gedanken. Am ehesten noch im Garten zum Jäten oder so. Tanzen allerdings geht gut, aber nur im geschützten Rahmen. Auch werde immer sofort total verrückt, wenn ich unter die Leute muss. Ich kann zwar noch raus, aber ich bin schon nach 10 Minuten fix und fertig. Ich habe grosse Angst vor Autos, vor Kreuzungen, vor Ampeln. Wenn das Telefon klingelt, schwitze ich an die linke Hand und mein Herz rast. Wenn jemand an der Tür schällt, ebenso. Ich bin ausserordentlich schreckhaft, jedes Geräusch bewirkt grosses Zittern. Tramstationen, Bahnhof, Shoping-Zonen bewirken ebenfalls grosses Zittern in meinem Körper. Nur Hunde, Blumen und Bäume halten mich am Leben in solchen Momenten, ich kann mich nur durch sie orientieren, wenn ich durch die Stadt gehe.

 


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Klimaforschung und Schizophrenie

Erstellt von Bodo am 13. Juni 2007 – 14:25 -

Hallo,

ich möchte auch mal wieder schreiben.

Also mit dem Klimagedicht, ich verdiene mein Geld als Laborant mit der Klimaforschung, aber ich finde die deutsche Auffassung etwas hysterisch. Das kleine Deutschland hat sich vorgenommen das Weltklima zu retten … finde ich etwas übertrieben und anmaßend.

Außerdem:
a) Das Klima war noch nie konstant, hat sich immer schon geändert (Eiszeiten, Warmzeiten, usw. immer wieder zyklische Schwankungen).
b) Geologische staatliche Institute haben immer Geldmangel, und mit Klimaforschung gibt es Geld aus diversen staatlichen Töpfen … (plus Renomée für die publizierenden Wissenschaftler) … entsprechend inflationär werden dann aber auch die Klimawarnungen produziert.

Nun ja und mit den Medikamenten, ich finde die Nebenwirkungen sind kaum weniger schlimm, als die Krankheit, die sie bekämpfen sollen …
Mein Kompromiss ist der: sowenig wie möglich und soviel wie nötig, damit kann ich mein Gewicht stabilisieren und im Gegensatz zu der Alles-oder-Nichts-Lösung, sind die Chancen stabil gesund zu bleiben doch größer (als die Nichts-Lösung).

Weil bestimmte Gruppierungen die Krankheit Psychose für scheinbar aufgeklärt halten, möchte ich mal darauf hinweisen, dass immer noch sehr viel geforscht wird und die Forschung teilweise ganz ungewöhnliche Gedankengänge entwickelt: So wird in einem Artikel der Welt vom 10.03.07 von Forschungen berichtet, bei denen 13 verschiedene Krankheitserreger im Verdacht stehen Schizophrenie auszulösen, wer will kann unter diesem Link nachlesen: www.welt.de/wissenschaft

Natürlich ist die praktische Anwendung für Betroffene vorerst nicht so groß, aber immerhin bemühen sich Forscher mal neue Ursachen in Betracht zu ziehen.

Viele Grüsse

Renaldo

 


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