Post aus Brandenburg

Erstellt von Bodo am 29. Januar 2008 – 21:55 -

Lieber Bodo,

es war sehr interessant dein Tagebuch zu lesen. So wie du komme ich auch aus dem Land Brandenburg. Ich bin jetzt 48 Jahre alt, habe also die DDR-Zeit miterlebt. Ich bin selber nicht von Schizophrenie betroffen aber ich konnte ein paar Ähnlichkeiten bei deinen Schilderungen erkennen.

Seit 1990 wohne ich mit meinen beiden Kindern im westlichen Teil Deutschlands. Die ersten Jahre hier waren sehr stressig für mich. Mein Mann war krank, er konnte kein Geld verdienen und war auch nicht in der Lage sich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern. Also habe ich alle Aufgaben übernommen. Insgesamt fühlte ich mich im Westen sehr unwohl und hatte ein ständiges Angstgefühl. Die Belastungen wurden irgendwann so groß, dass ich ständiges Herzklopfen und Herzrasen hatte. Es ging so weit, dass ich das nur noch loswerden konnte, wenn ich einkaufen ging. Die Welt wurde zunehmend negativer für mich und ich dachte bei vielen Dingen, die passiert sind, das ist ein Zeichen für mich. Je unsicherer ich wurde, desto mehr sah ich in allem was um mich rum geschah Zeichen, die mir einen Weg zeigen sollten. So kam es z.B., dass eine gute Freundin von mir von ihrem Mann umgebracht wurde. Das habe ich dann als Zeichen gesehen, dass ich mich von meinem Mann trennen soll. Ich habe zunehmend Angst vor ihm bekommen. Das wurde so schlimm, dass ich nicht mehr neben ihm schlafen konnte. So bin ich irgendwann ausgezogen. Es hätte sicher nicht mehr viel gefehlt und man hätte mich in die Nervenklinik einweisen können.

Wir haben damals neben einer ICE –Strecke gewohnt und die Hochspannungsleitungen waren auch höchstens 100 m entfernt. Ich schreibe das, weil du auch von Magnetfeldern oder Strahlen berichtest, die dir durch den Kopf gehen. Die Trennung selbst war dann noch ein zusätzlicher Stressfaktor für mich. Heute im Nachhinein war diese Reaktion sicher übertrieben, aber damals hat mich die Angst beherrscht.

So bin ich heute von meinem Mann geschieden, den ich doch liebte und heute noch liebe. Einen Neuanfang wage ich aber dennoch nicht, da mir mit ihm wieder genau das Gleiche passieren kann. Heute lebe ich mit einem andern Mann zusammen, der mich in allen Lebenslagen unterstützt und ich hatte seit dem nie mehr diese extreme Stressbelastung und versuche das auch möglichst zu vermeiden. An oberster Stelle steht nun bei mir, dass ich mich psychisch wohl fühle.

Vor einem Jahr hatte ich eine Nebenwohnung direkt bei meiner Arbeitsstelle, in der ich mich von Montag bis Freitag aufgehalten habe. Dort konnte ich absolut nicht schlafen und das betraf die ganze Wohnung und nicht nur ein Zimmer. Ich legte mich ins Bett und hatte Herzrasen. Nach vielen Überlegungen und monatelangem Ausprobieren habe ich ganz stark irgendwelche Strahlungen in Verdacht, die das verursacht haben könnten, was ich aber nicht nachweisen kann. Es gab dort direkt in der Nähe ein Militärgelände mit einem großen Sendemast. Da ich nach tagelangem Schlafentzug völlig fertig war und überhaupt keine klaren Gedanken mehr fassen konnte, musste ich diese Wohnung aufgeben. Es war wie in einer Folterkammer.. Ich habe aber grundsätzlich schon den Verdacht, dass mich bestimmte Strahlen ( elektrische Geräte, Handys usw. ) stören.

Einen ersten und ich denke recht guten Einblick in die Krankheit Schizophrenie habe ich mit dem Film „A Beautiful Mind“ bekommen, der mich sehr fasziniert hat. Es ist erstaunlich zu welchen Höchstleistungen an Phantasie das menschliche Gehirn fähig ist. Scheinbar trifft diese Krankheit meist Menschen mit einer sehr hohen Intelligenz.

Für deine weitere Zukunft wünsche ich dir alles Gute
Gertrud

 


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