Dorinde und Jonathan – ein Märchen zum Totensonntag

Erstellt von Bodo am 23. November 2012 – 14:34 -

Es war einmal vor langer Zeit, noch vor der großen Zeitenwende. Jonathan war ein Zauberschüler. Eigentlich nichts besonderes. Doch er konnte in seiner Lieblingsstadt studieren, die er schon seit Kindertagen so faszinierend fand: in Dransidon. Die große Stadt lag zwischen malerischen Hügeln und ein breiter Strom durchfloss das Tal.

Das erste Lehrjahr lag hinter ihm und die Zauberschule schickte die Studenten – so hießen nämlich die Zauberschüler in Dransidon – aufs Land, nach Lutetien, um den Bauern bei der Ernte zu helfen. Die Arbeit gefiel Jonathan ganz gut. Doch er war betrübt, weil er keine Freundin hatte.

Eine Woche vor dem Ende der Erntearbeit wurde ein großes Fest gefeiert. Man traf sich abends beim Schenkerwirt und es wurde musiziert und getanzt. Jonathan setzte sich an irgendeinen Tisch und da saß sie: Dorinde! Und noch andere Mädchen. Ihm gefiel Dorinde sofort. Und Jonathan gefiel ihr auch. Nach ein bisschen Plauderei und etwas Essen und Trinken wollten sie zusammen tanzen.

Die Musik spielte herrlich und Jonathan schaute in Dorindes Augen, während sie sich beide beim Tanze drehten. Und sie fühlte es auch: das ist mein Prinz! Nachdem die Musik zu Ende gespielt hatte und das Fest vorüber war, war es an der Zeit nach Hause zu gehen. Doch Dorinde ließ Jonathan nicht los. Denn sie wusste genau, wenn er jetzt geht, sieht sie ihn nie wieder.

Und so nahm sie Jonathan mit auf ihre Kammer und sie liebten sich und schworen sich ewige Treue und wollten gemeinsam Kinder haben. Jonathan blieb die ganze letzte Arbeitswoche bei Dorinde und noch eine weitere, obwohl schon Zauberferien waren. Sie zeigte ihm ihren großen Schatz: eine Mappe mit neun Locken. Die waren von ihren Liebhabern, die in den letzten Jahren bei ihr übernachtet hatten.

Dorinde war eine Magd bei einem lutetischen Bauern und hatte schon ein Kind, eine kleine Tochter. Deshalb war sie im Dorf nicht sehr angesehen, weil es keinen Mann dazu gab. Das war für Jonathan kein Problem, denn er war selber mal so ein Kind gewesen. Aber Dorindes Räucherstäbchen begannen ihn bald zu stören. Sie zündete ständig welche an, weil es so gut duftete und sie ihr etwas die Sinne benebelten.

Jonathan musste sich wieder auf die Zauberschule vorbereiten und fuhr nach Ewosan zurück, in die ferne Provinz Batulien. Dort wohnten seine Eltern. Draußen, in den weiten Kiefernwäldern, überlegte er sich, was er tun sollte. Er liebte Dorinde noch, das wußte er. Doch wie lange würde es dauern? Bis sie sich stritten? Bis er zerrissen war zwischen Lutetien, Batulien und Dransidon? Und so beschloss er, seine Dorinde nur noch einmal zu besuchen.

Und zwar an ihrem Geburtstag. Es war schon dunkel, als er an ihrem Haus ankam. Dorinde verabschiedete kurz ihre Eltern und dann durfte Jonathan hereinkommen. Dorinde ahnte schon etwas, aber beide liebten sich wieder in dieser Nacht. Natürlich, Jonathan sagte am Morgen Worte, die gesagt werden mussten. Aber was sind schon Worte. Dorinde weinte und verstand es nicht. Jonathan verstand es selber nicht, doch er wollte diese Liebe nicht dahinsiechen sehen. Er wollte sie bewahren und als Schatz mitnehmen in seinem Herzen.

Und so ging er und ließ eine weinende Dorinde zurück.

Nach ein paar Wochen hatte Jonathan Geburtstag und eine Bote brachte einen Brief von Dorinde. Sie bat ihn um eine Locke von seinem Haar. Nein, schrieb Jonathan zurück, er wolle nicht eine weitere Locke in ihrer Sammlung werden. Das verletzte Dorinde sehr, aber sie wünschte ihm alles Gute in seinem Leben.

Dorinde sagte zu sich: “Ach Jonathan, du Esel!” Dann ging sie in den Stall zum alten Esel Gustav und schnitt ihm eine Locke aus dem Fell. Die Locke tat sie in ein kleines Kästchen und bewahrte es sorgfältig auf. Wenn sie nachts fror, holte sie das Kästchen mit der Locke hervor und das Kästchen wärmte Dorinde, als ob ein kleines Feuer drinnen wär. So kam sie durch schwere Zeiten.

Jonathan hatte viel zu Lernen an der Zauberschule. Und bald vergaß er seine Dorinde. Und dachte nicht mehr an den Schatz in seinem Herzen. Er wurde einsam und traurig. Er ging nicht mehr auf Feste und tanzte mit keinem Mädchen mehr, weil er genug von Räucherstäbchen hatte. Seine Mutter sah, dass es ihm nicht gut ging. Doch sie wusste nicht warum.

Sein Schatz war tief in sein Herz gesunken. Er spürte ihn nicht mehr. Er spürte nur noch Dunkelheit. Sein Schatz, sein Feuer, konnte ihn nicht wärmen, denn er hatte ihn völlig vergessen. Das Feuer fraß von innen an seiner Seele und an seiner Gesundheit.

Er war jetzt kein Zauberschüler mehr, sondern ein junger Zauberer in Belinda, der Hauptstadt von Batulien. Er hatte viel Arbeit. Doch er war nicht glücklich. Er spürte keine Wärme. Bis er eine Frau traf, die sein Herz berührte. Das Feuer brach auf, und Jonathan wünschte sich wieder Kinder. Doch das war ein dummer Wunsch. Denn Isolde, so hieß die Frau, hatte schon sechs Kinder und konnte keine weiteren ernähren. Sie sagte Jonathan Lebewohl.

Doch Jonathans Feuer brannte lichterloh. Er verstand es nicht. Denn es war nicht das Feuer für Isolde, sondern das für Dorinde. Er wurde krank. Schwarze Dämonen senkten sich auf seine Seele. Er konnte kaum noch atmen und erkannte sich nicht mehr im Spiegel.

Der Herr im Himmel hatte Mitleid mit Jonathan und schenkte ihm eine Vision: Isolde war nicht seine Liebe, sondern eine Schwester, die er noch nicht kannte. So konnte Jonathan von ihr loslassen und die grauen Wolken flogen davon. Nun erkannte Jonathan aber in jedem Ding, in jedem Geschöpf neue Visionen und Rätsel. Jonathan wollte die Rätsel lösen: Er ahnte es. Es ging um seine Braut. Er sollte eine Braut bekommen.

Jonathan konnte nicht mehr zaubern. Er wurde ins Heilig-Geist-Spital in Ewosan gebracht und die Mediziner versuchten ihr Bestes. Sie kannten schon solche Fälle. Doch Pillen und Pülverchen halfen nicht. Jonathan taten sich immer größere Rätsel auf und schließlich glaubte er, der böse Zauberer Uksamin sei hinter ihm her. Jonathan stellte sich tot, damit der böse Zauberer von ihm abließ.

Da mussten die Ärzte den großen Medizinmann Elkator holen, denn nur er allein konnte Jonathan jetzt noch helfen. Elkator nahm den kranken Zauberer Jonathan mit in seine Schreckenskammer und schleuderte ihn hoch an den Himmel und dann wieder tief hinunter bis in die Mitte der Erdkugel und legte ihn dann sanft auf das Krankenbett.

Jonathan schlief sieben Tage. Und als er erwachte, waren alle Damönen von ihm verschwunden und es gab auch keine Rätsel mehr. Er freute sich, dass er lebte.

Er konnte zwar noch zaubern, doch Jonathan musste von jetzt ab immer drei Pillen nehmen: eine morgens, eine mittags, eine abends. Sonst kämen die Damönen wieder, meinten die Ärzte. Aber die Pillen unterdrückten auch das Feuer und seinen Schatz konnte Jonathan nicht erkennen.

Jonathan lernte eine junge Magierin kennen, mit der er sich gut verstand, und die ein neues Feuer in ihm entzündete. Sie wurden Mann und Frau und lebten zehn Jahre glücklich miteinander in ihrer Heimat Sabornia. Doch alles hat seine Zeit. Und ein Feuer erlischt wieder.

Jonathan zog wieder in seine Heimat Batulien, um bei seinen Eltern und in seinen Kiefernwäldern zu sein.

Es war November und die Kirche feierte hohe Gedenktage. Das Gedenken an die Verstorbenen und an den Tod. Überall im Land wurden Trompeter losgeschickt und Ausrufer. Man solle in sich gehen und auch über solche Fragen nachdenken. Durch seine Frau kannte Jonathan das Meditieren und wie man in seiner Seele forscht. Sie hatte viele kluge Bücher.

Bald war also Totensonntag. So stellte sich Jonathan vor, er würde sterben. Nicht in einer Woche. Jetzt sofort! Und horchte in seine Seele …

Schlagartig erschien sein Schatz wieder in seinem Bewußtsein. Seine Dorinde. Seine liebe Dorinde! Er hatte sie all die Jahre bei sich gehabt und es nicht gewusst. Er fragte sich, wo ist sie jetzt, wie kann ich sie finden? Er ging zu einer Seherin in die Stadt. Die schaute eine Weile in ihre Kristallkugel und sagte: “Ich kann sie nicht finden!” Jonathan fiel ein, vielleicht hätte sie ja geheiratet.

“Ja, hier ist sie!” sagte die Seherin. Doch sie klang traurig. Denn sie fand nur Dorindes Grabstein. Sie war gestorben. Vor sechs Monaten. Sie hatte sich in Dransidon beerdigen lassen, der Stadt von Jonathans Zauberschule.

Jonathan hatte seinen Schatz wieder. Doch Dorinde lebte nicht mehr. Er konnte nicht mehr mit ihr sprechen und sie nicht mehr umarmen. Nie mehr! Nimmermehr. Sieben Tage und Nächte weinte er um seine Geliebte. Er bat sie um Verzeihung, und versprach ihr, seine Locke an ihr Grab zu bringen. Vielleicht hörte sie ihn ja – dort oben im Himmel.

Er zauberte sich ein kleines Bild von Dorinde. So wie sie dastand, als er sie verließ. Das trägt er jetzt immer bei sich. Seinen Schatz. Um ihn nie mehr zu vergessen!

 

23. November 2012, aufgezeichnet von Bodo Bodenstein

 

 


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Gedicht im November

Erstellt von Bodo am 13. November 2012 – 08:45 -

Du bist noch da, noch immer.
Dein Herz schlägt weiter, sonderbar.
Die Zeit baut auf, die Zeit reißt nieder.
Gedanken kommen und verschwinden.
Nichts hält für immer.

Jahre prägten Leib und Seele.
Durch Höhen und Tiefen ohne Ende.
Gezehrt, verletzt, gelacht, geliebt.
Am Ende ging ich nur und schwieg.
Nichts hält für immer.

Planeten, Sonnen, Galaxien.
Wohin geht die Bahn, wohin die Reise?
Entschwindet alles in ein Nichts?
Geboren, gewachsen, gelebt, gestorben.
Doch auch kein Nichts hält wohl für immer.


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Echtes Gold

Erstellt von Bodo am 6. November 2012 – 10:14 -

“Alles, um was ihr betet und bittet – glaubt, dass ihr es empfangt,
und es wird euch werden.”
Markus 11,24

Eigentlich wollte ich heute niemanden besuchen. Frau Koch nicht, und Tante Hildchen schon gar nicht. Dann hatte ich aber nach dem Arzt noch Zeit bis zum nächsten Zug, ich stieg einfach in den proppevollen Köpenicker Bus und nach drei Stationen wieder aus. Nein, an der Haustür der alten Dame habe ich nicht einfach geklingelt. Das wäre ein Überfall gewesen. Ich habe per Handy angeklingelt und durfte dann auch raufkommen. Konnte eh nur 10 Minuten bleiben.

Frau Koch hatte ihre Putzhilfe da. Oh, dachte ich, da störe ich wohl wirklich! In Wirklichkeit störte ich nur beim Kaffeetrinken und Kuchenessen. Ich bekam sogar eine Tasse Kaffee ab, und wir konnten uns ein wenig nett unterhalten – ich und die Damen: die eine etwas älter, die andere etwas jünger. Ein Stück Kuchen wäre sogar für mich drin gewesen. Aber ich dankte. Vom IKEA war ich noch satt.

Meine Trophäe war ein geflochtener Wäschekorb. Das Ding sieht ganz gut aus. Auf dem Bahnhof Gesundbrunnen jedenfalls, blieben die Blicke der weiblichen Mitreisenden an dem Flechtwerk kleben. Schnell damit nach Hause! Bevor es mir eine abschwatzt …

Dieser Berlin-Ausflug fing diesmal anders an als sonst. Mit der ODEG Richtung Lichtenberg und dann wollte ich über Ostkreuz in die Stadtmitte. Aber kurz vor Hohenschönhausen kam mir die Idee, ich könnte ja auch mir der Tram reinzuckeln. Also dort ausgestiegen! Fahrstuhl wegen Vandalismus kaputt, sagt das Schild. Also ein langer Fußweg zur Haltestelle …

In der Straßenbahn war es kalt. Die Tram fuhr die Hansastraße entlang – für mich noch Neuland – an originellen Ruinen vorbei, in denen man tolle Gruselfilme drehen könnte. Ich schätze Baujahr 1890 … Die müssen doch schon zu DDR-Zeiten so verfallen gewesen sein. Jetzt hat man doch Geld! Aber man baut lieber hässliche Einkaufs-Center. Die bringen Rendite!

Ob ich den Andreas in Weißensee überfalle? Er geht nicht ans Telefon. Na gut. Die Tram zuckelt weiter. Jetzt wird’s etwas eng, aber nicht lange. Am Alex steigen die meisten aus. Rund um den Fernsehturm eine einzige Baubrache! Schöner Platz für Säufer. Die DDR-Architektur wird systematisch zerstört. Überall im Land kann man das feststellen. Der Kommunismus muss eben mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Wenn schon Erinnerung: bitteschön, hässlich muss sie sein!!!

Der Buchladen am Hackeschen Markt ist nicht groß genug. Na ja, für mich schon. Nur nicht für mein Buch. Kein Gesundheits-Regal, leider. Der Verkäufer winkt ab und darf mir eine hübsche Postkarte verkaufen. Draußen ein paar Fotos: Monbijou-Park mit Großer Synagoge. Ich gehe die Oranienburger weiter und suche ein passendes Restaurant. Die Heckmann-Höfe: zu teuer. Eine Cocktail-Bar: nicht mein Ding. Ick will wat zu futtern! Ich laufe und laufe, bis meine Blase entscheidet: Da gehen wir jetzt rein!

Die Toilette: Schweigen wir lieber drüber. Aber das Essen war lecker, und auch originell. Rote-Beete-Risotto mit Kürbiskernen und gebratenen Zuchini. Tucholsky- Ecke Auguststraße. Uriger Laden, gar nicht teuer.

Die S-Bahn, die hier im Untergrund fährt, bringt mich Richtung Süden. Station Friedrichstraße: Wenn man sich das überlegt! Hier, mitten in der Stadt war ein Grenzübergang. Zwischen zwei Welten! Wer in den Westen konnte und durfte, der durfte ab in den Untergrund der Stadt. Durch den Eisernen Vorhang in der Horizontalen! Überhaupt habe ich das damals erst sehr spät mitbekommen, dass das Zentrum von Ostberlin ja mehrfach vom “Feind” unterwandert bzw. unterfahren ist. Echt krass!

Genauso krass wie der Potsdamer Platz: Ein völlig überdimensionierter Regionalbahnhof; ein hässliches Einkaufs-Arkaden-Center, in den 90ern mit großem Tam-Tam hochgezogen und das wohl nur noch mit Fressbuden Umsatz macht, in die sich die Ministeriums-Bürokraten zur Mittagszeit flüchten. Und jetzt: So wenig Laufkundschaft, dass die einzige Buchhandlung in einigen Monaten das Weite sucht. Keine Rendite mehr.

Die vielen Touristen sind nur am Potsdamer Platz selber: Hübsche Fotokulisse mit schroffen Wolkenkratzern … Davor eine nice German Wurstbude. Schade, hier gab es ein großes Gesundheits-Regal, aber nicht mehr lange …

Ich hatte Zeit und las auf dem roten Sofa ein ganzes Buch durch. Die wichtigsten Stellen. “Wie man seine Angst überwindet – in zehn Schritten lösen sie jede Angst auf.” Habs an Ort und Stelle probiert. Alles im Geiste. Könnte klappen … sehr zu empfehlen. Die Angst ist ja auch nur im Geiste und nicht wirklich real. Real war, dass ich das Buch wieder ins Regal stellen konnte. Und Geld gespart habe. Aber ich war nicht gemein: eine Hörspiel-CD wechselte den Eigentümer …

Bei IKEA wechselte dann noch der Wäschekorb den Eigentümer. Überhaupt, diese schwedische Möbelbaracke! Man kann nicht genug vor ihr warnen: Willst du dort nur Kaffee trinken und Kuchen essen, du kommst einfach nicht wieder heraus! Die Rolltreppe fährt nur in eine Richtung, und eine Treppe hinunter gibt es einfach nicht. Eine FALLE! Die Info-Dame sagte mir: “Sie müssen durch die erste Abteilung. Dann gibt es aber eine Abkürzung nach links zu den Kassen.” Wäre ja noch schöner! Ohne Abkürzung.

Ich hatte keine Zeit, denn in 20 Minuten war der Arzttermin. Aber am anderen Ende der Stadt. Also durch die Abkürzung: Und, was steht auf den letzten Metern von IKEA? Mein Wäschekorb. Körbeweise allerdings. Er lächelte mich an und sagte: “Nimm mich mit, nimm mich mit!” Meine Wohnung zu Hause hörte das auch und rief: “Nimm ihn mit, nimm ihn mit!”

Da hat man einfach keine Chance. Bei IKEA geht man nicht so einfach hinaus. Alter Schwede, sag ich nur. Die Kassiererin meinte, ihr gehe es genauso: “Das Geld muss ja irgendwo bleiben!” Haha. Ja, wo bleibt denn das liebe Geld? Bei uns jedenfalls nicht!

Den langen Weg zurück nach Südkreuz, da hatte ich echt keinen Bock drauf und meine Knie schon gar nicht. Das Taxi kam wie gerufen. Es stand schon da und wartete. Wohl nur auf mich. Ein netter kleiner älterer Taxifahrer mit Akzent. Ob er denn jede Straße von Berlin kennt, wollte ich frecherweise wissen. Oh nein, das gehe gar nicht – bei 16.000 Berliner Straßen. Wie lange er schon in Berlin sei, wollte ich wissen. Seit 1968, da war er 22 Jahre! Er verriet mir eine Abkürzung, wie man schneller zu Fuß zum IKEA kommt und nach dem Bezahlen bekam ich sogar noch Gold vom ihm geschenkt: ECHTES GOLD.

Oh – danke, sagte ich, das lege ich gleich bei der Deutschen Bank an! Es war ein kleines goldenes Miniheftchen. “Etwas zum Lesen …” verabschiedete sich der Taxifahrer.

In der S-Bahn blätterte ich ein wenig drin: “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.” Nicht schlecht! – “Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.” Genau! – “Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen …” - Ich glaube, man sollte das nicht wörtlich nehmen. – “Alles, um was ihr betet und bittet – glaubt, dass ihr es empfangt, und es wird euch werden.” - Also, nicht das Sein bestimmt das Bewusstsein. Sondern euer Bewusstsein bestimmt euer Schicksal, Glück oder Unglück.

Wie bei der Angst. Die kann man sich wegdenken. Oder wie der Autor sagte: Einfach deinstallieren! Mit seinem Geiste. Mit ihrem Geiste.

 

Montag, 5. November 2012 – Bodo Bodenstein





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