Meine Geschichte

Erstellt von Bodo am 3. Juli 2012 – 16:15 -

Eine Leserzuschrift, anonym:

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meine geschichte

1969 : geburt, wieder mal? wen interessierts…
- : mama, warum umarmst du mich nie?…
- : papa benutzt mich als fussball, autsch…
- : ich kann keine nähe ertragen…
- : bloß keine gefühle zulassen, schadet eh nur…
- : ich liebe euch mädchen, aber kommt mir nicht zu nah…
1991 : erster und letzter sex…
- : alkohol, angst, panik…
2003 : kellner, einmal eine psychose bitte, danke…
2005 : wellnessurlaub in der klinik, mal richtig ausspannen…
2009 : arbeit in einer werkstatt, es geht aufwärts :)…
2012 : krisen, einsamkeit, unendliche sehnsucht…
2012, 11.april: ich kann nicht mehr…
ich-kann-ein-fach-nicht-mehr…
tränen…
warum ich…
wieso kann ich nicht gesund sein…
warum helfen die medikamente nicht…
wieso habe ich so große angst vor frauen…
tränen…
ich will lieben…
ich will geliebt werden…
ich will sex haben…
ich will nicht verletzt werden…
ich will kinder…
ich will der beste vater werden…
tränen…
was für ein scheißleben…
umbringen? ich lach´ später drüber…
tränen…
verdammte scheiße…
verdammte verdammte scheiße verdammte…
ich hab kein bock mehr…
ich habe echt kein bock mehr…
wut…
leck mich am arsch du scheißleben…
leck-mich-am-arsch…
ich bin kein opfer…
schon besser…
ich merke…
ich bin stark…
trotz allem…
tränen…
zuversicht…
ich bin ein mensch…
ich kämpfe…
was die zukunft bringt? wer weiß…
manche frauen…
mögen sensible Männer…

 

 

 


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Eine andere Weihnachtsgeschichte

Erstellt von Bodo am 11. November 2011 – 16:06 -

Erinnerung an WeihnachtenOh, Du fröhliche, Oh Du selige …

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte
von Gabriele

Das Weihnachtsfest in meiner Herkunftsfamilie war eine sich jährlich gleichbleibend wiederholende Katastrophe. Vorausschicken muss ich die Information, dass mein Vater Alkoholiker war und dass diese Tatsache zu den in Alkoholikerfamilien typischen Verwicklungen und Streitigkeiten zwischen den Eltern führte. Da mein Vater als Werkführer bei der Bundesbahn unter der Woche auf Montage war, beschränkten sich die – handgreiflichen – Zänkereien auf das Wochenende. Wir Kinder, mein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder und ich, lernten früh, die sich anbahnenden Spannungen und Feindseligkeiten zu erfühlen und uns rechtzeitig unsichtbar zu machen, denn es konnte durchaus sein, dass man im Eifer des Gefechtes wegen irgendeiner längst vergessenen Unartigkeit in das Gerangel mit einbezogen wurde und auch ein paar Hiebe abbekam.

Meine Mutter – der Prototyp einer tüchtigen Hausfrau – nahm es mit Weihnachten ziemlich genau. Schon Wochen vorher wurden Plätzchen gebacken, der Christbaumschmuck aus dem Keller geholt, Weihnachtskarten auch an die entfernteren Verwandten geschrieben, Geschenke eingepackt und sonstige Vorbereitungen getroffen. Mama war voll im Stress. An Heiligabend war sie dann so etwa auf dem Gipfel ihrer hektischen Umtriebigkeit und sehr gereizt, weil mein Vater sich in keinster Weise in ihre Aktivitäten hineinziehen ließ. Er saß stoisch am Küchentisch, blätterte genüsslich in der Bild-Zeitung und trank seinen bevorzugten Weißwein. Weihnachten war für ihn “Weiberkram” und ging ihn nichts an; der ganze Aufwand war ihm nur lästig und er ließ das Unvermeidliche murrend und widerwillig über sich ergehen. Weiterlesen…»


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Einfluss von Film und Fernsehen

Erstellt von Bodo am 21. September 2011 – 08:32 -

Vor ein paar Tagen erreichte mich diese Zuschrift, in der eine Leserin nach der Bedeutung von Filmen für die Psychose fragte:

Guten Tag Bodo,

neulich bin ich auf Ihre Seite gestossen und gleich danach Ihr Buch bestellt und gelesen. Zuerst ich möchte Ihnen DANKE sagen. Danke Bodo, dass Sie eine Website erstellt und dieses wunderbare Buch veröffentlich haben! Ich habe diese Krankheit, nämlich Schizophrenie, nie näher kennen gelernt, aber jetzt habe ich eine ungefähre Vorstellung davon, und das hilft mir, mich in die Situation der Betroffenen zu versetzen. Ich glaube, dass es sicherlich nicht einfach für jeden ist, sich zu öffnen und von seinen schlimmsten Erfahrungen zu erzählen. Aber Ihre Absicht, dadurch anderen Betroffenen und Unwissenden der Krankheit näherzubringen, finde ich sehr bewundernswert!

Nun möchte ich zum Punkt kommen, warum ich Ihnen diese Email schreibe, ausser dass ich Ihnen danken möchte. In der Schule bin ich im Projekt “Musik Art Show” und ich sollte eine schriftliche Arbeit schreiben, die irgendwie einen Bezug auf diese Themen hat. Als manche Wahnerlebnisse im Buch geschildert werden, haben sie mich an einige Filmsequenzen erinnert (welche genau kann ich leider nicht sagen). Deshalb frage ich mich, ob bestimmte Filme bzw Filmszenen in Ihrer Psychose vorgekommen sind. Und wenn das der Fall ist, aus welcher Genre oder welchem Themenkreis? Ich habe gelesen, dass Sie in der Psychose Bezüge aus TV und Filmen als auf sich bezogen interpretiet haben, diese meine ich nicht, sondern Filme, die Sie schon früher gesehen haben und dann aufgetaucht sind, als Sie Ihre Einbildungszeit durchmachten. Ist das passiert? Wenn nicht, möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen, weil ich einfach irgendeinen Blödsinn geredet und Sie vielleicht gar verwirrt habe.

Zum Schluss möchte ich meinen Dank an Ihre Frau richten. Sie und Ihre Frau haben einander unterstützt. Das gibt es leider nicht überall und ich finde das sehr wervoll.
Ich wünsche Ihnen beiden schöne Zeiten!

Freundliche Grüsse
Mandy


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Mein lieber Mann ist krank

Erstellt von Bodo am 3. April 2011 – 12:49 -

(ein Feedback einer Angehörigen, Name geändert)

Lieber Bodo,

 

es ist sehr mutig, solch einen persönlichen Bericht (siehe Tagebuch – d.R.) zu schreiben. Mein Mann befindet sich gerade in einer psychiatrischen Klinik. Er ist an einer schizophrenen Psychose erkrankt. Allerdings auch nicht das erste Mal. Er ist 1961 geboren und erkrankte zum ersten Mal 1981 während seiner Ausbildungszeit als Funker in der Bundeswehr. Das 2. Mal im Jahr 2000 und eben jetzt wieder. Dies geschah immer nach Stressphasen, die ich immer versucht habe von ihm abzuhalten, aber er war nicht einsichtig und nicht zu bremsen. Ich kenne ihn seit 1980 und liebe ihn sehr. Er ist nämlich ein ganz toller Ehemann u. Papi. Beim ersten Mal war es für mich sehr schwierig damit umzugehen habe mich aber mit der Thematik befasst um besser zu verstehen, was los ist. Es ist ja heute wesentlich einfacher da man vieles durchs Internet erfährt.

 

Lieber Bodo, ich hoffe du kannst gut leben mit deiner Krankheit. Es ist nichts vor dem man sich schämen muss. Im Gegenteil die Umwelt sollte sich schämen, da sie dies zum Tabuthema machen.

 

Außerdem die Leute mit psychischen Erkrankungen, sind alle sehr intelligent und da liegt wahrscheinlich das Problem. Es reicht nicht 100 % Leistung, nein ihr wollt alles perfekt, eben über die Grenzen leisten.

 

Ich wünsche dir viel Glück auf deinem weiteren Lebensweg.
Liebe Grüsse, Gesine

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Brief an meinen Psychiater

Erstellt von Bodo am 30. März 2011 – 15:03 -

Faszination Gehirnein Brief von Gabriele

Sehr geehrter Herr Psychiater,

ich bin dankbar, dass Sie die Resultate meines dreizehnjährigen Bemühens um Beherrschung meiner schizophrenen Symptomatik würdigen und anerkennen und mich dadurch in meinem Tun bestärken. Nach allem sehe ich jetzt doch ein, dass es nicht in meiner Macht liegt, die psychotischen Gesetzmäßigkeiten, nach denen mein Gehirn funktioniert, zu überwinden. Heilung wird und kann es für mich nicht geben und ich nehme Abschied von der Vorstellung, jemals wieder normal und gesund zu werden. Ich stehe am Ende einer Sackgasse und blicke auf den Weg zurück, den ich gekommen bin. Mein Rucksack ist voller Fundsachen, die ich am Wegesrand eingesammelt und mitgenommen habe und mein Kopf ist voll von den Abenteuern und Erfahrungen, die ich unterwegs machen musste bzw. durfte. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich die gemachten Erfahrungen ausgewertet habe und – darauf aufbauend – mir einen neuen Weg suche, eine neue Richtung, ein neues Ziel.

Das Wertvollste, was ich mir auf meinem Bewusstwerdungsweg erworben habe, ist die Vertrautheit mit meinem Gehirn, das mir auf meinem Weg auf Schritt und Tritt gefolgt ist. Mal lief es neben, mal hinter mir, mal voraus. Hin und wieder stellte es sich mir in den Weg und versuchte, mich aufzuhalten. Dann wieder blieb es sitzen und wollte nicht mehr weiterlaufen. Dann musste ich es ein Stück tragen, bis es wieder bei Kräften war. Hin und wieder stritten wir auch über das Tempo, denn es lief oft so schnell, das ich kaum mitkam.

Jedenfalls bin ich jetzt, nach all den gemeinsam erlebten Strapazen, aufs innigste mit meinem Gehirn vertraut und schmiede schon Pläne, wohin unsere nächste Forschungstour gehen soll.

Ich bin sehr dankbar, dass der Schöpfer mich mit einem derart munteren, quicklebendigen und schöpferischen Organ ausgestattet hat, das unermüdlich Ideen, Bilder, Gleichnisse und Assoziationen produziert und mein ganzes sonstiges Wesen mit diesen Inspirationen durchdringt und beseelt. Ich kann jedoch nur einen kleinen Teil dessen aufnehmen und umsetzen, wozu es mich auffordert und inspiriert. Der größte Teil seiner geistigen Produktion hat auch keinen praktischen Nutzen und ist im normalen Alltagsleben nicht verwertbar. Mein Gehirn lebt in und aus anderen Dimensionen als der Rest meines Wesens und ist permanent bestrebt, mich aus den realen Verhaftungen und Verwicklungen herauszuziehen.

Mein Gehirn ermüdet nur schwer und braucht auch keinen Schlaf wie mein Körper. Es verfügt auch nicht über einen Schalter, mit dem man es abschalten könnte, wenn es sich heiß gelaufen hat. Es ist unermüdlich am Schaffen und Werkeln und dies umso intensiver, je mehr mein Körper entspannt seine Aktivitäten herunterschraubt. Wenn ich in lebenspraktische Anforderungen, soziale Verpflichtungen und gesellschaftspolitische Zwänge eingespannt bin und mein aktives Tätigsein in der Welt Konzentration und Intelligenz erfordert, lässt die schöpferische Dynamik meines Gehirns etwas nach und es wird ruhiger. Es lässt sich jedoch nur widerwillig für meine Zwecke einspannen, es sträubt sich, meinen willentlichen Vorgaben zu folgen und lenkt mich permanent durch phantasievolle Störimpulse von meinen realen Absichten ab. Ich will einen geraden Weg gehen, mein Gehirn aber wandelt lieber auf verschlungenen Pfaden. So sind wir ständig im Clinch, wer in meinem Organismus das Sagen hat: der zielgerichtete egozentrische Wille, der sich an den Notwendigkeiten und Erfordernissen der Realität orientiert oder dieses undisziplinierte, verspielte Organ, das unkonventionelle Lösungen bevorzugt und mit dynamischer Kraft nach Expansion strebt.

Stellen Sie sich vor, ich will einen Einkaufszettel schreiben. Das mache ich eigentlich immer, weil ich beim Einkaufen einen Halt brauche, damit ich nicht in dem unübersichtlichen und aufdringlichen Warenangebot der kapitalistischen Überfülle die Orientierung verliere. Nehmen wir an, ich wolle Schweinebauch kaufen. Also schreibe ich auf: Schweinebauch. Vor meinem geistigen Auge erscheint ein knusprig gegrillter Schweinebauchlappen. Dann taucht die Frage auf: Wo kommt der her? Ich sehe ein Schwein. Dann sehe ich viele Schweine, die sich gequält auf engem Raum drängeln. Massentierhaltung. Schweinehälften, die in einem gekachelten Raum an  Haken baumeln. Plötzlich bin ich durchdrungen von einem großen Schmerz. Die Verbrechen der Menschheit an der Schöpfung werden mir (wieder einmal) bewusst. Und schon bin ich mit meinem Bewusstsein am Ende der Welt. Dabei wollte ich doch bloß einen Einkaufszettel schreiben!

So geht es mir oft, eigentlich immer. Der Ausgangspunkt meines Denkens und Tuns ist eine einfache, konkrete Aufgabe und mein Gehirn ordnet diese Aufgabe vollautomatisch in einen übergeordneten Zusammenhang ein. So lande ich – ausgehend von einem realen, überschaubaren Problem – immer in wenigen Schritten bei philosophischen Grundsatzfragen.  Das läuft von jedem beliebigen Punkt der Erfahrung ausgehend immer nach dem gleichen Muster ab und endet regelmäßig bei der nicht zu beantwortenden Frage nach dem Sinn des Ganzen.

Der gesunde Menschenverstand nimmt in der Gesamtkapazität  meines Gehirns einen zwar zentralen, aber doch ziemlich kleinen Raum ein. Er ist zwar immer anwesend und nimmt Einfluss auf das Geschehen, seine Autorität reicht jedoch nicht aus, die schöpferischen Prozesse des Gesamtgehirns in brauchbare, der Realität angemessene Ergebnisse zu verwandeln. Er ist mehr oder weniger machtlos den Turbulenzen der Gesamtaktivität ausgeliefert und wird phasenweise von diesen Strömungen überflutet und weggeschwemmt. Durch dieses Geschehen hat sich der gesunde Menschenverstand eine gewisse Bescheidenheit angeeignet und agiert nur noch auf einem sehr praxisbezogenen Niveau. Wenn es um wirklich Wesentliches geht, hält er sich zurück und überlässt das Regiment den kreativen Kräften.

Die Schaffenskraft meines Gehirns ist nahezu unbegrenzt und manchmal habe ich vollen Zugang zu seinen schöpferischen Möglichkeiten. Obwohl mein Gehirn im allgemeinen sehr ungehorsam ist und mir ständig auf der Nase herumtanzt, lässt es sich leicht einspannen, wenn es um menschliche Kommunikation oder soziale Interaktion geht. In diesem Kontext dient es mir willig und stellt mir kooperativ sein ganzes Potenzial zur Verfügung. Gleichzeitig nimmt mein Gehirn über diesen sozialen Kanal auch Nahrung auf, es holt sich von anderen Menschen Informationen und Inspirationen und verwandelt diese dann in dem ihm eigenen kreativen Prozess in Erkenntnisse und Orientierungen.

Ein weiterer Bereich, in dem sich die schöpferischen Kräfte meines Gehirns gut kanalisieren lassen, ist das Schreiben. Mein Gehirn verfügt über einen großen Wortschatz, den es mir bereitwillig zur Verfügung stellt, wenn ich versuche, meine komplexen Wahrnehmungen, Befindlichkeiten, Überlegungen oder was auch immer, in Worte zu fassen. Über den kreativen Prozess des Schreibens schaffe ich so ganz nebenher Ordnung in den meist unaufgeräumten Schränken und Schubladen, in denen mein Gehirn seine Sachen aufbewahrt. Mein Gehirn ist meist erleichtert und sehr dankbar, dass ich diese Aufräumarbeiten erledige und auch ich bin froh und zufrieden, wenn diese notwendige Tätigkeit zu sichtbaren Ergebnissen führt.

Die Fähigkeit meines Gehirns, neues Wissen aufzunehmen und zu speichern, hat seit einigen Jahren deutlich nachgelassen. Die vorhandenen Speicherkapazitäten sind offensichtlich ausgeschöpft und die Kanäle der Wissensübermittlung verstopft.  Möglicherweise sind in meinem Gehirn noch Räume vorhanden, die sich als Wissensspeicher nutzen ließen, doch mein Gehirn weigert sich beharrlich, die Zugangswege zu diesen Räumen freizumachen. Neues Wissen, das sich im Eingangsbereich drängelt, wird nicht mehr hereingelassen. Allein durch die Hintertür und durch die Vermittlung anderer Menschen findet hin und wieder eine wichtige Information den Weg ins Innere.

Mein Gehirn hat eine sehr gute Verbindung zu meiner Wahrnehmung und nimmt bereitwillig alle Eindrücke auf, welche die Wahrnehmung ihm liefert. Da meine Wahrnehmung überaus fleißig ist im Sammeln von Informationen und unkritisch alles einheimst, was ihr über den Weg läuft, bringt sie meinem Gehirn permanent Berge von unsortiertem Material zum Ordnen und zur Weiterverarbeitung. Hierbei kommt es hin und wieder zu Störungen oder einem Stau, da mein Gehirn mit dem Arbeitstempo und der Aufnahmekapazität meines Wahrnehmungsapparates kaum Schritt halten kann. Es war deshalb in der Vergangenheit auch schon mehrfach notwendig, von der normalen Funktionsweise (gewöhnliches Bewusstsein ) auf die psychotische Funktionsweise (außergewöhnlicher Bewusstseinszustand) umzuschalten, um diese Unmengen von Informationen zu bewältigen. Normale Ordnungs- und Denkstrukturen reichen oft nicht aus, die Informationsflut, die meine wache, übersensible Wahrnehmung  verursacht, aufzufangen und einzuordnen.

Meine Wahrnehmungsfunktion ist auch nicht zwingend an die Leistungsfähigkeit meiner Sinnesorgane gebunden, sondern nimmt darüber hinaus auch Eindrücke aus den paranormalen, übersinnlichen Bereichen auf und konfrontiert mein Gehirn mit der komplizierten Aufgabe, aus diesen Einströmungen eine praktisch verwertbare Information zu basteln. Diese Anforderung bringt mein Gehirn regelmäßig an seine Leistungsgrenze und es schaltet dann zu seiner Entlastung von der gewöhnlichen auf die außergewöhnliche Funktionsweise um. Das wird dann von der psychiatrischen Schulmeinung psychotisch oder schizophren genannt.

Ich habe mich im Laufe der Jahre an die unkonventionelle Arbeitsweise meines Gehirns gewöhnt und mir eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit seinen Herausforderungen angeeignet. Ich lasse mich nicht mehr von jeder verrückten Idee zu bizarren Handlungen treiben, sondern halte still und lasse die phantastischen Kraftströme passiv durch mich hindurch fließen. An meinem Arbeitsplatz hängt ein Zettel, auf dem steht : „Verharre unbewegt !“ An diese Anweisung halte ich mich, so gut es eben geht.

Bei aller Sympathie ist es doch sehr anstrengend, permanent den Impulsen eines derart aktiven und dynamischen Organs ausgesetzt zu sein und deshalb entscheide ich mich jetzt dafür, die chemische Keule zu schwingen und dieses ungezogene Ding mit Gewalt in seine Schranken zu weisen. Meine langjährigen, erzieherischen Bemühungen, meine Appelle an die Vernunft, mein Bitten und Flehen um Schonung: all das hat nichts bewirkt. Ich bin am Ende meiner Möglichkeiten und meiner Geduld angelangt und möchte nicht länger strapaziert und in Atem gehalten werden. Ich bin müde und erschöpft. Mir geht es wie dem Abenteurer aus Bertold Brechts Ballade :

Schlendernd durch Höllen und gepeitscht durch Paradiese
Still und grinsend, vergehenden Gesichts
Träumt er gelegentlich von einer kleinen Wiese
Mit blauem Himmel drüber und sonst nichts.

Ein Text von Gabriele
www.aquarius-handbuch.de

 


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Nur eine Tasse Tee … ein Text von Gabriele zum Thema Depression

Erstellt von Bodo am 31. Januar 2011 – 11:55 -

Nur eine Tasse Tee

Ich sitze hier auf der Couch und starre vor mich hin. Vor etwa einer halben Stunde habe ich den Entschluss gefasst, mir Tee zu kochen. Indessen ist daraus nichts geworden. Der Weg vom Wohnzimmer in die Küche ist allzu weit. Ich müsste von der Couch aufstehen und meine müden, bleischweren Knochen in die Küche schleppen. Die Zeremonie der Teezubereitung erscheint mir ebenfalls zu kompliziert: ein gleichbleibend festes Ritual mit Handgriffen, deren Reihenfolge mir nicht mehr geläufig scheint. Der Heißwasserbereiter müsste auch mal wieder entkalkt werden, es gibt da so eklige Flocken, wenn das Wasser aufsprudelt. Und auch ein neues Baumwollsieb ist überfällig, das alte strotzt schon ganz steif von den unappetitlichen Teeablagerungen. Hab’ ich jetzt ein neues im Internet bestellt oder nicht? Kein sauberes Sieb, ekelhafter Kalk, keine Kraft in den Gliedern, kein tragfähiger Entschluss im Kopf. Hinderungsgründe. Die Tasse Tee rückt in weite Ferne. Wie eine Silberstreif steht sie verlockend am Horizont und ist doch gleichzeitig so nah, wäre so nah, wenn, ja wenn …..

Die Sonne dringt seit Wochen nicht mehr in das morsche Gebälk meiner trüben Gedanken. Das faulende Holz ächzt unter dem Gewicht der krausen Ideen und haltlosen Überzeugungen, die mich energisch bedrängen und von mir Besitz ergreifen. Ein kraftloser Wille mischt sich erfolglos ein in das wirre Spiel der Seelenkräfte. Mein schlaffer Leib hat der destruktiven Dynamik meiner Überlegungen nichts entgegenzusetzen. Seit Tagen habe ich nichts gegessen.

Im Radio dudelt der Deutschlandfunk in dezenter Zimmerlautstärke. Ein Wortbeitrag folgt dem nächsten, nur durch kurze Musikeinlagen unterbrochen. Ich höre Männerstimmen, Frauenstimmen, Sprachmelodien, Singsang, agitierende Reden. Die Worte kommen akustisch bei mir an, ihr Inhalt geht jedoch durch mich hindurch, die Bedeutungen rutschen wie geölt durch meine Gehirnwindungen und nur ab und an bleibt mal ein Wort hängen, das aufgrund irgendeiner Besonderheit meine Aufmerksamkeit für einen kurzen Augenblick an sich zieht. Wachstumsbeschleunigungsgesetz etwa. Oder Klientelpolitik. In Afghanistan wurden aus Versehen 12 Zivilisten getötet. Hat das etwas mit mir zu tun? Nicht mehr und nicht weniger als die Tasse Tee, die mir aufgrund fehlender Spannkraft in den Gliedern und einer schlaffen Unentschlossenheit des Willens noch immer versagt bleibt.

Es wäre auch Kaffee im Haus. Kaffee wäre jetzt auch sehr schön. Mit viel Milch und einer Prise Zimt, im Melitta-Filter frisch aufgebrüht, so dass das Aroma die ganze Wohnung durchzieht. Mit diesem, in meinem Gedächtnis fest verankerten Duft verbinden sich viele Erinnerungen, Bilder und Stimmungen: Familienfeierlichkeiten, Geburtstage, Kaffeekränzchen und das Tchibo-Stehcafe am Markplatz, wo die Herren Rentner gutgelaunt ihre Plauderstündchen abhalten. Kaffee geht mit vielen Bedeutungen schwanger. Mehr als mir lieb ist, wühlt der Gedanke an Kaffee mich auf, Aktivität und Geselligkeit stehen damit in Verbindung, was mit meiner momentanen Schlaffheit überhaupt nicht in Einklang zu bringen ist. Also doch lieber Tee.

Mein Blick fällt unter den Couchtisch auf meine nackten Füße. Fußpflege. Auch längst mal wieder fällig. Zu wem soll ich gehen? Wovon es bezahlen? An den Fußsohlen kleben Krümel, Tabakkrümel, Brotkrümel, undefinierbare Krümel, die im Laufe der Zeit durch meine Anwesenheit an diesem, meinem Lieblingssitzplatz auf den Fußboden gekommen sind und jetzt noch dort liegen, weil ich es versäumte, sie regelmäßig zu beseitigen. Neben dem Tischbein hat sich eine dicke, fette, mit Katzenhaaren verkeilte Staubfluse breit gemacht. Unter dem Telefontischchen sind noch mehr davon, das weiß ich genau. Wann wurde hier das letzte Mal staubgesaugt? Ich hasse Staubsaugen, denn es macht einen fürchterlichen Lärm. Außerdem müsste der Staubsauger, um ihn wieder effektiv einsetzen zu können, erst mal geleert werden und auch diese staubige Angelegenheit ist mir verhasst.

Jetzt dreh ich mir zum Schutze gegen den allseitigen Dreck und seine beschämende Bewusstwerdung in meinem lustlosen und trägen Hirn erst mal eine Zigarette, wohlwissend, dass das Rauchen der größte Dreck ist von allem. Zwischen 60 und 70 € gebe ich im Monat dafür aus, stelle mich verschämt auf zugigen Bahnhöfen in die Nichtraucherzonen, gierig, uneinsichtig, dumm. Skrupellos und ohne Rücksicht auf die öffentliche Sauberkeit schnippe ich Kippen auf das Trottoir, weil ich es ablehne, ständig einen dieser stinkigen Taschenaschenbecher mit mir herumzutragen. Der Öffentliche Raum wird zunehmend für Raucher tabuisiert und ich gehöre zu den Ausgestoßenen, denen man verächtliche und missbilligende Blicke zuwirft. Trotzig ziehe ich in meiner Raucherwohnung an der Selbstgedrehten. Schmeckt sie? Wie immer. Wenigstens das.

Zurück zum Tee: Was hindert mich nun noch, ihn zu bereiten? Welche Magneten halten mich in meiner verspannten Sitzposition auf dieser vermaledeiten Couch fest? Ich weiß es. Auf dem Weg vom Wohnzimmer in die Küche werden mir Dinge begegnen, an die ich nicht erinnert und mit denen ich nicht konfrontiert sein will. Ein benutztes Katzenklo. Ein halbvoller, stehen gelassener Putzeimer, ein überquellender Wäschekorb, ein nicht weggeräumter Besen: all das weist darauf hin, dass ich den bürgerlichen Normen in punkto Ordnung und Sauberkeit schon lange nicht mehr gerecht werde. Der Aufforderungscharakter meiner beginnenden Verwahrlosung reicht jedoch nicht aus, endlich tätig zu werden.

Eine bis aufs letzte Zipfelchen ausgedrückte Zahnpastatube verlangt Nachschub. Dazu müsste ich aus dem Haus gehen und das will ich auf jeden Fall vermeiden. Katzenhaare zeugen überall von der stillen Anwesenheit der Wohngenossin, die ich aus Nachlässigkeit heute noch nicht gefüttert habe. Geschichten und Ereignisse, Vorsätze und Versäumnisse, die sich gedanklich in meinem Kopf drängen und mit unangenehmen Empfindungen einhergehen, materialisieren sich in meinem vernachlässigten Haushalt mit seinen schmuddeligen Gebrauchsgegenständen. Wie gern wäre ich ein vorbildlicher Wohnungsinhaber, eine tüchtige Hausfrau, ein ordentlicher Mensch in einer gepflegten Umgebung. Indessen bin ich all das nicht, sondern das genaue Gegenteil davon: eine verlotterte Schlampe, ein faules Stück, ein jämmerlicher Versager, ein Stück Dreck, nicht besser als der Dreck um mich herum.

Inzwischen sind meine bloßen Füße kalt geworden. Ich streife die Krümel von den Sohlen, ziehe die Beine an und begebe mich in die Liegeposition, wobei ich einen Teil meiner geliebten Schurwolldecke um meine klammen Füße wickle und den Rest bis unters Kinn hochziehe. Die Decke müsste auch mal wieder gewaschen werden. Ich kuschele mich hinein und atme erst mal tief durch Es ist später Vormittag. Der Tag hält keinerlei äußere Verpflichtungen für mich bereit. Niemand erwartet mein Kommen. Keiner rechnet mit meinem Erscheinen. Ich drehe das Radio leiser und schließe die Augen.

Mein haltloses Herz stürzt kopfüber ins Bodenlose. Am Halteseil der gängigen Lügen ist mein Bewusstsein fest gezurrt. Es hat kein Eigenleben mehr. Es nährt sich aus dem Bodensatz verschimmelter Marmelade und bringt nur noch spärlich klägliche Denkergebnisse hervor, die ich sofort verwerfe, da ihnen der praktische Nutzen fehlt.

Im entspannten Dunkel der geschlossenen Lider taucht vor meinem geistigen Auge der Tee wieder auf: aus biologischem Anbau, rotgolden, heiß, duftend, wohlschmeckend. Er dampft in zarten Schwaden aus meiner stets sauber gespülten weiß-blauen Tasse, die mit dem Sprung, die mir am liebsten ist.

E-Mail an Gabriele: gabriele.haag1@web.de


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Meine Website zum Thema Psychose

Erstellt von Bodo am 31. Januar 2011 – 11:27 -

Hallo!

Ich habe vor längerer Zeit mal einen Artikel im Pahaschi-Forum veröffentlicht (“Spiritualität und Psychose”) Inzwischen habe ich ein Buch geschrieben, zu dem es auch eine Website gibt (siehe unten). Meine schriftstellerische Tätigkeit ist mein Weg, mit der Schizophrenie umzugehen und das kreative Potential der Psychose “anzuzapfen”. Es wäre für mich sehr hilfreich, wenn Du den Link auf meine Seite im Pahaschi-Forum veröffentlichen könntest.

Darüber hinaus habe ich gerade einen Artikel zum Thema “Depressionen” fertiggestellt, den ich als Anlage hier beifüge. Vielleicht eignet er sich ja auch für das Forum. Mit einer Veröffentlichung meiner e-mail-Adresse bin ich ausdrücklich einverstanden.

Herzliche Grüße aus Mannheim
Gabriele Haag

Homepage zum Buch: www.aquarius-handbuch.de

E-Mail an: gabriele.haag1@web.de

 

 


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Mein Ärger mit der Kindergeldkasse

Erstellt von Bodo am 17. Dezember 2010 – 15:10 -

Lieber Bodo Bodenstein,ich muss meinem Herzen Luft machen. Seit 10 Jahren ist mein Sohn an paranoider-halluzinatorischer Schizophrenie erkrankt. Ich arbeite im öffentlichen Dienst, bekomme daa Kindergeld nicht von der Arbeitsagentur, sondern der öffentlichen Verwaltung ausbezahlt.

Ich habe seit 8 Jahren nur Schikane erlebt. Ich hatte meinen Sohn beim Arbeitsamt arbeitslos gemeldet (musste man machen, um das Kindergeld zu bekommen). Die Sachbearbeiterin hatte mir nicht gesagt, dass ich dies wiederholen müsse.

Der Sachbearbeiter von der Kindergeldkasse (öffentlicher Dienst) hat dann mir ohne meine Kenntnis einfach das Kindergeld nicht ausbezahlt (kein Kindergeld auf dem Gehaltskonto). Ich rief an. Man sagte mir, dass sie vom Arbeitsamt informiert wurden, dass mein Sohn sich nicht mehr arbeitslos gemeldet hätte????.

Ich war baff! Dies war der Anfang einer langen ärgerlichen Geschichte, die noch nicht beendet ist.

Der Sachbearbeiter, dem ich ein Attest des behandelden Arztes (Psychiater) vorgelegt habe, sagte mir, nein, das reicht nicht aus. Ich musste mit meinen Sohn zum Gesundheitsamt gehen, um noch einmal die Nichtarbeitsfähigkeit bestätigen zu lassen. Ich muss sagen, der Arzt vom Gesundheitsamt war sehr freundlich (Ist schon 7 Jahre her). Das Attest wurde dann anerkannt.

Mein Sohn musste zwei Ausbildugen gleich von Anfang an abbrechen, weil es durch die Krankheit nicht möglich war zu arbeiten.

Es gibt doch Gesetze, die sagen, dass wer vor dem 27. Lebensjahr erkrankt, behindert ist (Schwerbehindertenausweis usw.) das Kindegeld lebenslang bekommt. Ich habe nach gründlicher Überlegung dann im Dezember 2003 Antrag auf Schwerbehinderung gestellt. dem auch mit 50 % entsprochen wurde. Den Schwerbehindertenausweis habe ich der Kindergeldkasse, die inschwisen wieder wissen woltle, was Sache ist vorgelegt.

Das wär aber auch nicht ausreichend, erklärte die Kindergeldkasse. Es mussten, außer Attesten, noch Bescheingungen über seinen derzeitigen Gesundheitszustand und Arbeitrsfhähigkeit, wie Aufnahme in eine Werkstatt für Behinderte, vorgelegt werden. Mein Sohn hat das mit der Werkstatt auch nicht hingekriegt.

Zwischendurch hat der Sachbearbeiter, den sie frühzeitig in den Ruhestand verabschiedet haben, wieder aktiv, Ich bekam einen Lohnzettel vom halben Gehalt. Ich dachte ich muss in die Luft gehen. Er hatte im EDv-Progamm einen Haken vergessen (Ortszuschlag 90 Euro). Der Computer druckte dann von den vergangenen Monaten Gehaltszettel aus, die um den Ortszuschlag verminderrt waren. Ich rief an, die Chefin sagte mir, bitte entschuldigen Sie, er hat den Haken vergessen.

Nach fünf Jahren ist der Ausweis abgelaufen. Ich habe dann beim Versorgungsamt Antrag auf Ausstellung einers neuen Schwer behindertenausweis gestellt Ich erhielt etwa zwei Wochen vor Ablauf des Schwerbehindertenausweises ein Schreiben , ich solle den neuen Ausweis vorlegen. (Man hat den Fall beobachtet). Ich habe sofort nach Erhalt des Schreibens Kopien des Schwe- rbehindertausweises gemacht (60 % und unbefristet) und an die Kindergeldkasse gesandt. Ohne mir etwas dabei zu denken.

Aber oho. Der nächste Gehaltszettel war wieder ohne Kindergeld.

Man kann sich denken, dass ich wieder vollkommen fertig war. Es gibt eine Beschwerdestelle Psychiatrie. Ich habe überlegt dass ich dort hingehe und mich beschwere.Habe dann aber doch nichts gemacht. Dann bin ich mit der Akte in das Psyachiatriesche Krankenhaus meines Wohnortes gegangen, in dem mein Sohn auch behandelt wird, habe die Akte dem leitenten Arzt der Station vorgelegt. Der hat die Akte dann der Sozialarbeiterin weiterge- geben. Die musste noch ein Fax mit irgendwelchen Attesten hinschicken.

Vorerst mal wieder Ruhe eingekeht.

Mein Sohn wurde dann vor ca 2 1/4 Jahren in einem Wohnheim für Psychisch Kranke aufgenommen. Die Bescheinigung, dass er aufgenommen wurde, wurde wieder an die Kindergeldkasse gesandt. Der Sachbearbeiter teilte mir mit, dass er eine Wieder- vorlage von 3 Jahren mache..Also keine Schikane …..

Meinem Sohn wurde leider gekündigt. Ich habe dann der Kindergeldkasse mitgeteilt, dass er wieder bei mir wohnen wird. Ein neues Attest von der Institusambulanz hatte ich auch, das ich vorlegte.

Mich rief vor zwei Wochen die Chefin der Kindergeldkasse privat an und wollte wissen, was mein Sohn jetzt mache. Ich teilte ihr mit, dass ich (bin geseztliche Betreuerin) die Grundsicherung beangtragen werde sowie die EU beim Renten- versicherungsträger . Der Ton war permanent. Freundlichkeit ist ein Problem! Ich habe vor Schrecken vergessen, was ich sagen wollte. Dass ich doch der Kommune einen Batzen Geld gespart hätte, Eingliederungshilfe sowie Hlifle zum Lebensunterhalt über 3.700 E pro Monat) Kindergeld 184 im Monat. Sie fragfe mich, von was lebt er denn? Ich habe keine Antwort gegeben. Ich weiß nicht warum diese Angelegenheit so permanent überwacht wird. Weiß nur von andern Kindergeldbeziehern, dass sie jeder Vierteljahr irgendeine Bescheinigung vorlegen müssen. (Gibt es viele schwarze Schafe?)

Es kam doch auch mal in den Nachricht, dass Menschen zweimal Kindergeld bezogen hätten, Einmal von der Agentur für Arbeit, des weiteren von den öffentlichen Arbeitgebern.

Ich habe mir gedacht, dass können die nicht mehr zurück verfolgen, wer was zuviel gekriegt hat.

Wenn man meine Geschichte hier liest, muss man denken man kämpt auf einsamer Front.

Ich würde mich freuen, wenn irgendwelche Pahaschis, die solche Sachen auch erlebt hätten, mir im Forum etwas schreiben würden..

Liebe Grüße


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Lehrvideos zur Schizophrenie

Erstellt von Bodo am 24. März 2010 – 18:50 -

Hallo,

ganz tolle Seite .. danke lieber Bodo. Hat mir damals (war ueber 2 Jahre in postpsychotischer Depression versunken) sehr viel gegeben und weitergeholfen. Meine Diagnose lautet ebenfalls kurz „pahaSchi“. Bin aber seit ca. 2 Jahren (bis auf eine sehr kurze Episode) Symptomfrei und habe wieder Freude am Leben.

Vor kurzem stiess ich auf ein Lehrvideo für Psychologiestudenten aus dem Jahre 1988. Einiges, gerade das Medikamententhema, im zweiten Teil ist natuerlich nicht mehr aktuell. Aber sonst sehr spannendes und lehrreiches Material, absolut zu empfehlen fuer Betroffene, Angehoerige und sonstig Interessierte.

Hier einfach mal die Download-Links … Schizophrenie (Teil 1) Schizophrenie (Teil 2)

gruss B.
Bernd.Meier75(at)gmx.net


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Post von Alfred …

Erstellt von Bodo am 28. Juli 2009 – 16:59 -

Lieber Bodo,

ich habe Deinen Buchauszug gelesen und dabei viele Parallelen zu meinen eigenen Erlebnissen bemerkt. Inhaltlich ist jede Psychose zwangsläufig individuell verschieden, formal hingegen habe ich schon öfters verblüffende Ähnlichkeiten festgestellt. Vor allem die religiösen Bezüge sind auffällig. Ein psychiatrischer Krankenpfleger hat mir hierzu erzählt, daß ihm in seiner über 20jährigen Tätigkeit unter Tausenden Wahnkranken kein einziger bekennender Atheist untergekommen ist. Auch ich selbst konnte mich nach wiederholten religiösen Wahnideen nur durch Erarbeiten einer sprichwörtlichen ‚Gesunden Skepsis‘ gegenüber transzendentalen Ideologien stabilisieren.

Im folgenden Artikel habe ich meine Krankengeschichte – oder besser gesagt ‚Gesundwerdungsgeschichte‘ – zusammenfasst:

In meiner Kindheit und Jugend hatte ich außer einer Lungenentzündung keinerlei Erkrankungen. Ich war sogar stolz darauf, bis zu meinem 19. Lebensjahr nur ein einziges Mal wegen einer harmlosen ‚Wassersucht’ nicht in die Schule gehen zu können. Um so größer war die Überraschung als ich kurz vor der Matura (Reifeprüfung) von einer Krankheit betroffen wurde, die ich zu Beginn gar nicht als solche erkannte: manisch-depressive Psychose. Fatalerweise fühlte ich mich dabei so wohl wie nie zuvor in meinem Leben, initiiert wohl auch durch einen sich steigernden Größenwahn, jedem geistig und körperlich überlegen zu sein.

Dieses Hochgefühl wandelte sich nach einigen Wochen durch medikamentöse Behandlung in einer Nervenklinik in sein glattes Gegenteil um: Antriebslosigkeit, starke Minderwertigkeitsgefühle bis zu Selbstmordgedanken. Ich bekam drei Jahre lang Psychopharmaka verschrieben, die mich in einem latent gedämpften Zustand hielten. Um gelegentlich doch etwas mehr ‚Leben’ zu spüren begann ich, leichte Drogen (Haschisch, LSD) zu konsumieren. Dies ging solange gut, bis eine Überdosis Romilar-Tabletten (ursprünglich ein Hustenmittel) erneut eine Psychose auslöste, die viel intensiver war als die erste: Stimmenhören, Allmachtsgefühle – unterbrochen von starken paranoiden Wahnvorstellungen – sowie eine auffällige Hemmungslosigkeit im sozialen Umgang führten diesmal zu einer zwangsweisen Einlieferung in die Nervenklinik (Diagnose: Schizophrenie).

Die nach der Entlassung folgende Depression war so stark, dass ich nach einigen Wochen einen Selbstmordversuch mittels einer Überdosis der mir damals verschriebenen Beruhigungstabletten (Leponex) unternahm. Glücklicherweise wurde ich nur bewusstlos und konnte bereits nach 14 Tagen wieder aus der Klinik entlassen werden. Trotzdem ich nun andere Medikamente bekam, verschlechterte sich mein Zustand wieder in Richtung Manie, so dass ich nach drei Monaten erneut für acht Wochen eingewiesen wurde. Mein Vertrauen in die herkömmliche Medizin, insbesondere die Psychiatrie, begann nach diesen wiederholt erfolglosen Behandlungen zu schwinden, so dass ich mich entschloß, eigene Wege zu meiner Gesundwerdung zu finden.

Angeregt durch die Lektüre von S. Freud, W. Reich u. a. entschloß ich mich, meinen bisherigen Beruf aufzugeben und Psychologie zu studieren, getreu dem Motto: >Gesundheit ist nicht alles, ohne sie jedoch ist alles nichts!< Meine anfängliche Zuversicht – begründet durch eine Bioenergetik-Therapie (ein Jahr) sowie eine mehrmonatige Gesprächstherapie – wurde jäh unterbrochen, als ich kurz vor einer schwierigen (Statistik-)Prüfung wiederum von einer manischen Psychose überrascht wurde. Obwohl sie symptomatisch die bisher heftigste Ausprägung zeigte – zu den akustischen Halluzinationen stellten sich nun auch optische sowie diffuse Körperwahrnehmungen ein – entschloß ich mich, diese Krise gänzlich ohne Medikamente durchzustehen. Glücklicherweise hatte ich durch das Studium sowie die anschließenden Semesterferien einen genügend großen persönlichen Spielraum, um meine diversen Wahnideen relativ ungehindert ausleben zu können, ohne übermäßig aufzufallen. Die früher nur mit Tabletten gedämpften Erregungsphasen füllte ich nun mit diversen kreativ-künstlerischen Aktivitäten aus wie Schreiben, Zeichnen und Musizieren …

Nach ca. einem halben Jahr klangen die psychotischen Erregungszustände von alleine ab und gingen, vor dem Hintergrund eines neuen Semesters und seinen Anforderungen, in eine schwere Depression über, wie ich sie ebenfalls bisher noch nicht erlebt hatte. Quälende Minderwertigkeitsgefühle, Atembeschwerden sowie eine allgemeine Antriebslosigkeit zogen sich über Monate hin, bis ich an einen Punkt gelangte, wo ich glaubte, nicht mehr weiter zu können. Ich trug mich bereits wieder mit Selbstmordgedanken, als ich unerwarteterweise die Gelegenheit bekam, mit einigen Freunden eine Woche nach Amsterdam zu fahren. Die Gastfreundlichkeit, locker-gesellige Lebenseinstellung und relative Sorglosigkeit der dort lebenden Menschen gaben mir wieder neuen Lebensmut, so dass ich auch diese Krise ohne äußere Eingriffe überstand.

Überzeugt von dem Spruch >Ein gesunder Geist in einem gesundem Körper< unternahm ich ein Jahr darauf meine erste Fastenkur (5 Tage) und sechs Monate danach eine längere von drei Wochen. Das Glücksgefühl nach dieser Kur war überwältigend: Noch nie zuvor in meinem Leben hatte ich ein solches psycho-physisches Wohlbefinden erlebt! Zu diesem Zeitpunkt machte ich Bekanntschaft mit der Rohkosternährung, die ich begeistert in die Tat umsetzte. Die während des Fastens nur kurzfristig erlebte Befreiung von chronischen Leiden (Meniskusschmerzen, Kurzsichtigkeit) konnte ich nun durch konsequente Ernährungsumstellung auch dauerhaft erreichen. Um meine psychische Labilität unter Kontrolle zu bringen, probierte ich die verschiedensten Methoden aus: Gruppentherapie, Bioenergetiktherapie, Gesprächstherapiem, Counseling-Selbsthilfegruppe, Yoga, Meditation, Tae-kwon-do und Tai-Chi-Chuan. Sie alle halfen mir auf ihre Weise meine Probleme aktiv zu bearbeiten, ohne mich auf Psychopharmaka zu verlassen oder meine Verantwortung an Gesundheitsexperten abzugeben.

Seit meiner letzten psychotischen Erkrankung vor über 20 Jahren, die ich, um es nochmals zu betonen, ohne jegliche Medikamente durchlebte, hatte ich nur zwei leichtere Krisen: Die erste dauerte einen Monat und konnte auf sozial unauffällige Weise ausagiert werden, die zweite eine Woche, sie manifestierte sich nur mehr durch eine leichte Übererregbarkeit. Dies ist für mich eine Bestätigung der zentralen These klassischer Gesundheitslehren, strikt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers bzw. der Psyche zu vertrauen.

Sind Psychosen heilbar? Der international anerkannte Psychiater Prof. Manfred Bleuler erläutert die damit verbundene Debatte in einem veröffentlichten Schreiben an Edward M. Podvoll:

„Es ist dringend erforderlich, dass wir uns endlich von dem Vorurteil freimachen, ein psychotischer Mensch werde auch immer psychotisch bleiben. (…) In den letzten Jahren bin ich immer wieder heftig angegriffen worden, wenn ich über meine vielen Erfahrungen mit der Heilung Schizophrener berichtete, die lange Zeit schwer krank gewesen waren. Die Kritik an meiner Lehr- und Heiltätigkeit gipfelt immer in folgendem: Ein schizophrener Patient kann niemals gesund werden – wenn sie glauben, Heilungen schizophrener Patienten beobachtet zu haben, so kann das nur an einer falschen Diagnose liegen! Meiner Meinung nach ist eine solche Einstellung unrealistisch und mehr als schädlich für unsere Patienten.“

Aus psychologischer Sicht kann insbesondere die letzte Aussage nur bestätigt werden, da die Hoffnung auf Heilung eine unabdingbare Voraussetzung zu deren Realisierung ist – wobei man sich bewusst sein sollte, dass schwere seelische Verletzungen oft Narben mit lebenslang einhergehenden Empfindlichkeiten hinterlassen.

Alfred Hausotter, Autor:

Im Alter zwischen 19 und 28 Jahren erlebte ich mehrere Psychosen, darunter auch einen missglückten Selbstmordversuch. Fern vom Elternhaus und finanziell abgesichert durch ein Stipendium durchlebte ich die letzte manische Phase gänzlich ohne Medikamente. Sie dauerte am längsten und äußerte sich in einem intensiven Kreativitätsdrang durch Schreiben und Malen. Von da an stabilisierte sich meine Gesundheit zunehmend, nicht zuletzt dank aktiver Pflege durch Yoga, Fastenkuren, Ernährungsumstellung, Bewegungstraining und verschiedenen Selbsterfahrungen.

Dreißig Jahre nach der letzten Krise betreue ich nun selbst psychotische Patienten, wobei ich wiederholt an die eigenen seelischen Überlebenskämpfe erinnert werde. Vielen chronisch Schizophrenen fällt es schwer, sich aus dem Bann ihrer bizarren Erlebnisse zu befreien, geschweige denn diese zu bearbeiten.

Obwohl ich mehrere Therapien und Selbsterfahrungsgruppen absolvierte, konnte auch ich meine Psychoseerlebnisse nur ansatzweise zur Sprache bringen. Oft erlebte ich betretenes Schweigen, bis ich selbst verstummte oder das Thema wechselte.

Erntedankfest
Vorgeschichte, Verlauf und Ausheilung einer Psychose

Gebundene Ausgabe: 374 Seiten
Verlag: Bibliothek der Provinz – April 2015
ISBN 978-3-99028-216-8

Liebe Grüße
Alfred Hausotter

 


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