Gedanken lesen – Facebooks Skrupellosigkeit kennt keine Grenzen

Erstellt von Bodo am 20. April 2017 – 15:39 -

Wenn es nicht so ein ernstes Thema wäre, könnte man Zuckerbergs neuesten Coup als Spinnerei abtun, als reinen Marketing-Gag. Denn folgendes ist klar: Erstens will niemand die Kontrolle über sein Innerstes abgeben, auch nicht für belangloses Social Networking, und zweitens ist die Wissenschaft längst nicht so weit, dass Gedankenlesen praxistauglich wäre.

Aber aus einem anderen Grund ist mit solcher Thematik nicht zu spaßen: Mark Zuckerberg hat Psychologie studiert und weiß mit Sicherheit, daß die die Einbildung, andere Menschen oder Maschinen könnten die eigenen Gedanken lesen, zu den schwersten Symptomen von psychiatrischen Erkrankungen gehören und nicht selten in lebensbedrohlichen Zuständen enden. Die wirkliche oder vermeintliche Offenlegung der Gedanken ist mit das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Es ist ein Alptraum. Damit darf man auch nicht nur ansatzweise Geschäfte machen.

Facebook an sich entwickelt sich langsam zum Alptraum der Menschheit. Nicht nur, daß die Menschen sinnlos Zeit verplempern, auch die Firma selber ist gezwungen Unsummen zu investieren, um ihre Seiten vom Müll anderer Leute zu säubern, den diese nicht wagen würden vor die eigene Tür zu stellen, aber anonym ins Internet abkippen. Facebook-Mitarbeiter werden krank und kündigen nach kurzer Zeit, weil der tägliche Abschaum einfach nicht zu verkraften ist.

Anstatt sich mit gefährlichen Illusionen einzulassen, sollte Facebook ein neues System programmieren, um mit dem ganzen Hass, dem Schmutz, der Gewalt und den unzähligen Beleidigungen fertigzuwerden. Halb Silicon Valley steht für diese Aufgabe bereit. Das sollte doch ein Leichtes sein.

Der Letzte, der seine Gedanken live mit Facebook verbinden wird, ist höchstwahrscheinlich sein Gründer selber.


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Kleine Geschichte der Psychiatrie

Erstellt von Bodo am 6. April 2014 – 18:57 -

Die Methoden der angehenden Neuzeit zur Behandlung psychisch Kranker waren nicht gerade zartfühlend, und, man muss es leider sagen: Bis heute hat sich daran in bestimmten Bereichen moderner psychiatrischer Krankenhäuser nichts geändert. In früheren Jahrhunderten wurden alle Personen, die sich nicht in die heile Göttliche Ordnung integrieren ließen – also z.B. Landstreicher, Diebe, Mörder, Lustseuchenkranke, Dirnen, Bettler, Behinderte, Depressive und Irre – einfach gemeinsam ins sogenannte Zucht- oder Tollhaus gesperrt. An Ketten angeschmiedet bekamen sie kaum zu Essen und zu Trinken. Ja, man folterte die Irren sogar, weil sie erwiesenermaßen schmerzunempfindlich waren. So versuchte man ihnen die Narrheiten auszutreiben.

Als erstes Irrenhaus des christlichen Abendlandes wurde 1784 der Narrenturm am Allgemeinen Wiener Krankenhaus gebaut. Der Fortschritt: Das Irresein wurde als Krankheit angesehen und nicht mehr als Laster, das es zu züchtigen galt. Der Turm ist heute als Medizin-historisches-Museum zu besichtigen, man kann noch einzelne Zellen sehen, allerdings ohne die Ketten und Soldatenwärter.

In_Ketten_1806Mit der französischen Aufklärung wurden die Kranken von ihren Ketten befreit, an die frische Luft gebracht und nach Krankheitsbildern eingeteilt (Philippe Pinel, Paris 1792). Statt der Ketten gebrauchte man jetzt aber Zwangsjacken und tauchte die Kranken in eiskaltes Wasser, damit sie von ihren fixen Ideen losließen – auch nicht gerade eine humane Behandlung.

Anfang des 19. Jahrhunderts hatte man in der Irrenhaus-Abteilung der Berliner Charité besondere “Heilverfahren” entwickelt. War der Patient nicht mehr zu bändigen, wurde er oder sie in einen großen Sack gesteckt und an einem Haken aufgehängt, auf dass Ruhe einkehre … Nur manchmal verstarb ein Patient an so einem Heilversuch, was zum ersten dokumentierten Arzthaftungsprozess in Deutschland führte. (1)

Es gibt aber auch eine bessere Geschichte zu erzählen: Friedrich Hölderlin, bedeutender Schriftsteller der Romantik, wurde mit Beginn seiner psychischen Pflegebedürftigkeit nicht in irgendein Irrenhaus gesteckt, sondern von einer liebevollen Familie im Tübinger Turm versorgt.

Mitte des 19. Jahrhunderts sammelte ein Frankfurter Arzt fleißig Spenden bei den Bürgern der Stadt und ließ ein neues, großzügiges Gebäude für die Behandlung der psychisch Kranken am nördlichen Stadtrand von Frankfurt errichten, vom Volksmund “Irrenschloß” genannt. Er wurde der erste Direktor dieser Klinik. Sein Name: Heinrich Hoffmann, Autor des Kinderbuches “Der Struwwelpeter”. Ein weiterer, später berühmt gewordener Arzt dieser Klinik war Alois Alzheimer, der hier die nach ihm benannte Demenzerkrankung entdeckte.

Der Psychiatrie jener Zeit kam aber nicht nur die Rolle der Hospitalisierung und Behandlung von Kranken zu, so weit es denn möglich war. Sie wurde verstärkt auch gesellschaftlich und politisch mißbraucht. Der wohl berühmteste Fall ist König Ludwig II. von Bayern. Der junge König hatte eine romantische Ader. Wenig begeistert von Kriegen, Politik und Staatsgeschäften förderte er lieber Kunst und Musik. Richard Wagners Meisteropern sind ohne die Unterstützung von Ludwig nicht denkbar gewesen. Außerdem verfiel er einer Bausucht, die zwar der Nachwelt herrliche Schlösser hinterließ, die aber der bayerischen Staatskasse enorme Schulden einbrachte und ziemlichen Unmut seiner Minister heraufbeschwor. Schließlich beauftragte der Prinzregent den angesehenen Psychiater von Gudden, ein Gutachten über Ludwig II. zu verfassen, mit dem Ziel, den unbequemen jungen König für regierungsunfähig zu erklären und aus dem Verkehr zu ziehen.

Ludwig_1886Die Sache endete tragisch: Ludwig wurde nach Schloß Berg verbracht – vergitterte Fenster, abgeschraubte Türgriffe – und er wußte, dass sein Schicksal beschlossen war und dass er jetzt nur noch dieselben Freiheiten hatte wie sein kranker Bruder Otto. Auf einem Spaziergang mit Prof. von Gudden am Starnberger See kam es zum Drama, das bis heute nicht ganz aufgeklärt ist: Ludwig will sich wohl in den See stürzen, um zu ertrinken. Der Arzt will ihn wohl davon abhalten. Es kommt zur Rauferei. Ludwig erwürgt oder ertränkt von Gudden und begeht danach Selbtmord. Man findet später die beiden Leichen im Wasser.

Dies war nur die oberste Spitze eines Eisberges. Man kann sich in hellen Farben ausmalen, wie viele Männer oder Frauen von ihren Angehörigen oder Geschäftspartnern bewußt pathologisiert und von gutbezahlten Psychiatern beiseite geschafft worden sind …

War man erst einmal in einem Irrenhaus, kam man nicht so schnell wieder heraus. Und die Rassen- und Erbideologie des beginnenden 20. Jahrhunderts sollte dafür sorgen, dass man die Psychiatrie-Patienten gar nicht mehr wiedersah. Nach dem angeblichen Naturgesetz des Rechtes des Stärkeren waren die Kranken und Behinderten minderwertige Erbkranke, die die Volksgesundheit untergruben. Sie waren jetzt Schädlinge, sie waren Schmarotzer, die nur auf Kosten der Allgemeinbevölkerung künstlich am Leben gehalten wurden. Der beginnende Weltkrieg tat sein Übriges. Ressourcen waren knapp und so wurden auf geheimen Führerbefehl hin zehntausende Patienten selektiert, in speziell präparierten Bussen abtransportiert und in Vernichtungs-”Kliniken” von Ärzten vergast. Erst nach weiten Protesten in der Bevölkerung und in der Kirche wurde die sogenannte Aktion T4 eingestellt.

Aber das Morden in den Krankenhäusern ging weiter: Mit Nahrungsentzug und mit Giftspritzen brachten deutsche Pflegerinnen und Ärzte hunderttausenden Patienten den Gnadentod. Noch nach Kriegsende ließ man tausende Patienten einfach verhungern. Denn sie hatten keine Rechte und sie hatten niemanden, der sie schützte. Lebensmittel waren knapp. Und offenbar war auch menschliches Mitgefühl nur spärlich vorhanden. Das Wort vom Gnadentod spukte nach wie vor in den Köpfen.

Denkmal_der_grauen_BusseDie Nürnberger Kriegsverbrecher- prozesse beschäftigten sich nur am Rande mit der Euthanasie, nämlich nur insoweit, als es sowjetische oder polnische KZ-Insassen betraf. Die juristische Aufarbeitung blieb Deutschland und Österreich überlassen: In der Alpenrepublik wurden in den Nachkriegsjahren von sogenannten “Volksgerichten” einige Todesurteile gegen Ärzte und Pfleger/innen verschiedener Einrichtungen ausgesprochen, die auch vollstreckt wurden. In Ost- und Westdeutschland gab es ebenfalls Euthanasie-Prozesse, die mit Todesstrafen, bzw. langen Haftstrafen endeten. Einige der Täter flüchteten oder begingen Selbstmord. Die öffentliche Aufmerksamkeit bei diesen Prozessen war enorm, war es doch für den normalen Menschen unvorstellbar, dass Ärzte und Schwestern zu Mördern wurden. (2)

Mit den Erfolgen der medikamentösen Behandlungen in den 50er/60ern einerseits und einer neuen Generation von Psychiatern und Sozialarbeitern andererseits konnte sich die Psychiatrie in den 1970ern ein wenig öffnen und zu einem weniger dunklen Fleck der Gesellschaft werden. Die Psychiatrie-Reformen, sowohl in der DDR als auch im Westen, brachten Verbesserungen in Form von neuen Therapieangeboten, Tagesstätten, betreutem Wohnen und Integrations-Hilfen. Das Stigma, das psychischen Krankheiten und der Psychiatrie bis heute anhaftet, konnten sie jedoch nicht beseitigen.

Film und Fernsehen taten ihr Übriges: Im Oscar-prämierten Streifen “Einer flog übers Kuckucksnest” erfährt Psychiatrie-Patient McMurphy alias Jack Nickolson am eigenen Leibe, was Ärzte und Pfleger von aufsässigen Behandlungsverweigerern halten: Mit Elektroschocks und schließlich einer irreversiblen Lobotomie wird er fügsam gemacht; Mitpatient “Häuptling” Bromden erlöst den nur noch apathischen McMurphy und zerschmettert die Anstaltsmauern, die ihn gefangen halten.

TablettenGlücklicherweise werden schon seit 40 Jahren keine Lobotomien mehr in der Psychiatrie durchgeführt, und auch die Insulinschocks gehören der Vergangen- heit an. Die Elektrokrampftherapie (EKT) hat sich bis heute als eine Ultima-Ratio-Behandlung gehalten; sie wird nur in Ausnahmefällen durchgeführt und sie ist auch keine Disziplinarmaßnahme mehr, die Patienten bekommen davon kaum etwas mit. Hauptbehandlungs-Methode der Gegenwart ist die medikamentöse: durch klassische Neuroleptika, Tranquilizer und Antidepressiva oder durch neuentwickelte Präparate, die jedoch nicht selten schwere Nebenwirkungen haben. Bekanntester Fall der jüngeren Geschichte ist Zyprexa (Wirkstoff Olanzapin), ein Produkt der Firma Eli Lilly, welches oft zu extremer Gewichtszunahme und Diabetes führt, mit all den bekannten Komplikationen. (3)

Nach wie vor ein Klassiker der Behandlung ist Haloperidol, dessen vorzügliche Disziplinierungs-Wirkung der Verfasser dieser Zeilen am eigenen Leibe erfahren musste. Diese Art von Therapie mussten auch etliche politische Dissidenten in der ehemaligen Sowjetunion über sich ergehen lassen. In der Psychiatrie wurden sie zu gebrochenen Menschen. Unsichtbar gefoltert!


Und hier sieht man schon das Hauptproblem der Psychiatrie: Halbgötter in Weiß verordnen irgendwelche Pillen; die Pfleger und Schwestern müssen dafür sorgen, dass sie geschluckt werden und ansonsten werden die Patienten verwahrt, im besten Fall gut behütet und mit Beschäftigungstherapien versorgt. Wer fremd- oder eigengefährdend ist kommt auf die Geschlossene, die sich jetzt witzigerweise “intensivmedizinische Station” nennt. Intensiv ist vielleicht die Langeweile des Eingesperrtseins oder reichlich nachhaltig intensiv kann auch das Trauma einer Fesselung ans Fixierbett sein. Wer Pfleger oder Schwester auf einer psychiatrischen Station ist, muss schon recht abgebrüht sein, um mit den vielen schweren Krankheitsverläufen klarzukommen. Und wer sich da zu sehr um die Patienten kümmert, riskiert nur ein Burnout. Was soll man da erwarten? Und die Ärzte: Die können neue Medikamente in aberwitzigen Dosierungen an hilflosen Geschöpfen austesten und darüber wissenschaftliche Artikel für das eigene Ruhmesblatt schreiben. Ansonsten herrscht wohl auch im psychiatrischen Krankenhaus eine Hackordnung, wie in jeder Firma. Wie der Herr, so das Gescherr. Deshalb sollten sich die Landtage überlegen, die Amtszeit von Ärztlichen Direktoren und Geschäftsführern zu begrenzen. Oder sind unsere Psychiatrien gar keine demokratischen Institutionen?

Die Autorin Sabine Kuegler beschreibt in ihren Büchern (“Das Dschungelkind” u.a.) ihre Kindheit im indonesischen Urwald und sie erzählt davon, dass ihr Fayo-Stamm sich rührend um die seelische Befindlichkeit der Mitglieder kümmerte. Ging es einem erkennbar seelisch schlecht, wurde das Stammesmitglied von morgens bis abends, tage- oder wochenlang umsorgt und gepflegt und quasi auf Händen getragen, bis es wieder gesund war. Körperliche Krankheiten nahm man hingegen als Schicksalsschlag oder Strafe von Dämonen hin. In unserer modernen Gesellschaft ist es eher umgekehrt: Körperliche Krankheiten werden mit höchstem Aufwand therapiert und beforscht, während psychischen Leiden immer noch der Makel des Mittelalters anhaftet, über die man nur leise, wenn überhaupt, spricht und von einer angemessenen fürsorglichen Behandlung kann auch keine Rede sein. Die Angehörigen haben Angst, fühlen sich überfordert und schieben ihre lieben Verwandten möglichst schnell in die Psychiatrie ab, wo sie von professionellen “Wärtern” ruhiggestellt werden. Als Medikamenten-Zombies und Behinderte werden sie wieder in die verständnislose Gesellschaft entlassen.

 


Anmerkungen:
(1) Quelle: Deutsches Ärzteblatt vom 25. März 2011;
(2) Quelle: Euthanasie-Prozesse seit 1945 in Österreich und Deutschland -

http://www.doew.at/thema/thema_alt/justiz/euthaufarbeit/theseneuth.html

(3) Quelle: Zyprexa-Skandal – http://de.wikipedia.org/wiki/Olanzapin

Abbildungen:
(1) “Der Verrückte” – Kupferstich von Charles Bell (1806)
(2) Ludwig II. von Bayern in seinem Todesjahr 1886
(3) Denkmal der Grauen Busse in Ravensburg-Weißenau
(4) Tabletten – die unsichtbare Gewalt der Psychiatrie
(5) “Doktor Pinel befreit die Irrsinnigen von Salpêtrière” – Gemälde von Tony Robert-Fleury (1795)

 

Philippe_Pinel


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Weihnachtszeit

Erstellt von Bodo am 3. Dezember 2013 – 13:06 -

Nun ist es wieder soweit: Die Weihnachtsmärkte werden geschmückt und die Wohnungen gestürmt … oder ist es eher andersherum? Jedenfalls während uns Radio, Fernsehen und andere Medien in den kollektiven Jahresend-Kaufwahn treiben, können ernsthaft gestörte Menschen schon mal Besuch vom Sondereinsatzkommando der Polizei bekommen. Und weil sie die schwerbewaffneten Sturmhaubenmänner für Aliens vom Mars halten, öffnen sie mal nun nicht gerade herzlich die Wohnungstür. Wenn dann nun so ein armer Deliquent unvorsichtig mit dem Buttermesser hinter der Küchentür hantiert, wird von den Gesetzeshütern schon mal das Sturmgewehr zu Rate gezogen … und, schon hat das Sozialamt einen Fall weniger zu bearbeiten. So arbeiten die Beamten Hand in Hand. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit, nein, auch im Sommer lebt man als Verrückter lebensgefährlich. Wenn man zum Beispiel im Adamskostüm und mit einem Kartoffelschäler bewaffnet im Neptunbrunnen baden will, um die Jungfrau Maria zu erwarten, muss so ein Beamter sogleich aus Notwehr eine Hinrichtung vollziehen. Hatte er nicht die Nummer vom SEK dabei?

Weihnachtszeit, frohe Zeit, die Lichtlein brennen … Zuerst sind es nur ein paar Lichtpunkte, die aber im Handumdrehen zu hellen Strahlen werden, dann bündeln sie sich zu einem Lichterkranz, verschwimmen tausendfach zu einem Meer von leuchtenden Augen, das hin- und herwabert und um einen unbekannten Mittelpunkt rotiert. Plötzlich schießen wieder die Strahlen hervor, scharf und schneidend, wechseln abrupt die Richtungen, werden größer und dann wieder kürzer … bis man die Augen öffnet und das Blinzelspiel mit dem Adventsleuchter beendet. Weihnachten kann so schön sein! In die Lichter zu schauen und auf den Schmuck der Straßen. Doch vergessen wir eins dabei nicht: In unser Herz zu schauen!

Euer Bodo

 

Frohe Weihnachten

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Ärzte, nehmt Haloperidol!

Erstellt von Bodo am 25. Dezember 2012 – 09:20 -

Überall wird von praxisnaher Ausbildung gesprochen. Gerade angehende Psychiater müssen in Ihrer Facharzt-Ausbildung Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten kennen. Gerade bei Neuroleptika.

Um sich besser in ihre Patienten einfühlen zu können, wird vorgeschlagen, das Standard-Medikament der Psychiatrie selbst zu testen: Haloperidol! Nur kurze 3 Wochen lang. An der Kantinenkasse gibt es dann für jeden eine Probierpackung zum Mitnehmen.

Viele selbsternannte Patienten-Fürsprecher lehnen ja den Einsatz dieses hochwirksamen und unverzichtbaren Medikaments ab. Sie argumentieren in ihrer Ideologie mit den ständig gleichen Phrasen. Hier ein Einblick in ihre krankhaften, paranoiden Wahnsysteme:

  • Bei meiner Einweisung in die Geschlossene sagte ich in meinem Irresein zu dem Pfleger, der meine Personaldaten aufnahm, dass ich ihn kennen würde und er mich auch kennen müsse. Klar, dass er mich nicht ernst nahm. Ein paar Tage später jedoch – ich stand unter starker Haldoleinwirkung, litt unter kaum auszuhaltender Todesangst und teilweise Halluzinationen – sprach er mich spöttisch daraufhin an: “Na, kennst Du mich jetzt immer noch…?” (Marie)
  • Deshalb ist eine Langzeittherapie mit klassischen Neuroleptika wie Haldol nach meiner Meinung unter den Möglichkeiten die inzwischen moderne Pharmaprodukten bieten eigentlich heute ein ärztlicher Kunstfehler. (Ron)
  • Bekam damals eine Überdosis Haldol, ich konnte dadurch nicht mehr reden und alles war verkrampft. Der auslöser war bei mir starker Streß und persönliche Konflikte, sowie ein “Partner” der gefühlsmäßig eiskalt war. (Manou)
  • Zu den Tabletten: Nach Haldol, Risperdal 6 mg, Nebenwirkungen gigantisch. Nachher Zyprexa 10 mg- verhinderte bei mir die Rückfälle nicht, da ich immer stressige Jobs hatte. Dann Nipolept 50 mg – ist ein gutes Medikament, nur sollte man sich vorallem als Mann klar sein, dass sexuell wenig geht, sogar bei Mindestdosis 50 mg. (Alexander)
  • Ich bin der Überzeugung, dass ich ohne dieses Zeug wesentlich mehr Energie und Lebenskraft hätte, aber wie gesagt, ohne geht es auch nicht. Das ist die Wahl zwischen Regen und Traufe. Z.Zt. nehme ich Solian (2 x 200 mg täglich); ich habe noch einige motorische Unruhe durch das Haldol, das ich in der Klinik bekommen habe. Nächste Woche will ich wieder anfangen zu arbeiten, es ist eine Tütenklebe-Arbeit, bin mal gespannt, wie das wird, zumal ich mich auch in meinen psychotischen Tagen dort aufgeführt habe. (Frederick)
  • Im Spiegel stand nun vor kurzem, VIELE Krankenkassen zahlen die MODERNEN Schizo-Medikamente nicht, ruinieren die Gesundheit der Patienten mit Haldol e.t.c. wo man lebenslange Schäden kriegt und ständig wieder in der Psychiatrie stationär landet. (Barbara) Weiterlesen…»

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Menschenrechte in der Psychiatrie

Erstellt von Bodo am 9. Dezember 2012 – 17:20 -

Zur morgigen Anhörung zum Thema PATIENTENRECHTE im Deutschen Bundestag erreichte mich eine Stellungnahme des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener, die ich hiermit weitergeben will:

Geschäftsstelle
Wittener Str. 87, 44 789 Bochum
Tel: 0234 / 68 70 5552
Fax: 0234 / 640 51 03
Kontakt‐info@bpe‐online.de
www.bpe‐online.de

November 2012

Stellungnahme zur Zwangsbehandlung

Wir, die organisierten Psychiatrie-Erfahrenen, wollen jegliche Zwangsbehandlung in der Psychiatrie abschaffen. Zwangsunterbringungen werden sich in wenigen gut geprüften Fällen kurz und mittelfristig nicht vermeiden lassen. Eine korrekte Anwendung der jetzt schon bestehenden Gesetze (1) würde dazu führen, dass die Zwangsunterbringung auf unter 10% des heutigen Niveaus sinkt.

Gewalt allgemein und psychiatrische Zwangsbehandlung

Jede Gewalt wird in erster Linie durch ein riesiges Machtgefälle ermöglicht. Katzen fressen lieber Mäuse als Ratten, weil Ratten empfindliche Verletzungen zufügen können. Männergewalt gegen Frauen und Kinder wird durch größere Körperkraft möglich. Früher kam häufig eine große wirtschaftliche Überlegenheit hinzu. Die USA haben Vietnam, Afghanistan und Irak angegriffen, weil sie mit keinerlei Vergeltung zu rechnen hatten.

Die Psychiatrie behauptet, für ihre Gewaltausübung sei ein Mangel an Personal ursächlich. Wir denken, dass auch in diesem Fall das riesige Machtgefälle zur Gewaltausübung verleitet. Zu diesem Machtgefälle gehört selbstverständlich, dass Polizei und Justiz die Täter schützen (siehe Männergewalt in den 50er und 60er Jahren). Interessanterweise findet in der Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener fast keine Gewalt statt, denn wir haben kaum Personal und keinen Freifahrtschein bei Polizei und Justiz. Weiterlesen…»


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Krank oder Gesund?

Erstellt von Bodo am 27. Oktober 2012 – 18:44 -

Schon hatte ich befürchtet, der Oktober-Artikel dieses Blogs wird wohl diesmal ausfallen – wegen Bodennebel in der Birne -, da las ich vorhin auf www.mut-zum-anderssein.de folgenden Artikel: Es ging um die Frage der echten psychologischen Behandlung einer psychischen Erkrankung im Gegensatz zur bloßen Symptomunterdrückung, das die meisten Ärzte praktizieren: nämlich nur Medikamente verordnen.

Der Autor stellte die These auf, das Ideale Selbst des Kranken, in der Psychose und Manie um Größenordnungen erhöht, und auf Verletzungen in der Kindheit beruhend, verbaut dem Kranken eine realistische Sicht auf die eigene Person. Es komme darauf an, diese Idealvorstellung von sich zu erkennen und kritisch zu hinterfragen:

Bin ich wirklich ein großes Genie, dass eine allumfassende Lebenstheorie entwerfen kann (obwohl ich nur 5 Bücher im Regal zu stehen habe)? Kann ich sämtliche Sprachen der Welt verstehen und sprechen (obwohl manche Leute mein Sächsisch kaum verstehen)? Kann ich ein höchst kompliziertes Universalprogramm am Computer programmieren (obwohl ich nur ein einfacher Autodidakt bin und die Sprache “C” schon zu hoch für mich ist)? Bin ich der größte Heiler Deutschlands (obwohl ich nur eine Selbsthilfegruppe in der Kleinstadt leite)? Kann ich alle Menschen glücklich machen (obwohl ich doch selbst unglücklich bin)? Bin ich wirklich der Retter der Welt (obwohl meine eigene Welt das reinste Chaos ist)?

Wenn man erkennt, so der Autor, dass das Ideale Selbst eine Illusion ist, kommt das Wahre Selbst zum Vorschein und eine Heilung der Erkrankung ist möglich. Wenn man wieder an die eigenen Bedürfnisse denkt und nicht an die Rettung der Welt, kommt man in der Genesung schon einen großen Schritt voran. Dann kann man sich sagen: “Ich brauche Ordnung. Ich brauche Liebe. Ich brauche Zuwendung. Ich brauche Geld. Ich brauche einen Job. Ich brauche Kollegen.”

So denkt der normale Mensch. Für ihn ist die Beglückung der Welt mit irgendeinem Quatsch ohne Bedeutung. Er denkt an sein eigenes Fortkommen. Und das schon seit Kindesbeinen an. Sein Ethik-Gen ist allerdings schon seit der Schulzeit verkümmert: als ohne Gewissenbisse abgeschrieben wurde, um eine bessere Note zu ergattern; als tatenlos zugesehen wird, wie schwächere Schüler gemobbt werden, um nicht selber Zielscheibe zu werden; als gnadenlos auswendig gelernt wird, obwohl man nicht die Bohne kapiert hat. So täuscht und trickst sich der Normalo durchs Leben.

Wenn man auf Kosten anderer dicke Kohle verdienen kann, kommt man nicht in die Psychiatrie. Nein, dann kommt man ins Fernsehen! Wenn man mit einer cleveren Geschäftsidee Millionen verdienen kann, ist man das gesellschaftliche Vorbild schlechthin! Wenn man seine Nächsten tüchtig zur Sau machen kann, wird man nicht etwa fixiert. Nein, dann wird man Konzern-Manager! So läuft das ab, wenn man normal ist …

Da sagen selbst schon Psychiater: “Irre. Wir behandeln die Falschen!”

Wenn man als Kranker nun von seinen Illusionen lässt, tritt also eine Heilung ein. Gut. Da fällt mir ein Zitat von Mark Twain ein:

“Trenne dich niemals von deinen Illusionen! Du wirst zwar weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.”

Was sagt Ihr dazu?

Euer Bodo Bodenstein

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Gottes Schöpfung im Oktober


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Deutsche Psychiater bitten um Verzeihung

Erstellt von Bodo am 22. Februar 2011 – 08:41 -

Liebe Betroffene,

stellt Euch vor, Ihr wäret 70 Jahre füher geboren worden … dann wären wir als “Erbkranke” wahrscheinlich sterilisiert, verschleppt und grausam vergast worden … und das alles von deutschen Ärzten, von deutschen Psychiatern gutgeheißen und durchgeführt. Auf einer Gedenkveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) am 26. November 2010 bittet Professor Frank Schneider aus Aachen um Verzeihung:

Im Namen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde bitte ich Sie, die Opfer und deren Angehörige, um Verzeihung für das Leid und das Unrecht, das Ihnen in der Zeit des Nationalsozialismus im Namen der deutschen Psychiatrie und von deutschen Psychiaterinnen und Psychiatern angetan wurde, und für das viel zu lange Schweigen, Verharmlosen und Verdrängen der deutschen Psychiatrie in der Zeit danach.

Die gesamte Rede ist hier zu finden:
www.dgppn.de/aktuelles/detailansicht/browse/2/article/249/schneider-d.html

Grüße vom Bodo


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Vor 70 Jahren Beginn der Euthanasie in Nazi-Deutschland

Erstellt von Bodo am 2. September 2010 – 19:33 -

Liebe Mitbetroffene und interessierte Leser,

aus aktuellem Anlass möchte ich auf ein Thema eingehen, das uns auch in heutiger Zeit noch zu Denken geben sollte und NIEMALS vergessen werden darf: Der Umgang der Mehrheitsgesellschaft in diesem Land mit Randgruppen, die entweder Ablehnung hervorrufen oder nicht so leistungsfähig für das “Bruttosozialprodukt” sind, sei es aus Krankheitsgründen oder sei es durch soziale Ursachen.

Im Wikipedia-Artikel über die Euthanasie kann man nachlesen, dass auf Erlass des Führers in den Jahren 1940 und 1941 insgesamt über SIEBZIGTAUSEND kranke und behinderte Menschen in folgenden Tötungsanstalten umgebracht wurden:

Grafeneck – 10.654 Menschen
Brandenburg – 9.772 Menschen
Bernburg – 8.601 Menschen
Hartheim – 18.269 Menschen
Sonnenstein – 13.720 Menschen
Hadamar – 10.072 Menschen

Die Begründung und “Legimitation” für diese Verbrechen: Man gewährt den “unheilbar Kranken” den Gnadentod (gefragt wurden sie natürlich nicht), man erhält den “Volkskörper” rein und gesund, und man entlastet die Gesellschaft – sprich: das deutsche Volk – von finanziellen und materiellen Aufwendungen, die doch völlig sinnlos für die “Arterhaltung der deutschen Rasse” sind. Leute, die keiner Arbeit nachgingen, kamen sowieso ins Konzentrationslager.

Erst durch Proteste, auch von vielen Geistlichen, wurde die Euthanasie-Aktion T4 offiziell eingestellt, dafür aber im Geheimen weitergeführt und nur die Tötungsart gewechselt: von Vergasen und Verbrennen auf Verhungern und Vergiften. Viele der Tötungs-”Fachkräfte” konnten ihren Job behalten, denn man brauchte qualifiziertes Personal in Auschwitz und anderswo … Wer sich dazu eine Videoserie ansehen möchte:

Vielen Dank für Ihr Interesse!
B.B.


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Tagebuch einer Psychose

Erstellt von Bodo am 1. Februar 2008 – 12:00 -

Liebe Leser,

in den letzten Jahren wurde immer wieder vorgeschlagen, dass ich doch ein Buch herausbringen sollte. Jetzt ist es endlich soweit! Das “Tagebuch einer Psychose” erscheint bei Books on Demand. Einige Begebenheiten dieser (fast unglaublichen) Geschichte einer außergewöhnlichen persönlichen Prüfung sind neu ins Buch aufgenommen worden. Mehr zum Inhalt des Buches erfahrt Ihr hier.

Nach dieser guten Nachricht bleibt doch ein Wermutstropfen: Mit diesem Buch manifestiert sich diese Psychosegeschichte in physischer Form und verschwindet nach über zehn Jahren Onlinepräsenz aus der digitalen Welt. Vielleicht habt Ihr ja Lust zum Lesen – und noch einen Platz für ein kleines Büchlein frei.
Ich würde mich freuen.

Euer Bodo

 


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Einfach abnehmen mit Wasser

Erstellt von Bodo am 30. August 2007 – 10:42 -

Liebe Leser,

im April dieses Jahres begann ich ein Buch zu lesen, das mich im Laufe der Lektüre immer mehr faszinierte: “Walden oder Leben in den Wäldern” von Henry David Thoreau. Der Autor beschreibt sein Waldleben darin folgendermaßen: “Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.”

Wie leben wir nicht heute in einer künstlichen Welt! Natürlich sind Fernsehen, Radio und Computer unsere Begleiter, nein, vielmehr sind sie unsere Dauerberieseler. Wir essen künstliche Nahrung und trinken künstliche Getränke bei künstlichem Licht. Die künstliche Welt des Internets simuliert uns ein Leben, das wir gerne im wahren Leben hätten. In der Arbeitswelt müssen wir unsere menschliche Natur verbiegen, unterliegen künstlichem Streß und künstlichen Strukturen. Wo sind die wahren Werte geblieben?

Ein Gedanke des Autors von WALDEN fiel mir besonders auf: “Ich möchte gerne immer nüchtern bleiben, doch es gibt unzählige Grade von Trunkenheit. Ich glaube, dass Wasser das einzige Getränk für einen vernünftigen Menschen ist; Wein ist keine so edle Flüssigkeit … Selbst die Musik kann berauschend wirken … Wer möchte sich aber nicht, statt auf jede andere Weise, von der Luft berauschen lassen, die er atmet?”

Ganz in diesem Sinne beschloss ich, auf die vielen Säfte, Schorlen, Sprudel, Colas und Light-Getränke zu verzichten und nur noch Wasser zu trinken! Natürlich, zuerst schmeckt es etwas fad – aber man gewöhnt sich daran und nach zwei Wochen des Experiments kann man sich gar kein anderes Getränk zum Durstlöschen mehr vorstellen! Ich bin also beim Wasser geblieben und was soll ich sagen: Innerhalb von 4 Monaten bin ich vom leichten Übergewicht wieder auf Normalgewicht gesunken – ohne auf irgendeinen Essensgenuss oder auf das Bier am Abend zu verzichten! Man kann das Wasser als Mineralwasser mit Kohlensäure, oder, wer das nicht verträgt, als stilles Wasser trinken oder ganz cool: einfach aus dem Wasserhahn! Glücklicherweise haben wir hier in Mitteleuropa beste Trinkwasserqualität bei einem unschlagbaren Preis von 0,2 Cent je Liter!

Dies wollte ich unbedingt mal loswerden …

Beste Grüße an die Leser!
Euer Bodo

 


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