Kinotipp – Das Geheimnis der Bäume

Erstellt von Bodo am 31. Januar 2014 – 21:26 -

Der tropische Regenwald ist bedroht, sowohl in Südamerika, als auch in Afrika und Südostasien. Was passiert, wenn alle Bäume abgeholzt sind, wenn nur noch Schlamm und Erde übrigbleiben? Mit diesem Szenario beginnt der französische Dokumentarfilm “Das Geheimnis der Bäume” eine spannende Reise durch die Lebenszeiten des Regenwaldes. Mit atemberaubenden Kamerafahrten vom dunklen Dickicht am Boden bis hinauf zu den Gipfeln der riesigen Moabibäume wird gezeigt, dass sich das Leben der Bäume auf eine ganz besondere Weise abspielt. Vom Pionierwald, über den Sekundärwald, in dem sich erst nach 200 Jahren Wachstum wieder eine nennenswerte ökologische Vielfalt bildet, bis hin zum reifen Primärwald, der erst nach 700 Jahren voll ausgebildet ist, vollzieht sich ein Miteinander von Fauna und Flora, aber auch ein Gegeneinander der Geschöpfe, das zu immer neuen Sprüngen der Artenbildung führt. Die Bäume stehen fest und unbeweglich in der Erde. Doch während die Insekten, Vögel und Säugetiere den Raum beherrschen, herrschen die Bäume über ganz andere Dimensionen.

Der Botaniker Francis Hallé, der durch den Film führt, und an den phantastischsten Orten wundervolle Strichzeichnungen von Blättern und Blüten der tropischen Pflanzen anfertigt, erzählt uns als Stimme aus dem Off (deutsch: Bruno Ganz), wie er jahrzehntelang dem Geheimnis der Bäume auf die Spur zu kommen versuchte. Diese unbeweglichen Urwaldriesen, die Jahrhunderte brauchen, um zu wachsen, und die in wenigen Minuten mit einer Kettensäge getötet werden können, sind wahre Meister der Verführung und der Diskretion. Sie beherbergen einen ganzen Kosmos von Lebewesen, die aufeinander angewiesen sind, genau wie sie selbst auf die Tiere angewiesen sind, die sie bestäuben und ihre Früchte mit den darin enthaltenen Samen weit weg transportieren, um für sie neues Land zu erobern. Selbst gegen die Trockenheit hat der Regenwald ein Rezept gefunden! Doch alles soll an dieser Stelle nicht verraten werden … Ein schöner und lehrreicher Film über ein großes Wunder dieses Planeten, den tropischen Regenwald in seiner ganzen Fülle!

DAS GEHEIMNIS DER BÄUME, 78 min
Frankreich 2014

Originaltitel: Il ÉTAIT une FORÊST

siehe auch:
www.wwf.de/aktiv-werden/buch-und-filmrezensionen/das-geheimnis-der-baeume/

 


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Alternative Therapie der Schizophrenie – eine Buchempfehlung

Erstellt von Bodo am 7. Juli 2011 – 13:11 -

Die in der Schweiz lebende Belgierin Anouk Claes hat eine besondere Art, ihre Patienten zu behandeln.  Sie ist eine Sehende mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, und ihre Gaben setzt sie ein um zu helfen. Die Hilfesuchenden, die sie aufsuchen, werden weder klassisch psychiatrisch, noch mit herkömmlichen psychologischen Methoden behandelt.

Man könnte sagen, Anouk Claes ist ein Medium. Sie sieht es den Leuten an, wo ihr Problem liegt. Zumindest bekommt sie es nach einer kurzen Unterhaltung heraus. Und später sogar noch das Problem, was hinter dem Vordergründigen liegt. Ihre Erfahrungen legt die Psychologin und Autorin in mehreren Büchern dar: Im vorliegenden Buch “Durchsichtig – Hellsichtigkeit und wie Sie am besten damit umgehen” präsentiert  Anouk Claes dem Leser eine Auswahl an Fällen aus ihrer Behandlungserfahrung.

Die Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis sind sehr vielgestaltig in ihrer Symptomatik. So leiden nicht alle Patienten am selben Muster – vielmehr kann ein bestimmtes Problem einen Kranken sehr belasten; ein anderer hingegen kann einen bunten Mix von verschiedenen Problemen (=Symptomen) mit sich herumschleppen. Dieses ganze Sammelsurium an möglichen Fällen legt die Autorin in 20  fiktiven Behandlungs-Geschichten dar.

Anouk Claes, die auch mit anerkannten Psychiatern zusammenarbeitet, gibt ihren Klienten eigentlich ganz einfache Übungen mit auf den Nachhauseweg. Sie sollen nicht länger Gefühle verdrängen, seien sie positiv oder negativ. Sie sollen sich ihren Ängsten stellen. Sie sollen spüren, dass entweder ihr Ego oder ihr Geist mehr Beschäftigung oder Zuwendung braucht.

Dabei betont die Autorin immer wieder außersinnliche Wahrnehmungen als Quelle verschiedener Symptome: geistige Verschmelzungen mit der Umwelt, Kommunikation mit Verstorbenen oder Geistwesen, telepathische Fähigkeiten oder Einblicke in andere Welten. Dies sieht sie nicht als krankhaft an, sondern bestärkt ihre Patienten, diese Fähigkeiten zu erspüren,  auszubauen und kontrollieren zu lernen. Viele der außersinnlichen Symptome kennt Anouk Claes aus eigener Erfahrung seit ihrer Kindheit; sie hat einen Weg gefunden, damit umzugehen.

Ein wichtiges Hilfsmittel ihrer Behandlung ist die Arbeit mit Gefühlen. Oft ist es gerade die Unterdrückung von Gefühlen – jahrelang, jahrzehntelang – die zum Ausbruch einer krankhaften Störung führt. Anouk Claes leitet ihre Patienten darin an wieder Trauer, Hass und Wut zu spüren; oder aber genauso auch Liebe und Glück; zu spüren, dass man Zuwendung braucht oder eine Herausforderung – sei es eher auf der Handlungsbasis des Ego oder der des Geistes.

Mit ihrem Buch stellt die Autorin eine gänzlich andere Therapiemöglichkeit von Psychosen vor. Keine Stigmatisierung, keine Zwangsbehandlung, (fast) keine Medikamente, keine Hospitalisierung. Dafür ein einfühlsames Erspüren des Kerns der Symptomatik – in fairen, respektvollen begleitenden Therapiestunden.

Im Folgenden eine kleine Übersicht, welche Heilungsansätze Anouk Claes für bestimmte Symptome ansieht:

Stimmen: Verdrängte negative Gedanken und Gefühle suchen sich einen Weg ins Bewußtsein. Es kommt darauf an, solche Emotionen wie Wut, Hass und Trauer bewußt zu spüren und zuzulassen.

Geistige Bedrohung durch andere Menschen: Einsamkeit führt dazu, dass sich die Verbundenheit mit anderen Menschen auf diese (krankhafte) Art äußert. Das Ego braucht Zuwendung, man soll Kontakte knüpfen. Und man soll keine Angst haben vor anderen, denn die meisten Menschen können bewußt keinen geistigen Kontakt herstellen. Auch beim Gefühl des Beobachtetwerdens ist der Grund oft ein unterfordertes Ego.

Weltverbesserungsideen: Sie entspringen einer unterdrückten Wut, einem unterdrückten Ego. Wichtig ist, wieder die Wut in sich zu spüren und zuzulassen. Es kommt darauf an, mehr an sich und seine Bedürfnisse zu denken.

Bedrohung und Verschwörung “wie im Film”: Der Betroffene sollte bewußt diese Szenarien untersuchen, am besten mit Anleitung, und erkennen: unsere Realität sieht anders aus!

Veränderte Wahrnehmung: Grund ist die Flucht vor unerträglichen Ängsten in den Geist. Es kommt darauf an, die eigene Angst besser kennenzulernen. Man darf sie nicht bekämpfen, man muss mit ihr leben lernen!

Botschaften über Zeitung und Fernsehen / Mission: Ursache ist eine große Einsamkeit. Man braucht Zuwendung und eine Aufgabe. Wenn man schon nicht mit realen Personen kommunizieren kann, dann schadet es auch nicht, sich mit selbst erschaffenen Geistwesen zu unterhalten und in Verbindung zu bleiben.

Mission, die Welt zu retten / auf “Befehle” warten: Ursache kann eine starke außersinnliche Wahrnehmung sein. Er oder sie hat “es” sich erschaffen, weil ihm oder ihr dieses fehlte. Oft gab es in der Kindheit frühe telepathische Fähigkeiten; eine intensive geistige Verbindung zu einer anderen Person. Es kommt darauf an, diese Person wieder zu finden oder eine ähnlich intensive geistige Verbindung zu einem Menschen aufzubauen.

Übersteigerte Wahrnehmung von Farben / Gerüchen / Gegenständen / Menschen: Die Tür zur außersinnlichen Wahrnehmung wurde geöffnet (z.B. durch Drogen o.ä.) und geht nicht wieder zu. Die geistige Verbindung zu den Dingen ist angsteinflößend. Man sollte diese Wahrnehmungen kontrollieren lernen; durch Konzentrationsübungen lernen, aus der geistigen Verbindung auch wieder auszusteigen, wann immer man es will. Der Glauben bestimmt die geistigen Bilder. Ein veränderter Glaube führt auch zu veränderten geistigen Bildern und Wahrnehmungen.

Religiöser Wahn / “Messias”: Zu starker Druck im Beruf z.B. beraubt den Menschen seiner Möglichkeit, seine Liebe zu leben und für andere da zu sein. Man sollte Raum schaffen für das Weitergeben von Liebe, sich bewußt mit Religion und Kirche im realen Leben beschäftigen, evtl. auch in Urlaub und Freizeit.

“Film”-Gefühl: Das Verhältnis von Geist und Ego ist nicht ausgeglichen. Bei jedem Menschen ist die gesunde Balance eine andere. Hier sollte der Geist mehr gefordert weren. Anspruchsvolle Probleme lösen oder knifflige und schwierige Computerspiele spielen, wären eine Art des Ausgleichs und der Heilung.

Anouk Claes bestärkt ihre Patienten in der positiven Sicht auf ihre Wahrnehmungsfähigkeiten. Diese besonderen Fähigkeiten werden bei ihr nicht pathologisiert und unterdrückt, sondern gestaltet und Möglichkeiten gesucht, dass diese Wahrnehmungen nicht übermächtig und angsteinflößend sind. Dabei lehnt sie in Fällen, wo erst einmal eine Therapiefähigkeit hergestellt werden muss, den Einsatz von Medikamenten nicht grundsätzlich ab. Einziger Kritikpunkt: Sie klärt ihre Patienten nicht darüber auf, dass der Rest der Welt sie als krank einstuft. Dass ein Arzt womöglich die Diagnose Schizophrenie stellen würde. Damit nimmt sie den Patienten andere Einsichtsmöglichkeiten in ihre Symptomatik. Es ist verständlich: Viele Betroffene würden die Behandlung sofort abbrechen und beleidigt von dannen ziehen.

Das große Plus ihrer Behandlungart: Die Patienten werden nicht aus ihren gewohnten Beziehungen, ihrer beruflichen Tätigkeit herausgerissen; nicht wochenlang ins Krankenhaus verfrachtet, wo meistens nur über Medikamente geredet wird. Und nicht über die eigentlichen Probleme. Viele ihrer Patienten lernen, mit ihren Wahrnehmungen umzugehen und können weiter in Beruf und Gesellschaft funktionieren.

Eine Rezension von Bodo Bodenstein www.pahaschi.de

Anouk Claes / Karin Kastner: DURCHSICHTIG – Hellsichtigkeit und wie Sie am besten damit umgehen
Allinti Verlag St. Gallen 2010
Paperback – 140 Seiten
ISBN 978-3-905836-08-0

 


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Brief an meinen Psychiater

Erstellt von Bodo am 30. März 2011 – 15:03 -

Faszination Gehirnein Brief von Gabriele

Sehr geehrter Herr Psychiater,

ich bin dankbar, dass Sie die Resultate meines dreizehnjährigen Bemühens um Beherrschung meiner schizophrenen Symptomatik würdigen und anerkennen und mich dadurch in meinem Tun bestärken. Nach allem sehe ich jetzt doch ein, dass es nicht in meiner Macht liegt, die psychotischen Gesetzmäßigkeiten, nach denen mein Gehirn funktioniert, zu überwinden. Heilung wird und kann es für mich nicht geben und ich nehme Abschied von der Vorstellung, jemals wieder normal und gesund zu werden. Ich stehe am Ende einer Sackgasse und blicke auf den Weg zurück, den ich gekommen bin. Mein Rucksack ist voller Fundsachen, die ich am Wegesrand eingesammelt und mitgenommen habe und mein Kopf ist voll von den Abenteuern und Erfahrungen, die ich unterwegs machen musste bzw. durfte. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich die gemachten Erfahrungen ausgewertet habe und – darauf aufbauend – mir einen neuen Weg suche, eine neue Richtung, ein neues Ziel.

Das Wertvollste, was ich mir auf meinem Bewusstwerdungsweg erworben habe, ist die Vertrautheit mit meinem Gehirn, das mir auf meinem Weg auf Schritt und Tritt gefolgt ist. Mal lief es neben, mal hinter mir, mal voraus. Hin und wieder stellte es sich mir in den Weg und versuchte, mich aufzuhalten. Dann wieder blieb es sitzen und wollte nicht mehr weiterlaufen. Dann musste ich es ein Stück tragen, bis es wieder bei Kräften war. Hin und wieder stritten wir auch über das Tempo, denn es lief oft so schnell, das ich kaum mitkam.

Jedenfalls bin ich jetzt, nach all den gemeinsam erlebten Strapazen, aufs innigste mit meinem Gehirn vertraut und schmiede schon Pläne, wohin unsere nächste Forschungstour gehen soll.

Ich bin sehr dankbar, dass der Schöpfer mich mit einem derart munteren, quicklebendigen und schöpferischen Organ ausgestattet hat, das unermüdlich Ideen, Bilder, Gleichnisse und Assoziationen produziert und mein ganzes sonstiges Wesen mit diesen Inspirationen durchdringt und beseelt. Ich kann jedoch nur einen kleinen Teil dessen aufnehmen und umsetzen, wozu es mich auffordert und inspiriert. Der größte Teil seiner geistigen Produktion hat auch keinen praktischen Nutzen und ist im normalen Alltagsleben nicht verwertbar. Mein Gehirn lebt in und aus anderen Dimensionen als der Rest meines Wesens und ist permanent bestrebt, mich aus den realen Verhaftungen und Verwicklungen herauszuziehen.

Mein Gehirn ermüdet nur schwer und braucht auch keinen Schlaf wie mein Körper. Es verfügt auch nicht über einen Schalter, mit dem man es abschalten könnte, wenn es sich heiß gelaufen hat. Es ist unermüdlich am Schaffen und Werkeln und dies umso intensiver, je mehr mein Körper entspannt seine Aktivitäten herunterschraubt. Wenn ich in lebenspraktische Anforderungen, soziale Verpflichtungen und gesellschaftspolitische Zwänge eingespannt bin und mein aktives Tätigsein in der Welt Konzentration und Intelligenz erfordert, lässt die schöpferische Dynamik meines Gehirns etwas nach und es wird ruhiger. Es lässt sich jedoch nur widerwillig für meine Zwecke einspannen, es sträubt sich, meinen willentlichen Vorgaben zu folgen und lenkt mich permanent durch phantasievolle Störimpulse von meinen realen Absichten ab. Ich will einen geraden Weg gehen, mein Gehirn aber wandelt lieber auf verschlungenen Pfaden. So sind wir ständig im Clinch, wer in meinem Organismus das Sagen hat: der zielgerichtete egozentrische Wille, der sich an den Notwendigkeiten und Erfordernissen der Realität orientiert oder dieses undisziplinierte, verspielte Organ, das unkonventionelle Lösungen bevorzugt und mit dynamischer Kraft nach Expansion strebt.

Stellen Sie sich vor, ich will einen Einkaufszettel schreiben. Das mache ich eigentlich immer, weil ich beim Einkaufen einen Halt brauche, damit ich nicht in dem unübersichtlichen und aufdringlichen Warenangebot der kapitalistischen Überfülle die Orientierung verliere. Nehmen wir an, ich wolle Schweinebauch kaufen. Also schreibe ich auf: Schweinebauch. Vor meinem geistigen Auge erscheint ein knusprig gegrillter Schweinebauchlappen. Dann taucht die Frage auf: Wo kommt der her? Ich sehe ein Schwein. Dann sehe ich viele Schweine, die sich gequält auf engem Raum drängeln. Massentierhaltung. Schweinehälften, die in einem gekachelten Raum an  Haken baumeln. Plötzlich bin ich durchdrungen von einem großen Schmerz. Die Verbrechen der Menschheit an der Schöpfung werden mir (wieder einmal) bewusst. Und schon bin ich mit meinem Bewusstsein am Ende der Welt. Dabei wollte ich doch bloß einen Einkaufszettel schreiben!

So geht es mir oft, eigentlich immer. Der Ausgangspunkt meines Denkens und Tuns ist eine einfache, konkrete Aufgabe und mein Gehirn ordnet diese Aufgabe vollautomatisch in einen übergeordneten Zusammenhang ein. So lande ich – ausgehend von einem realen, überschaubaren Problem – immer in wenigen Schritten bei philosophischen Grundsatzfragen.  Das läuft von jedem beliebigen Punkt der Erfahrung ausgehend immer nach dem gleichen Muster ab und endet regelmäßig bei der nicht zu beantwortenden Frage nach dem Sinn des Ganzen.

Der gesunde Menschenverstand nimmt in der Gesamtkapazität  meines Gehirns einen zwar zentralen, aber doch ziemlich kleinen Raum ein. Er ist zwar immer anwesend und nimmt Einfluss auf das Geschehen, seine Autorität reicht jedoch nicht aus, die schöpferischen Prozesse des Gesamtgehirns in brauchbare, der Realität angemessene Ergebnisse zu verwandeln. Er ist mehr oder weniger machtlos den Turbulenzen der Gesamtaktivität ausgeliefert und wird phasenweise von diesen Strömungen überflutet und weggeschwemmt. Durch dieses Geschehen hat sich der gesunde Menschenverstand eine gewisse Bescheidenheit angeeignet und agiert nur noch auf einem sehr praxisbezogenen Niveau. Wenn es um wirklich Wesentliches geht, hält er sich zurück und überlässt das Regiment den kreativen Kräften.

Die Schaffenskraft meines Gehirns ist nahezu unbegrenzt und manchmal habe ich vollen Zugang zu seinen schöpferischen Möglichkeiten. Obwohl mein Gehirn im allgemeinen sehr ungehorsam ist und mir ständig auf der Nase herumtanzt, lässt es sich leicht einspannen, wenn es um menschliche Kommunikation oder soziale Interaktion geht. In diesem Kontext dient es mir willig und stellt mir kooperativ sein ganzes Potenzial zur Verfügung. Gleichzeitig nimmt mein Gehirn über diesen sozialen Kanal auch Nahrung auf, es holt sich von anderen Menschen Informationen und Inspirationen und verwandelt diese dann in dem ihm eigenen kreativen Prozess in Erkenntnisse und Orientierungen.

Ein weiterer Bereich, in dem sich die schöpferischen Kräfte meines Gehirns gut kanalisieren lassen, ist das Schreiben. Mein Gehirn verfügt über einen großen Wortschatz, den es mir bereitwillig zur Verfügung stellt, wenn ich versuche, meine komplexen Wahrnehmungen, Befindlichkeiten, Überlegungen oder was auch immer, in Worte zu fassen. Über den kreativen Prozess des Schreibens schaffe ich so ganz nebenher Ordnung in den meist unaufgeräumten Schränken und Schubladen, in denen mein Gehirn seine Sachen aufbewahrt. Mein Gehirn ist meist erleichtert und sehr dankbar, dass ich diese Aufräumarbeiten erledige und auch ich bin froh und zufrieden, wenn diese notwendige Tätigkeit zu sichtbaren Ergebnissen führt.

Die Fähigkeit meines Gehirns, neues Wissen aufzunehmen und zu speichern, hat seit einigen Jahren deutlich nachgelassen. Die vorhandenen Speicherkapazitäten sind offensichtlich ausgeschöpft und die Kanäle der Wissensübermittlung verstopft.  Möglicherweise sind in meinem Gehirn noch Räume vorhanden, die sich als Wissensspeicher nutzen ließen, doch mein Gehirn weigert sich beharrlich, die Zugangswege zu diesen Räumen freizumachen. Neues Wissen, das sich im Eingangsbereich drängelt, wird nicht mehr hereingelassen. Allein durch die Hintertür und durch die Vermittlung anderer Menschen findet hin und wieder eine wichtige Information den Weg ins Innere.

Mein Gehirn hat eine sehr gute Verbindung zu meiner Wahrnehmung und nimmt bereitwillig alle Eindrücke auf, welche die Wahrnehmung ihm liefert. Da meine Wahrnehmung überaus fleißig ist im Sammeln von Informationen und unkritisch alles einheimst, was ihr über den Weg läuft, bringt sie meinem Gehirn permanent Berge von unsortiertem Material zum Ordnen und zur Weiterverarbeitung. Hierbei kommt es hin und wieder zu Störungen oder einem Stau, da mein Gehirn mit dem Arbeitstempo und der Aufnahmekapazität meines Wahrnehmungsapparates kaum Schritt halten kann. Es war deshalb in der Vergangenheit auch schon mehrfach notwendig, von der normalen Funktionsweise (gewöhnliches Bewusstsein ) auf die psychotische Funktionsweise (außergewöhnlicher Bewusstseinszustand) umzuschalten, um diese Unmengen von Informationen zu bewältigen. Normale Ordnungs- und Denkstrukturen reichen oft nicht aus, die Informationsflut, die meine wache, übersensible Wahrnehmung  verursacht, aufzufangen und einzuordnen.

Meine Wahrnehmungsfunktion ist auch nicht zwingend an die Leistungsfähigkeit meiner Sinnesorgane gebunden, sondern nimmt darüber hinaus auch Eindrücke aus den paranormalen, übersinnlichen Bereichen auf und konfrontiert mein Gehirn mit der komplizierten Aufgabe, aus diesen Einströmungen eine praktisch verwertbare Information zu basteln. Diese Anforderung bringt mein Gehirn regelmäßig an seine Leistungsgrenze und es schaltet dann zu seiner Entlastung von der gewöhnlichen auf die außergewöhnliche Funktionsweise um. Das wird dann von der psychiatrischen Schulmeinung psychotisch oder schizophren genannt.

Ich habe mich im Laufe der Jahre an die unkonventionelle Arbeitsweise meines Gehirns gewöhnt und mir eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit seinen Herausforderungen angeeignet. Ich lasse mich nicht mehr von jeder verrückten Idee zu bizarren Handlungen treiben, sondern halte still und lasse die phantastischen Kraftströme passiv durch mich hindurch fließen. An meinem Arbeitsplatz hängt ein Zettel, auf dem steht : „Verharre unbewegt !“ An diese Anweisung halte ich mich, so gut es eben geht.

Bei aller Sympathie ist es doch sehr anstrengend, permanent den Impulsen eines derart aktiven und dynamischen Organs ausgesetzt zu sein und deshalb entscheide ich mich jetzt dafür, die chemische Keule zu schwingen und dieses ungezogene Ding mit Gewalt in seine Schranken zu weisen. Meine langjährigen, erzieherischen Bemühungen, meine Appelle an die Vernunft, mein Bitten und Flehen um Schonung: all das hat nichts bewirkt. Ich bin am Ende meiner Möglichkeiten und meiner Geduld angelangt und möchte nicht länger strapaziert und in Atem gehalten werden. Ich bin müde und erschöpft. Mir geht es wie dem Abenteurer aus Bertold Brechts Ballade :

Schlendernd durch Höllen und gepeitscht durch Paradiese
Still und grinsend, vergehenden Gesichts
Träumt er gelegentlich von einer kleinen Wiese
Mit blauem Himmel drüber und sonst nichts.

Ein Text von Gabriele
www.aquarius-handbuch.de

 


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Psychiatrie im Wandel der Zeiten

Erstellt von Bodo am 22. März 2010 – 10:49 -

Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie und psychisch-gerichtliche Medicin (Fünfzehnter Band, Berlin 1858)
herausgegeben von Deutschlands Irrenärzten durch Heinrich Laehr


(Quelle: books.google.com – Recherche März 2010)

Im 19. Jahrhundert wurde die Onanie als schweres Laster eingestuft. Jugendliche, die sich wiederholt selbst befriedigten, verfielen also dem Wahnsinn, der Manie und Depression. Durch einen geschulten Blick konnte der Arzt dieses erkennen und durch “energische moralische Einwirkung” nebst kalten Güssen eine Besserung erreichen. Ist der Patient allerdings wieder zu Hause und verfällt “seiner alten Neigung”, ließe das Rezidiv nicht lange auf sich warten. So die herrschende ärztliche Meinung in der Mitte des 19. Jahrhunderts …

Und auch “normale” Bürger jener Zeit, sollten sie doch einmal in Versuchung geraten sein, mussten natürlich dieses “Vergehen” am Sonntag beichten gehen, damit ihnen der liebe Herrgott diese Sünde mit drei Vaterunser vergeben konnte … Noch in den 1950er Jahren soll es so in Deutschland Brauch gewesen sein. Die katholische Kirche hatte (und hat) eine merkwürdige Einstellung zur Sexualität, was im heute noch bestehenden Eheverbot für Priester gipfelt.

Wie bitteschön soll ein heranwachsender Jugendlicher seiner Natur entsprechen? Ist es denn für einen 14-jährigen Schüler überhaupt möglich, ein erfülltes Sexualleben zu haben, eine feste und harmonische, gottgewollte Beziehung zu leben? Unterstützt die Gesellschaft die Linderung der sexuellen Nöte Heranwachsender? Sicher – es gibt Sex-Werbung und animierende Erotik auf allen Gebieten, auf allen Kanälen. “Sex sells” ist das Leitmotiv des Marketing. Aber, um seiner Natur Erleichterung zu verschaffen, braucht man nicht Sex rund um Uhr, nicht 100-prozentig perfekte Körper und Gesichter, nicht dieses absolute Schönheitsideal unserer Zeit.

Ist man(n) dann auf der Suche nach einem/r Partner/in, sind diese sexuellen Vorgaben eher hinderlich, und man sucht vergebens nach der Traumfrau (mit Traumfigur natürlich) in seiner Umgebung. Ja, man übersieht wohl die eine oder andere Chance, wenn sich wirklich ein nettes Mädchen oder ein netter Junge für die eigene Person interessieren, die aber nicht in dieses Super-Sex-Schema der heutigen Gesellschaft passen. Nur nach dem Körper und dem Aussehen zu schauen führt indes selten zu einer wahren, stabilen Beziehung. Die Seelen müssen miteinander klingen! Erst wenn Geist und Geist zueinander sprechen kommt es zur wirklichen Vereinigung zweier Menschen. Der Sex ist dann das geringste Problem …

Einen wunderschönen Frühling wünscht Euch
Bodo B.


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Post von Alfred …

Erstellt von Bodo am 28. Juli 2009 – 16:59 -

Lieber Bodo,

ich habe Deinen Buchauszug gelesen und dabei viele Parallelen zu meinen eigenen Erlebnissen bemerkt. Inhaltlich ist jede Psychose zwangsläufig individuell verschieden, formal hingegen habe ich schon öfters verblüffende Ähnlichkeiten festgestellt. Vor allem die religiösen Bezüge sind auffällig. Ein psychiatrischer Krankenpfleger hat mir hierzu erzählt, daß ihm in seiner über 20jährigen Tätigkeit unter Tausenden Wahnkranken kein einziger bekennender Atheist untergekommen ist. Auch ich selbst konnte mich nach wiederholten religiösen Wahnideen nur durch Erarbeiten einer sprichwörtlichen ‚Gesunden Skepsis‘ gegenüber transzendentalen Ideologien stabilisieren.

Im folgenden Artikel habe ich meine Krankengeschichte – oder besser gesagt ‚Gesundwerdungsgeschichte‘ – zusammenfasst:

In meiner Kindheit und Jugend hatte ich außer einer Lungenentzündung keinerlei Erkrankungen. Ich war sogar stolz darauf, bis zu meinem 19. Lebensjahr nur ein einziges Mal wegen einer harmlosen ‚Wassersucht’ nicht in die Schule gehen zu können. Um so größer war die Überraschung als ich kurz vor der Matura (Reifeprüfung) von einer Krankheit betroffen wurde, die ich zu Beginn gar nicht als solche erkannte: manisch-depressive Psychose. Fatalerweise fühlte ich mich dabei so wohl wie nie zuvor in meinem Leben, initiiert wohl auch durch einen sich steigernden Größenwahn, jedem geistig und körperlich überlegen zu sein.

Dieses Hochgefühl wandelte sich nach einigen Wochen durch medikamentöse Behandlung in einer Nervenklinik in sein glattes Gegenteil um: Antriebslosigkeit, starke Minderwertigkeitsgefühle bis zu Selbstmordgedanken. Ich bekam drei Jahre lang Psychopharmaka verschrieben, die mich in einem latent gedämpften Zustand hielten. Um gelegentlich doch etwas mehr ‚Leben’ zu spüren begann ich, leichte Drogen (Haschisch, LSD) zu konsumieren. Dies ging solange gut, bis eine Überdosis Romilar-Tabletten (ursprünglich ein Hustenmittel) erneut eine Psychose auslöste, die viel intensiver war als die erste: Stimmenhören, Allmachtsgefühle – unterbrochen von starken paranoiden Wahnvorstellungen – sowie eine auffällige Hemmungslosigkeit im sozialen Umgang führten diesmal zu einer zwangsweisen Einlieferung in die Nervenklinik (Diagnose: Schizophrenie).

Die nach der Entlassung folgende Depression war so stark, dass ich nach einigen Wochen einen Selbstmordversuch mittels einer Überdosis der mir damals verschriebenen Beruhigungstabletten (Leponex) unternahm. Glücklicherweise wurde ich nur bewusstlos und konnte bereits nach 14 Tagen wieder aus der Klinik entlassen werden. Trotzdem ich nun andere Medikamente bekam, verschlechterte sich mein Zustand wieder in Richtung Manie, so dass ich nach drei Monaten erneut für acht Wochen eingewiesen wurde. Mein Vertrauen in die herkömmliche Medizin, insbesondere die Psychiatrie, begann nach diesen wiederholt erfolglosen Behandlungen zu schwinden, so dass ich mich entschloß, eigene Wege zu meiner Gesundwerdung zu finden.

Angeregt durch die Lektüre von S. Freud, W. Reich u. a. entschloß ich mich, meinen bisherigen Beruf aufzugeben und Psychologie zu studieren, getreu dem Motto: >Gesundheit ist nicht alles, ohne sie jedoch ist alles nichts!< Meine anfängliche Zuversicht – begründet durch eine Bioenergetik-Therapie (ein Jahr) sowie eine mehrmonatige Gesprächstherapie – wurde jäh unterbrochen, als ich kurz vor einer schwierigen (Statistik-)Prüfung wiederum von einer manischen Psychose überrascht wurde. Obwohl sie symptomatisch die bisher heftigste Ausprägung zeigte – zu den akustischen Halluzinationen stellten sich nun auch optische sowie diffuse Körperwahrnehmungen ein – entschloß ich mich, diese Krise gänzlich ohne Medikamente durchzustehen. Glücklicherweise hatte ich durch das Studium sowie die anschließenden Semesterferien einen genügend großen persönlichen Spielraum, um meine diversen Wahnideen relativ ungehindert ausleben zu können, ohne übermäßig aufzufallen. Die früher nur mit Tabletten gedämpften Erregungsphasen füllte ich nun mit diversen kreativ-künstlerischen Aktivitäten aus wie Schreiben, Zeichnen und Musizieren …

Nach ca. einem halben Jahr klangen die psychotischen Erregungszustände von alleine ab und gingen, vor dem Hintergrund eines neuen Semesters und seinen Anforderungen, in eine schwere Depression über, wie ich sie ebenfalls bisher noch nicht erlebt hatte. Quälende Minderwertigkeitsgefühle, Atembeschwerden sowie eine allgemeine Antriebslosigkeit zogen sich über Monate hin, bis ich an einen Punkt gelangte, wo ich glaubte, nicht mehr weiter zu können. Ich trug mich bereits wieder mit Selbstmordgedanken, als ich unerwarteterweise die Gelegenheit bekam, mit einigen Freunden eine Woche nach Amsterdam zu fahren. Die Gastfreundlichkeit, locker-gesellige Lebenseinstellung und relative Sorglosigkeit der dort lebenden Menschen gaben mir wieder neuen Lebensmut, so dass ich auch diese Krise ohne äußere Eingriffe überstand.

Überzeugt von dem Spruch >Ein gesunder Geist in einem gesundem Körper< unternahm ich ein Jahr darauf meine erste Fastenkur (5 Tage) und sechs Monate danach eine längere von drei Wochen. Das Glücksgefühl nach dieser Kur war überwältigend: Noch nie zuvor in meinem Leben hatte ich ein solches psycho-physisches Wohlbefinden erlebt! Zu diesem Zeitpunkt machte ich Bekanntschaft mit der Rohkosternährung, die ich begeistert in die Tat umsetzte. Die während des Fastens nur kurzfristig erlebte Befreiung von chronischen Leiden (Meniskusschmerzen, Kurzsichtigkeit) konnte ich nun durch konsequente Ernährungsumstellung auch dauerhaft erreichen. Um meine psychische Labilität unter Kontrolle zu bringen, probierte ich die verschiedensten Methoden aus: Gruppentherapie, Bioenergetiktherapie, Gesprächstherapiem, Counseling-Selbsthilfegruppe, Yoga, Meditation, Tae-kwon-do und Tai-Chi-Chuan. Sie alle halfen mir auf ihre Weise meine Probleme aktiv zu bearbeiten, ohne mich auf Psychopharmaka zu verlassen oder meine Verantwortung an Gesundheitsexperten abzugeben.

Seit meiner letzten psychotischen Erkrankung vor über 20 Jahren, die ich, um es nochmals zu betonen, ohne jegliche Medikamente durchlebte, hatte ich nur zwei leichtere Krisen: Die erste dauerte einen Monat und konnte auf sozial unauffällige Weise ausagiert werden, die zweite eine Woche, sie manifestierte sich nur mehr durch eine leichte Übererregbarkeit. Dies ist für mich eine Bestätigung der zentralen These klassischer Gesundheitslehren, strikt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers bzw. der Psyche zu vertrauen.

Sind Psychosen heilbar? Der international anerkannte Psychiater Prof. Manfred Bleuler erläutert die damit verbundene Debatte in einem veröffentlichten Schreiben an Edward M. Podvoll:

„Es ist dringend erforderlich, dass wir uns endlich von dem Vorurteil freimachen, ein psychotischer Mensch werde auch immer psychotisch bleiben. (…) In den letzten Jahren bin ich immer wieder heftig angegriffen worden, wenn ich über meine vielen Erfahrungen mit der Heilung Schizophrener berichtete, die lange Zeit schwer krank gewesen waren. Die Kritik an meiner Lehr- und Heiltätigkeit gipfelt immer in folgendem: Ein schizophrener Patient kann niemals gesund werden – wenn sie glauben, Heilungen schizophrener Patienten beobachtet zu haben, so kann das nur an einer falschen Diagnose liegen! Meiner Meinung nach ist eine solche Einstellung unrealistisch und mehr als schädlich für unsere Patienten.“

Aus psychologischer Sicht kann insbesondere die letzte Aussage nur bestätigt werden, da die Hoffnung auf Heilung eine unabdingbare Voraussetzung zu deren Realisierung ist – wobei man sich bewusst sein sollte, dass schwere seelische Verletzungen oft Narben mit lebenslang einhergehenden Empfindlichkeiten hinterlassen.

Alfred Hausotter, Autor:

Im Alter zwischen 19 und 28 Jahren erlebte ich mehrere Psychosen, darunter auch einen missglückten Selbstmordversuch. Fern vom Elternhaus und finanziell abgesichert durch ein Stipendium durchlebte ich die letzte manische Phase gänzlich ohne Medikamente. Sie dauerte am längsten und äußerte sich in einem intensiven Kreativitätsdrang durch Schreiben und Malen. Von da an stabilisierte sich meine Gesundheit zunehmend, nicht zuletzt dank aktiver Pflege durch Yoga, Fastenkuren, Ernährungsumstellung, Bewegungstraining und verschiedenen Selbsterfahrungen.

Dreißig Jahre nach der letzten Krise betreue ich nun selbst psychotische Patienten, wobei ich wiederholt an die eigenen seelischen Überlebenskämpfe erinnert werde. Vielen chronisch Schizophrenen fällt es schwer, sich aus dem Bann ihrer bizarren Erlebnisse zu befreien, geschweige denn diese zu bearbeiten.

Obwohl ich mehrere Therapien und Selbsterfahrungsgruppen absolvierte, konnte auch ich meine Psychoseerlebnisse nur ansatzweise zur Sprache bringen. Oft erlebte ich betretenes Schweigen, bis ich selbst verstummte oder das Thema wechselte.

Erntedankfest
Vorgeschichte, Verlauf und Ausheilung einer Psychose

Gebundene Ausgabe: 374 Seiten
Verlag: Bibliothek der Provinz – April 2015
ISBN 978-3-99028-216-8

Liebe Grüße
Alfred Hausotter

 


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Einfach abnehmen mit Wasser

Erstellt von Bodo am 30. August 2007 – 10:42 -

Liebe Leser,

im April dieses Jahres begann ich ein Buch zu lesen, das mich im Laufe der Lektüre immer mehr faszinierte: “Walden oder Leben in den Wäldern” von Henry David Thoreau. Der Autor beschreibt sein Waldleben darin folgendermaßen: “Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.”

Wie leben wir nicht heute in einer künstlichen Welt! Natürlich sind Fernsehen, Radio und Computer unsere Begleiter, nein, vielmehr sind sie unsere Dauerberieseler. Wir essen künstliche Nahrung und trinken künstliche Getränke bei künstlichem Licht. Die künstliche Welt des Internets simuliert uns ein Leben, das wir gerne im wahren Leben hätten. In der Arbeitswelt müssen wir unsere menschliche Natur verbiegen, unterliegen künstlichem Streß und künstlichen Strukturen. Wo sind die wahren Werte geblieben?

Ein Gedanke des Autors von WALDEN fiel mir besonders auf: “Ich möchte gerne immer nüchtern bleiben, doch es gibt unzählige Grade von Trunkenheit. Ich glaube, dass Wasser das einzige Getränk für einen vernünftigen Menschen ist; Wein ist keine so edle Flüssigkeit … Selbst die Musik kann berauschend wirken … Wer möchte sich aber nicht, statt auf jede andere Weise, von der Luft berauschen lassen, die er atmet?”

Ganz in diesem Sinne beschloss ich, auf die vielen Säfte, Schorlen, Sprudel, Colas und Light-Getränke zu verzichten und nur noch Wasser zu trinken! Natürlich, zuerst schmeckt es etwas fad – aber man gewöhnt sich daran und nach zwei Wochen des Experiments kann man sich gar kein anderes Getränk zum Durstlöschen mehr vorstellen! Ich bin also beim Wasser geblieben und was soll ich sagen: Innerhalb von 4 Monaten bin ich vom leichten Übergewicht wieder auf Normalgewicht gesunken – ohne auf irgendeinen Essensgenuss oder auf das Bier am Abend zu verzichten! Man kann das Wasser als Mineralwasser mit Kohlensäure, oder, wer das nicht verträgt, als stilles Wasser trinken oder ganz cool: einfach aus dem Wasserhahn! Glücklicherweise haben wir hier in Mitteleuropa beste Trinkwasserqualität bei einem unschlagbaren Preis von 0,2 Cent je Liter!

Dies wollte ich unbedingt mal loswerden …

Beste Grüße an die Leser!
Euer Bodo

 


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