Der Absturz in den Bergen

Erstellt von Bodo am 21. Juni 2015 – 12:27 -

DER ABSTURZ IN DEN BERGEN – Filmkritik

Es beginnt ein normaler Arbeitstag auf dem Flughafen in Lissabon. Der Check-In des Frühfluges CO2666 nach Warschau verläuft planmäßig. Wegen Ostwindes startet die Boeing 737 diesmal in Richtung Land und fliegt im Steigflug zu den Pyrenäen. Kaum ist die Reiseflughöhe erreicht, drückt den Kapitän die Blase und er muss auf ein gewisses Örtchen. Darauf haben zwei djihadistische Terroristen an Bord nur gewartet. Der eine geht ebenfalls zur Toilette und setzt den 1. Piloten mit einer Chemikalie außer Gefecht. Der zweite Djihadist geht in Richtung Kabine und dringt blitzschnell ins Cockpit ein. Die Zuschauer sehen in Zeitlupe, wie er vor dem Verschließen der Tür das Klebeband am Riegel entfernt, der eigentlich die Tür sichern sollte. Die Putzfrau war also eine Komplizin!

In einem kurzen Handgemenge mit dem Co-Piloten gewinnt der Schurke die Oberhand und verklebt dem armen Luft-Offizier Mund, Arme und Beine. Dann lässt er den zweiten Terroristen ins Cockpit und beide versuchen, mit Youtube-Videos trainiert, die Boeing unter ihre Kontrolle zu bringen. Doch das Flugzeug reagiert auf keine Steuerung. Schnurstracks fliegt es über Südfrankreich in Richtung Alpenhauptkamm. Eigentlich wollten sie ja nach Paris, in den Eiffelturm fliegen, und nun das! Schlimmste Verwünschungen senden sie in Richtung Hölle. Sie reißen dem am Boden liegenden Co-Piloten das Tape vom Mund und drohen mit Folter, wenn er ihnen nicht hilft. Doch die Condor-Piloten haben eine stählerne Ausbildung hinter sich: auch unter Folter geben sie kein Sterbenswörtchen preis!

Mittlerweile bemerkt der Condor-Flugsheriff Jerzy Pomorszki, dass der Kapitän immer noch nicht vom „Geschäft“ zurückgekommen ist. Er wird misstrauisch und findet den Flugzeugführer bewusstlos am Boden. Schnell benachrichtet er die Stewardessen, und eine unter ihnen, Elisa Rasczková, hält dem 55-jährigen Luftfahrt-Granden das Hausmittelchen ihrer Oma unter die Nase und der Pilot erwacht sofort. Mit einer Geheimzahl, dem Geburtsdatum seiner Schwiegermutter, öffnet er die Cockpit-Tür: Luftsheriff Jerzy stürmt in die Kabine und befördert mit einer Kalaschnikow-Salve die Terroristen, beide kaum 25 Jahre alt, ins Paradies. Leider wird auch der tapfere Co-Pilot getroffen und so verblutet er in den Armen einer Stewardess.

Der Kapitän erkennt sofort den Ernst der Lage: Die Boeing befindet sich auf einem schnellen Sinkflug auf das Großklockner-Massiv zu. Er bewegt das Höhenruder, doch nichts passiert, 200 Passagiere rasen dem sicheren Tod zu! Doch jetzt fällt es ihm wieder ein: die Sicherung! Alle Condor-Piloten tragen eine lasergravierte Kenn-Nummer in der Augenlinse. Immer noch benommen von den K.O.-Tropfen, schafft es der Erste Pilot, wieder den Bordcomputer zu übernehmen. Das Flugzeug reagiert wieder! Doch ringsherum hohe Berge, keine Chance, sie zu überfliegen! In einem atemberaubenden Crash setzt der Condor-Pilot die Boeing 737 auf den Gletscher auf. Hollywood greift hier tief in die Spezialeffekte-Trickkiste, die die Kinobesucher atemlos in ihre XXL-Sessel pressen.

Gerettet! Die Passagiere und die Crew haben die Katastrophe überlebt. Sofort nehmen sich die österreichischen und polnischen Behörden der Sache an. Was sie jedoch aus dieser Geschichte machen, das erfahren Sie in Teil 2, der nicht weniger dramatisch ist und der im nächsten Frühjahr erscheint. Eine Trauer bleibt aber, der heldenhafte Co-Pilot (gespielt von Till Schweiger) musste mit dem Leben bezahlen. Am Ende des Films sehen wir nur einen kurzen Blick auf die Beerdigung: am Grab stehen alle Stewardessen, Sheriff Jerzy Pomorszki in tiefer Verzweiflung und der Kapitän des Fluges CO2666 von Lissabon nach Warschau. Und die Tränen fließen nur so.

Welches Geheimmittel Elisa Rasczková in ihrer Tasche hatte und warum dieser Flug nicht wie viele andere, so tödlich im Ozean, in der Wüste oder im Hochgebirge endete, das soll an dieser Stelle nicht verraten werden … Gehen Sie ins Kino!

DER ABSTURZ IN DEN BERGEN, 195 min, D – F – USA 2015
Fictiondrama, 3D


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Kleine Geschichte der Psychiatrie

Erstellt von Bodo am 6. April 2014 – 18:57 -

Die Methoden der angehenden Neuzeit zur Behandlung psychisch Kranker waren nicht gerade zartfühlend, und, man muss es leider sagen: Bis heute hat sich daran in bestimmten Bereichen moderner psychiatrischer Krankenhäuser nichts geändert. In früheren Jahrhunderten wurden alle Personen, die sich nicht in die heile Göttliche Ordnung integrieren ließen – also z.B. Landstreicher, Diebe, Mörder, Lustseuchenkranke, Dirnen, Bettler, Behinderte, Depressive und Irre – einfach gemeinsam ins sogenannte Zucht- oder Tollhaus gesperrt. An Ketten angeschmiedet bekamen sie kaum zu Essen und zu Trinken. Ja, man folterte die Irren sogar, weil sie erwiesenermaßen schmerzunempfindlich waren. So versuchte man ihnen die Narrheiten auszutreiben.

Als erstes Irrenhaus des christlichen Abendlandes wurde 1784 der Narrenturm am Allgemeinen Wiener Krankenhaus gebaut. Der Fortschritt: Das Irresein wurde als Krankheit angesehen und nicht mehr als Laster, das es zu züchtigen galt. Der Turm ist heute als Medizin-historisches-Museum zu besichtigen, man kann noch einzelne Zellen sehen, allerdings ohne die Ketten und Soldatenwärter.

In_Ketten_1806Mit der französischen Aufklärung wurden die Kranken von ihren Ketten befreit, an die frische Luft gebracht und nach Krankheitsbildern eingeteilt (Philippe Pinel, Paris 1792). Statt der Ketten gebrauchte man jetzt aber Zwangsjacken und tauchte die Kranken in eiskaltes Wasser, damit sie von ihren fixen Ideen losließen – auch nicht gerade eine humane Behandlung.

Anfang des 19. Jahrhunderts hatte man in der Irrenhaus-Abteilung der Berliner Charité besondere “Heilverfahren” entwickelt. War der Patient nicht mehr zu bändigen, wurde er oder sie in einen großen Sack gesteckt und an einem Haken aufgehängt, auf dass Ruhe einkehre … Nur manchmal verstarb ein Patient an so einem Heilversuch, was zum ersten dokumentierten Arzthaftungsprozess in Deutschland führte. (1)

Es gibt aber auch eine bessere Geschichte zu erzählen: Friedrich Hölderlin, bedeutender Schriftsteller der Romantik, wurde mit Beginn seiner psychischen Pflegebedürftigkeit nicht in irgendein Irrenhaus gesteckt, sondern von einer liebevollen Familie im Tübinger Turm versorgt.

Mitte des 19. Jahrhunderts sammelte ein Frankfurter Arzt fleißig Spenden bei den Bürgern der Stadt und ließ ein neues, großzügiges Gebäude für die Behandlung der psychisch Kranken am nördlichen Stadtrand von Frankfurt errichten, vom Volksmund “Irrenschloß” genannt. Er wurde der erste Direktor dieser Klinik. Sein Name: Heinrich Hoffmann, Autor des Kinderbuches “Der Struwwelpeter”. Ein weiterer, später berühmt gewordener Arzt dieser Klinik war Alois Alzheimer, der hier die nach ihm benannte Demenzerkrankung entdeckte.

Der Psychiatrie jener Zeit kam aber nicht nur die Rolle der Hospitalisierung und Behandlung von Kranken zu, so weit es denn möglich war. Sie wurde verstärkt auch gesellschaftlich und politisch mißbraucht. Der wohl berühmteste Fall ist König Ludwig II. von Bayern. Der junge König hatte eine romantische Ader. Wenig begeistert von Kriegen, Politik und Staatsgeschäften förderte er lieber Kunst und Musik. Richard Wagners Meisteropern sind ohne die Unterstützung von Ludwig nicht denkbar gewesen. Außerdem verfiel er einer Bausucht, die zwar der Nachwelt herrliche Schlösser hinterließ, die aber der bayerischen Staatskasse enorme Schulden einbrachte und ziemlichen Unmut seiner Minister heraufbeschwor. Schließlich beauftragte der Prinzregent den angesehenen Psychiater von Gudden, ein Gutachten über Ludwig II. zu verfassen, mit dem Ziel, den unbequemen jungen König für regierungsunfähig zu erklären und aus dem Verkehr zu ziehen.

Ludwig_1886Die Sache endete tragisch: Ludwig wurde nach Schloß Berg verbracht – vergitterte Fenster, abgeschraubte Türgriffe – und er wußte, dass sein Schicksal beschlossen war und dass er jetzt nur noch dieselben Freiheiten hatte wie sein kranker Bruder Otto. Auf einem Spaziergang mit Prof. von Gudden am Starnberger See kam es zum Drama, das bis heute nicht ganz aufgeklärt ist: Ludwig will sich wohl in den See stürzen, um zu ertrinken. Der Arzt will ihn wohl davon abhalten. Es kommt zur Rauferei. Ludwig erwürgt oder ertränkt von Gudden und begeht danach Selbtmord. Man findet später die beiden Leichen im Wasser.

Dies war nur die oberste Spitze eines Eisberges. Man kann sich in hellen Farben ausmalen, wie viele Männer oder Frauen von ihren Angehörigen oder Geschäftspartnern bewußt pathologisiert und von gutbezahlten Psychiatern beiseite geschafft worden sind …

War man erst einmal in einem Irrenhaus, kam man nicht so schnell wieder heraus. Und die Rassen- und Erbideologie des beginnenden 20. Jahrhunderts sollte dafür sorgen, dass man die Psychiatrie-Patienten gar nicht mehr wiedersah. Nach dem angeblichen Naturgesetz des Rechtes des Stärkeren waren die Kranken und Behinderten minderwertige Erbkranke, die die Volksgesundheit untergruben. Sie waren jetzt Schädlinge, sie waren Schmarotzer, die nur auf Kosten der Allgemeinbevölkerung künstlich am Leben gehalten wurden. Der beginnende Weltkrieg tat sein Übriges. Ressourcen waren knapp und so wurden auf geheimen Führerbefehl hin zehntausende Patienten selektiert, in speziell präparierten Bussen abtransportiert und in Vernichtungs-”Kliniken” von Ärzten vergast. Erst nach weiten Protesten in der Bevölkerung und in der Kirche wurde die sogenannte Aktion T4 eingestellt.

Aber das Morden in den Krankenhäusern ging weiter: Mit Nahrungsentzug und mit Giftspritzen brachten deutsche Pflegerinnen und Ärzte hunderttausenden Patienten den Gnadentod. Noch nach Kriegsende ließ man tausende Patienten einfach verhungern. Denn sie hatten keine Rechte und sie hatten niemanden, der sie schützte. Lebensmittel waren knapp. Und offenbar war auch menschliches Mitgefühl nur spärlich vorhanden. Das Wort vom Gnadentod spukte nach wie vor in den Köpfen.

Denkmal_der_grauen_BusseDie Nürnberger Kriegsverbrecher- prozesse beschäftigten sich nur am Rande mit der Euthanasie, nämlich nur insoweit, als es sowjetische oder polnische KZ-Insassen betraf. Die juristische Aufarbeitung blieb Deutschland und Österreich überlassen: In der Alpenrepublik wurden in den Nachkriegsjahren von sogenannten “Volksgerichten” einige Todesurteile gegen Ärzte und Pfleger/innen verschiedener Einrichtungen ausgesprochen, die auch vollstreckt wurden. In Ost- und Westdeutschland gab es ebenfalls Euthanasie-Prozesse, die mit Todesstrafen, bzw. langen Haftstrafen endeten. Einige der Täter flüchteten oder begingen Selbstmord. Die öffentliche Aufmerksamkeit bei diesen Prozessen war enorm, war es doch für den normalen Menschen unvorstellbar, dass Ärzte und Schwestern zu Mördern wurden. (2)

Mit den Erfolgen der medikamentösen Behandlungen in den 50er/60ern einerseits und einer neuen Generation von Psychiatern und Sozialarbeitern andererseits konnte sich die Psychiatrie in den 1970ern ein wenig öffnen und zu einem weniger dunklen Fleck der Gesellschaft werden. Die Psychiatrie-Reformen, sowohl in der DDR als auch im Westen, brachten Verbesserungen in Form von neuen Therapieangeboten, Tagesstätten, betreutem Wohnen und Integrations-Hilfen. Das Stigma, das psychischen Krankheiten und der Psychiatrie bis heute anhaftet, konnten sie jedoch nicht beseitigen.

Film und Fernsehen taten ihr Übriges: Im Oscar-prämierten Streifen “Einer flog übers Kuckucksnest” erfährt Psychiatrie-Patient McMurphy alias Jack Nickolson am eigenen Leibe, was Ärzte und Pfleger von aufsässigen Behandlungsverweigerern halten: Mit Elektroschocks und schließlich einer irreversiblen Lobotomie wird er fügsam gemacht; Mitpatient “Häuptling” Bromden erlöst den nur noch apathischen McMurphy und zerschmettert die Anstaltsmauern, die ihn gefangen halten.

TablettenGlücklicherweise werden schon seit 40 Jahren keine Lobotomien mehr in der Psychiatrie durchgeführt, und auch die Insulinschocks gehören der Vergangen- heit an. Die Elektrokrampftherapie (EKT) hat sich bis heute als eine Ultima-Ratio-Behandlung gehalten; sie wird nur in Ausnahmefällen durchgeführt und sie ist auch keine Disziplinarmaßnahme mehr, die Patienten bekommen davon kaum etwas mit. Hauptbehandlungs-Methode der Gegenwart ist die medikamentöse: durch klassische Neuroleptika, Tranquilizer und Antidepressiva oder durch neuentwickelte Präparate, die jedoch nicht selten schwere Nebenwirkungen haben. Bekanntester Fall der jüngeren Geschichte ist Zyprexa (Wirkstoff Olanzapin), ein Produkt der Firma Eli Lilly, welches oft zu extremer Gewichtszunahme und Diabetes führt, mit all den bekannten Komplikationen. (3)

Nach wie vor ein Klassiker der Behandlung ist Haloperidol, dessen vorzügliche Disziplinierungs-Wirkung der Verfasser dieser Zeilen am eigenen Leibe erfahren musste. Diese Art von Therapie mussten auch etliche politische Dissidenten in der ehemaligen Sowjetunion über sich ergehen lassen. In der Psychiatrie wurden sie zu gebrochenen Menschen. Unsichtbar gefoltert!


Und hier sieht man schon das Hauptproblem der Psychiatrie: Halbgötter in Weiß verordnen irgendwelche Pillen; die Pfleger und Schwestern müssen dafür sorgen, dass sie geschluckt werden und ansonsten werden die Patienten verwahrt, im besten Fall gut behütet und mit Beschäftigungstherapien versorgt. Wer fremd- oder eigengefährdend ist kommt auf die Geschlossene, die sich jetzt witzigerweise “intensivmedizinische Station” nennt. Intensiv ist vielleicht die Langeweile des Eingesperrtseins oder reichlich nachhaltig intensiv kann auch das Trauma einer Fesselung ans Fixierbett sein. Wer Pfleger oder Schwester auf einer psychiatrischen Station ist, muss schon recht abgebrüht sein, um mit den vielen schweren Krankheitsverläufen klarzukommen. Und wer sich da zu sehr um die Patienten kümmert, riskiert nur ein Burnout. Was soll man da erwarten? Und die Ärzte: Die können neue Medikamente in aberwitzigen Dosierungen an hilflosen Geschöpfen austesten und darüber wissenschaftliche Artikel für das eigene Ruhmesblatt schreiben. Ansonsten herrscht wohl auch im psychiatrischen Krankenhaus eine Hackordnung, wie in jeder Firma. Wie der Herr, so das Gescherr. Deshalb sollten sich die Landtage überlegen, die Amtszeit von Ärztlichen Direktoren und Geschäftsführern zu begrenzen. Oder sind unsere Psychiatrien gar keine demokratischen Institutionen?

Die Autorin Sabine Kuegler beschreibt in ihren Büchern (“Das Dschungelkind” u.a.) ihre Kindheit im indonesischen Urwald und sie erzählt davon, dass ihr Fayo-Stamm sich rührend um die seelische Befindlichkeit der Mitglieder kümmerte. Ging es einem erkennbar seelisch schlecht, wurde das Stammesmitglied von morgens bis abends, tage- oder wochenlang umsorgt und gepflegt und quasi auf Händen getragen, bis es wieder gesund war. Körperliche Krankheiten nahm man hingegen als Schicksalsschlag oder Strafe von Dämonen hin. In unserer modernen Gesellschaft ist es eher umgekehrt: Körperliche Krankheiten werden mit höchstem Aufwand therapiert und beforscht, während psychischen Leiden immer noch der Makel des Mittelalters anhaftet, über die man nur leise, wenn überhaupt, spricht und von einer angemessenen fürsorglichen Behandlung kann auch keine Rede sein. Die Angehörigen haben Angst, fühlen sich überfordert und schieben ihre lieben Verwandten möglichst schnell in die Psychiatrie ab, wo sie von professionellen “Wärtern” ruhiggestellt werden. Als Medikamenten-Zombies und Behinderte werden sie wieder in die verständnislose Gesellschaft entlassen.

 


Anmerkungen:
(1) Quelle: Deutsches Ärzteblatt vom 25. März 2011;
(2) Quelle: Euthanasie-Prozesse seit 1945 in Österreich und Deutschland -

http://www.doew.at/thema/thema_alt/justiz/euthaufarbeit/theseneuth.html

(3) Quelle: Zyprexa-Skandal – http://de.wikipedia.org/wiki/Olanzapin

Abbildungen:
(1) “Der Verrückte” – Kupferstich von Charles Bell (1806)
(2) Ludwig II. von Bayern in seinem Todesjahr 1886
(3) Denkmal der Grauen Busse in Ravensburg-Weißenau
(4) Tabletten – die unsichtbare Gewalt der Psychiatrie
(5) “Doktor Pinel befreit die Irrsinnigen von Salpêtrière” – Gemälde von Tony Robert-Fleury (1795)

 

Philippe_Pinel


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Ein sächsischer Traum

Erstellt von Bodo am 7. Mai 2013 – 05:45 -

Lange war ich nicht mehr in Dresden, der großen Metropole im Oberen Elbtal. Dem Elbflorenz des Ostens. Wie sehnte ich mich danach, wieder das “Nuh!” zu hören. Man kann es eigentlich nicht übersetzen. Es ist mehr eine seelische Schwingung, ein Gefühl der Bestätigung. Dieses Wort gibt der ostsächsischen Seele eine Wärme und Unschuld. Selbst die Buchstaben geben den Klang kaum wieder. Das Sächsische bräuchte eigentlich ein eigenes Alphabet.

Die alten Häuser der Uni sind wie eh und je. Als ob die Zeit stehengeblieben wäre. Aber im Süden und Westen wurde groß gebaut. Mehr geklotzt als gekleckert: eine moderne Bibliothek, neue Institutsgebäude aus Stahl und Glas; und die Wohnheime: hochglanzsaniert. Erinnerungen aus langer Zeit kommen hoch. Die TU war schon immer etwas Besonderes. Nicht nur für Dresden, für das ganze Land!

Das alte Stadtzentrum an der Elbe ist eine wahre Pracht geworden. Und das steinerne Juwel ragt hoch in den Himmel: die Frauenkirche! Viele neue schmucke Häuser umrahmen das Gotteshaus und den weiten Platz. Pferdekutschen und Gespanne an jeder Ecke. Touristen aus aller Herren Länder, die das Geld in die Stadt bringen. Manchem Dresdner ist es schon etwas zuviel Trubel, er war jahrzehntelang eher Beschaulichkeit gewohnt. Aber dann fährt er mit einer der vielen Straßenbahnen zurück in seinen Stadtteil: nach Strehlen oder nach Löbtau, nach Prohlis oder nach Coschütz, und genießt ein weitgehend touristenfreies Leben.

Auf dem Friedhof ist es ruhig. Ich muss ein bisschen suchen. Aber, da ist es! Ein schönes Grab. Und von mir drei Rosen dazu: zwei weiße und eine rote. Sie hat es schön hier! Kann sie von oben zuschauen? Hört sie meine Worte? Sieht sie meine Tränen? Aber eigentlich, denk ich mir, habe ich sie mit jedem Atemzug in mir. In meinem Herzen sowieso.

Beim Konzert kamen wieder die Tränen. Bläserensemble und Chor, von und mit Herrn Güttler. Sehr schön, und in dieser Kirche sowieso. Man braucht einen Abschied. Gerne hätte ich sie wiedergesehen. Nur für ein paar Worte und Augenblicke. Versäumt. Verdrängt. Vorbei.

Sie war bestimmt glücklich hier in Dresden. Und freier als zu Hause in diesem kleinen Ort der Lausitz, wo sie herkam. Früher konnte man nicht so einfach weg, alles aufgeben. Man hatte zwar Arbeit, aber man war gebunden, um nicht zu sagen eingesperrt. Ich wollte nicht in diesem Ort eingesperrt sein, ich wollte frei sein. Ich wollte zurück in mein Berlin. Habe verdrängt und wollte vergessen. Ungelebtes Leben, ungelebte Liebe.

Ist es müßig, darüber nachzudenken? War es richtig? War es Schuld? Egal: Abschied ist ein scharfes Schwert, heißt es in einem Lied. So ist es! Man muss seine Trauer abarbeiten. Man muss ihr Raum geben. Kopf hoch, Blick nach vorn – sagen andere. Ja. Gut. Doch wenn man nur nach vorn schaut, will man etwas bekommen, etwas erreichen. Doch man hat ja schon soviel! Man kennt oft gar nicht seinen Reichtum, den man in sich trägt. Den Reichtum der Seele und der Erinnerung …

Muss man seine Erinnerungen loslassen können? Muss man müssen? Man muss gar nichts! Dresden hat mir jetzt und heute so gut getan: Ich saß um fünf Uhr in der Morgenfrühe auf den Höhen am südlichen Stadtrand, und die Stadt im Tal erwachte, und der leichte Nebel entschwand aus dem Altstadt-Panorama … Das ist Poesie!

Überhaupt, das sage ich jetzt mal und behaupte es: Dresden hat das poetischste Zentrum einer deutschen Großstadt. Wie gemalt, wie komponiert! Da fragt man sich unwillkürlich: Hat Canaletto Dresden gemalt, oder wurde Dresden nach Canaletto gebaut? Und das Altmarktfest im Frühling und Herbst ist um Längen charmanter als das überfüllte Oktoberfest in München. Dresden brummt zwar in finanzieller Hinsicht, aber die sächsische Gemütlichkeit … die ist nicht totzukriegen!

Du bist bei mir.

Frühling Dresden-Panorama

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Dorinde und Jonathan – ein Märchen zum Totensonntag

Erstellt von Bodo am 23. November 2012 – 14:34 -

Es war einmal vor langer Zeit, noch vor der großen Zeitenwende. Jonathan war ein Zauberschüler. Eigentlich nichts besonderes. Doch er konnte in seiner Lieblingsstadt studieren, die er schon seit Kindertagen so faszinierend fand: in Dransidon. Die große Stadt lag zwischen malerischen Hügeln und ein breiter Strom durchfloss das Tal.

Das erste Lehrjahr lag hinter ihm und die Zauberschule schickte die Studenten – so hießen nämlich die Zauberschüler in Dransidon – aufs Land, nach Lutetien, um den Bauern bei der Ernte zu helfen. Die Arbeit gefiel Jonathan ganz gut. Doch er war betrübt, weil er keine Freundin hatte.

Eine Woche vor dem Ende der Erntearbeit wurde ein großes Fest gefeiert. Man traf sich abends beim Schenkerwirt und es wurde musiziert und getanzt. Jonathan setzte sich an irgendeinen Tisch und da saß sie: Dorinde! Und noch andere Mädchen. Ihm gefiel Dorinde sofort. Und Jonathan gefiel ihr auch. Nach ein bisschen Plauderei und etwas Essen und Trinken wollten sie zusammen tanzen.

Die Musik spielte herrlich und Jonathan schaute in Dorindes Augen, während sie sich beide beim Tanze drehten. Und sie fühlte es auch: das ist mein Prinz! Nachdem die Musik zu Ende gespielt hatte und das Fest vorüber war, war es an der Zeit nach Hause zu gehen. Doch Dorinde ließ Jonathan nicht los. Denn sie wusste genau, wenn er jetzt geht, sieht sie ihn nie wieder.

Und so nahm sie Jonathan mit auf ihre Kammer und sie liebten sich und schworen sich ewige Treue und wollten gemeinsam Kinder haben. Jonathan blieb die ganze letzte Arbeitswoche bei Dorinde und noch eine weitere, obwohl schon Zauberferien waren. Sie zeigte ihm ihren großen Schatz: eine Mappe mit neun Locken. Die waren von ihren Liebhabern, die in den letzten Jahren bei ihr übernachtet hatten.

Dorinde war eine Magd bei einem lutetischen Bauern und hatte schon ein Kind, eine kleine Tochter. Deshalb war sie im Dorf nicht sehr angesehen, weil es keinen Mann dazu gab. Das war für Jonathan kein Problem, denn er war selber mal so ein Kind gewesen. Aber Dorindes Räucherstäbchen begannen ihn bald zu stören. Sie zündete ständig welche an, weil es so gut duftete und sie ihr etwas die Sinne benebelten.

Jonathan musste sich wieder auf die Zauberschule vorbereiten und fuhr nach Ewosan zurück, in die ferne Provinz Batulien. Dort wohnten seine Eltern. Draußen, in den weiten Kiefernwäldern, überlegte er sich, was er tun sollte. Er liebte Dorinde noch, das wußte er. Doch wie lange würde es dauern? Bis sie sich stritten? Bis er zerrissen war zwischen Lutetien, Batulien und Dransidon? Und so beschloss er, seine Dorinde nur noch einmal zu besuchen.

Und zwar an ihrem Geburtstag. Es war schon dunkel, als er an ihrem Haus ankam. Dorinde verabschiedete kurz ihre Eltern und dann durfte Jonathan hereinkommen. Dorinde ahnte schon etwas, aber beide liebten sich wieder in dieser Nacht. Natürlich, Jonathan sagte am Morgen Worte, die gesagt werden mussten. Aber was sind schon Worte. Dorinde weinte und verstand es nicht. Jonathan verstand es selber nicht, doch er wollte diese Liebe nicht dahinsiechen sehen. Er wollte sie bewahren und als Schatz mitnehmen in seinem Herzen.

Und so ging er und ließ eine weinende Dorinde zurück.

Nach ein paar Wochen hatte Jonathan Geburtstag und eine Bote brachte einen Brief von Dorinde. Sie bat ihn um eine Locke von seinem Haar. Nein, schrieb Jonathan zurück, er wolle nicht eine weitere Locke in ihrer Sammlung werden. Das verletzte Dorinde sehr, aber sie wünschte ihm alles Gute in seinem Leben.

Dorinde sagte zu sich: “Ach Jonathan, du Esel!” Dann ging sie in den Stall zum alten Esel Gustav und schnitt ihm eine Locke aus dem Fell. Die Locke tat sie in ein kleines Kästchen und bewahrte es sorgfältig auf. Wenn sie nachts fror, holte sie das Kästchen mit der Locke hervor und das Kästchen wärmte Dorinde, als ob ein kleines Feuer drinnen wär. So kam sie durch schwere Zeiten.

Jonathan hatte viel zu Lernen an der Zauberschule. Und bald vergaß er seine Dorinde. Und dachte nicht mehr an den Schatz in seinem Herzen. Er wurde einsam und traurig. Er ging nicht mehr auf Feste und tanzte mit keinem Mädchen mehr, weil er genug von Räucherstäbchen hatte. Seine Mutter sah, dass es ihm nicht gut ging. Doch sie wusste nicht warum.

Sein Schatz war tief in sein Herz gesunken. Er spürte ihn nicht mehr. Er spürte nur noch Dunkelheit. Sein Schatz, sein Feuer, konnte ihn nicht wärmen, denn er hatte ihn völlig vergessen. Das Feuer fraß von innen an seiner Seele und an seiner Gesundheit.

Er war jetzt kein Zauberschüler mehr, sondern ein junger Zauberer in Belinda, der Hauptstadt von Batulien. Er hatte viel Arbeit. Doch er war nicht glücklich. Er spürte keine Wärme. Bis er eine Frau traf, die sein Herz berührte. Das Feuer brach auf, und Jonathan wünschte sich wieder Kinder. Doch das war ein dummer Wunsch. Denn Isolde, so hieß die Frau, hatte schon sechs Kinder und konnte keine weiteren ernähren. Sie sagte Jonathan Lebewohl.

Doch Jonathans Feuer brannte lichterloh. Er verstand es nicht. Denn es war nicht das Feuer für Isolde, sondern das für Dorinde. Er wurde krank. Schwarze Dämonen senkten sich auf seine Seele. Er konnte kaum noch atmen und erkannte sich nicht mehr im Spiegel.

Der Herr im Himmel hatte Mitleid mit Jonathan und schenkte ihm eine Vision: Isolde war nicht seine Liebe, sondern eine Schwester, die er noch nicht kannte. So konnte Jonathan von ihr loslassen und die grauen Wolken flogen davon. Nun erkannte Jonathan aber in jedem Ding, in jedem Geschöpf neue Visionen und Rätsel. Jonathan wollte die Rätsel lösen: Er ahnte es. Es ging um seine Braut. Er sollte eine Braut bekommen.

Jonathan konnte nicht mehr zaubern. Er wurde ins Heilig-Geist-Spital in Ewosan gebracht und die Mediziner versuchten ihr Bestes. Sie kannten schon solche Fälle. Doch Pillen und Pülverchen halfen nicht. Jonathan taten sich immer größere Rätsel auf und schließlich glaubte er, der böse Zauberer Uksamin sei hinter ihm her. Jonathan stellte sich tot, damit der böse Zauberer von ihm abließ.

Da mussten die Ärzte den großen Medizinmann Elkator holen, denn nur er allein konnte Jonathan jetzt noch helfen. Elkator nahm den kranken Zauberer Jonathan mit in seine Schreckenskammer und schleuderte ihn hoch an den Himmel und dann wieder tief hinunter bis in die Mitte der Erdkugel und legte ihn dann sanft auf das Krankenbett.

Jonathan schlief sieben Tage. Und als er erwachte, waren alle Damönen von ihm verschwunden und es gab auch keine Rätsel mehr. Er freute sich, dass er lebte.

Er konnte zwar noch zaubern, doch Jonathan musste von jetzt ab immer drei Pillen nehmen: eine morgens, eine mittags, eine abends. Sonst kämen die Damönen wieder, meinten die Ärzte. Aber die Pillen unterdrückten auch das Feuer und seinen Schatz konnte Jonathan nicht erkennen.

Jonathan lernte eine junge Magierin kennen, mit der er sich gut verstand, und die ein neues Feuer in ihm entzündete. Sie wurden Mann und Frau und lebten zehn Jahre glücklich miteinander in ihrer Heimat Sabornia. Doch alles hat seine Zeit. Und ein Feuer erlischt wieder.

Jonathan zog wieder in seine Heimat Batulien, um bei seinen Eltern und in seinen Kiefernwäldern zu sein.

Es war November und die Kirche feierte hohe Gedenktage. Das Gedenken an die Verstorbenen und an den Tod. Überall im Land wurden Trompeter losgeschickt und Ausrufer. Man solle in sich gehen und auch über solche Fragen nachdenken. Durch seine Frau kannte Jonathan das Meditieren und wie man in seiner Seele forscht. Sie hatte viele kluge Bücher.

Bald war also Totensonntag. So stellte sich Jonathan vor, er würde sterben. Nicht in einer Woche. Jetzt sofort! Und horchte in seine Seele …

Schlagartig erschien sein Schatz wieder in seinem Bewußtsein. Seine Dorinde. Seine liebe Dorinde! Er hatte sie all die Jahre bei sich gehabt und es nicht gewusst. Er fragte sich, wo ist sie jetzt, wie kann ich sie finden? Er ging zu einer Seherin in die Stadt. Die schaute eine Weile in ihre Kristallkugel und sagte: “Ich kann sie nicht finden!” Jonathan fiel ein, vielleicht hätte sie ja geheiratet.

“Ja, hier ist sie!” sagte die Seherin. Doch sie klang traurig. Denn sie fand nur Dorindes Grabstein. Sie war gestorben. Vor sechs Monaten. Sie hatte sich in Dransidon beerdigen lassen, der Stadt von Jonathans Zauberschule.

Jonathan hatte seinen Schatz wieder. Doch Dorinde lebte nicht mehr. Er konnte nicht mehr mit ihr sprechen und sie nicht mehr umarmen. Nie mehr! Nimmermehr. Sieben Tage und Nächte weinte er um seine Geliebte. Er bat sie um Verzeihung, und versprach ihr, seine Locke an ihr Grab zu bringen. Vielleicht hörte sie ihn ja – dort oben im Himmel.

Er zauberte sich ein kleines Bild von Dorinde. So wie sie dastand, als er sie verließ. Das trägt er jetzt immer bei sich. Seinen Schatz. Um ihn nie mehr zu vergessen!

 

23. November 2012, aufgezeichnet von Bodo Bodenstein

 

 


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Gedicht im November

Erstellt von Bodo am 13. November 2012 – 08:45 -

Du bist noch da, noch immer.
Dein Herz schlägt weiter, sonderbar.
Die Zeit baut auf, die Zeit reißt nieder.
Gedanken kommen und verschwinden.
Nichts hält für immer.

Jahre prägten Leib und Seele.
Durch Höhen und Tiefen ohne Ende.
Gezehrt, verletzt, gelacht, geliebt.
Am Ende ging ich nur und schwieg.
Nichts hält für immer.

Planeten, Sonnen, Galaxien.
Wohin geht die Bahn, wohin die Reise?
Entschwindet alles in ein Nichts?
Geboren, gewachsen, gelebt, gestorben.
Doch auch kein Nichts hält wohl für immer.


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Meine Geschichte

Erstellt von Bodo am 3. Juli 2012 – 16:15 -

Eine Leserzuschrift, anonym:

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meine geschichte

1969 : geburt, wieder mal? wen interessierts…
- : mama, warum umarmst du mich nie?…
- : papa benutzt mich als fussball, autsch…
- : ich kann keine nähe ertragen…
- : bloß keine gefühle zulassen, schadet eh nur…
- : ich liebe euch mädchen, aber kommt mir nicht zu nah…
1991 : erster und letzter sex…
- : alkohol, angst, panik…
2003 : kellner, einmal eine psychose bitte, danke…
2005 : wellnessurlaub in der klinik, mal richtig ausspannen…
2009 : arbeit in einer werkstatt, es geht aufwärts :)…
2012 : krisen, einsamkeit, unendliche sehnsucht…
2012, 11.april: ich kann nicht mehr…
ich-kann-ein-fach-nicht-mehr…
tränen…
warum ich…
wieso kann ich nicht gesund sein…
warum helfen die medikamente nicht…
wieso habe ich so große angst vor frauen…
tränen…
ich will lieben…
ich will geliebt werden…
ich will sex haben…
ich will nicht verletzt werden…
ich will kinder…
ich will der beste vater werden…
tränen…
was für ein scheißleben…
umbringen? ich lach´ später drüber…
tränen…
verdammte scheiße…
verdammte verdammte scheiße verdammte…
ich hab kein bock mehr…
ich habe echt kein bock mehr…
wut…
leck mich am arsch du scheißleben…
leck-mich-am-arsch…
ich bin kein opfer…
schon besser…
ich merke…
ich bin stark…
trotz allem…
tränen…
zuversicht…
ich bin ein mensch…
ich kämpfe…
was die zukunft bringt? wer weiß…
manche frauen…
mögen sensible Männer…

 

 

 


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Eine andere Weihnachtsgeschichte

Erstellt von Bodo am 11. November 2011 – 16:06 -

Erinnerung an WeihnachtenOh, Du fröhliche, Oh Du selige …

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte
von Gabriele

Das Weihnachtsfest in meiner Herkunftsfamilie war eine sich jährlich gleichbleibend wiederholende Katastrophe. Vorausschicken muss ich die Information, dass mein Vater Alkoholiker war und dass diese Tatsache zu den in Alkoholikerfamilien typischen Verwicklungen und Streitigkeiten zwischen den Eltern führte. Da mein Vater als Werkführer bei der Bundesbahn unter der Woche auf Montage war, beschränkten sich die – handgreiflichen – Zänkereien auf das Wochenende. Wir Kinder, mein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder und ich, lernten früh, die sich anbahnenden Spannungen und Feindseligkeiten zu erfühlen und uns rechtzeitig unsichtbar zu machen, denn es konnte durchaus sein, dass man im Eifer des Gefechtes wegen irgendeiner längst vergessenen Unartigkeit in das Gerangel mit einbezogen wurde und auch ein paar Hiebe abbekam.

Meine Mutter – der Prototyp einer tüchtigen Hausfrau – nahm es mit Weihnachten ziemlich genau. Schon Wochen vorher wurden Plätzchen gebacken, der Christbaumschmuck aus dem Keller geholt, Weihnachtskarten auch an die entfernteren Verwandten geschrieben, Geschenke eingepackt und sonstige Vorbereitungen getroffen. Mama war voll im Stress. An Heiligabend war sie dann so etwa auf dem Gipfel ihrer hektischen Umtriebigkeit und sehr gereizt, weil mein Vater sich in keinster Weise in ihre Aktivitäten hineinziehen ließ. Er saß stoisch am Küchentisch, blätterte genüsslich in der Bild-Zeitung und trank seinen bevorzugten Weißwein. Weihnachten war für ihn “Weiberkram” und ging ihn nichts an; der ganze Aufwand war ihm nur lästig und er ließ das Unvermeidliche murrend und widerwillig über sich ergehen. Weiterlesen…»


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Meditation in den Wolken

Erstellt von Bodo am 16. Juni 2011 – 09:54 -

Liebe Leser,

zur Abwechslung möchte ich nicht mit langem Bla-Bla daherkommen, sondern hier könnt Ihr einfach schauen und hören:

Grüße im Juni
von Bodo


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Deutsche Psychiater bitten um Verzeihung

Erstellt von Bodo am 22. Februar 2011 – 08:41 -

Liebe Betroffene,

stellt Euch vor, Ihr wäret 70 Jahre füher geboren worden … dann wären wir als “Erbkranke” wahrscheinlich sterilisiert, verschleppt und grausam vergast worden … und das alles von deutschen Ärzten, von deutschen Psychiatern gutgeheißen und durchgeführt. Auf einer Gedenkveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) am 26. November 2010 bittet Professor Frank Schneider aus Aachen um Verzeihung:

Im Namen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde bitte ich Sie, die Opfer und deren Angehörige, um Verzeihung für das Leid und das Unrecht, das Ihnen in der Zeit des Nationalsozialismus im Namen der deutschen Psychiatrie und von deutschen Psychiaterinnen und Psychiatern angetan wurde, und für das viel zu lange Schweigen, Verharmlosen und Verdrängen der deutschen Psychiatrie in der Zeit danach.

Die gesamte Rede ist hier zu finden:
www.dgppn.de/aktuelles/detailansicht/browse/2/article/249/schneider-d.html

Grüße vom Bodo


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Vor 70 Jahren Beginn der Euthanasie in Nazi-Deutschland

Erstellt von Bodo am 2. September 2010 – 19:33 -

Liebe Mitbetroffene und interessierte Leser,

aus aktuellem Anlass möchte ich auf ein Thema eingehen, das uns auch in heutiger Zeit noch zu Denken geben sollte und NIEMALS vergessen werden darf: Der Umgang der Mehrheitsgesellschaft in diesem Land mit Randgruppen, die entweder Ablehnung hervorrufen oder nicht so leistungsfähig für das “Bruttosozialprodukt” sind, sei es aus Krankheitsgründen oder sei es durch soziale Ursachen.

Im Wikipedia-Artikel über die Euthanasie kann man nachlesen, dass auf Erlass des Führers in den Jahren 1940 und 1941 insgesamt über SIEBZIGTAUSEND kranke und behinderte Menschen in folgenden Tötungsanstalten umgebracht wurden:

Grafeneck – 10.654 Menschen
Brandenburg – 9.772 Menschen
Bernburg – 8.601 Menschen
Hartheim – 18.269 Menschen
Sonnenstein – 13.720 Menschen
Hadamar – 10.072 Menschen

Die Begründung und “Legimitation” für diese Verbrechen: Man gewährt den “unheilbar Kranken” den Gnadentod (gefragt wurden sie natürlich nicht), man erhält den “Volkskörper” rein und gesund, und man entlastet die Gesellschaft – sprich: das deutsche Volk – von finanziellen und materiellen Aufwendungen, die doch völlig sinnlos für die “Arterhaltung der deutschen Rasse” sind. Leute, die keiner Arbeit nachgingen, kamen sowieso ins Konzentrationslager.

Erst durch Proteste, auch von vielen Geistlichen, wurde die Euthanasie-Aktion T4 offiziell eingestellt, dafür aber im Geheimen weitergeführt und nur die Tötungsart gewechselt: von Vergasen und Verbrennen auf Verhungern und Vergiften. Viele der Tötungs-”Fachkräfte” konnten ihren Job behalten, denn man brauchte qualifiziertes Personal in Auschwitz und anderswo … Wer sich dazu eine Videoserie ansehen möchte:

Vielen Dank für Ihr Interesse!
B.B.


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