Strafe muss sein!

Erstellt von Bodo am 10. März 2014 – 15:26 -

Beim Radiohören habe ich oft ein schlechtes Gewissen: Als märkisches Gewächs mache ich immer einen großen Bogen um unseren Heimatsender. Wie sagt man? Der Prophet gilt im eigenen Land nichts. Ich höre lieber Berlin 88,8 oder – wenn dort Werbung kommt – springe ich schnell auf den Berliner Rundfunk und umgekehrt. Zwischendurch bleibe ich mal beim Deutschlandradio hängen oder bei Radio MV; manchmal drehe in den Senderknopf bis zum Klassikradio, wenn mir danach ist. Mein Küchenradio ist wie gemacht dafür: klein, handlich, klarer Klang und mit einem Griff ist alles eingestellt. Nur, wie gesagt, bei Antenne Brandenburg wurde immer schnellstens weitergedreht.

Nun, am Aschermittwoch, ist es passiert: Mein kleines Küchenradio hat den Geist aufgegeben! Eigentlich nur das Senderstellrad. Der Plastestab hat die täglichen Drehmomente nicht mehr verkraftet. Was solls – denke ich mir – ich hab ja noch das Smartphone, mit der TuneIn-App, und da kann ich zehntausende Sender weltweit empfangen. Meine Favoriten sind auch schon abgespeichert (siehe oben), aber auch französische Popmusik oder Bayern2-Wissen kann man empfangen.

Nur – mit der Bedienung hapert’s ein bisschen. Drücken, wischen, tippen, wischen … puffern … und erst dann ist der Ton da. Beim Ausschalten das Gleiche: Nein, kein einfacher Schalter … drücken, wischen, tippen, Backtaste drücken; dann die Frage: “Wollen Sie wirklich beenden?” und nochmal auf OK tippen. Das nervt ungemein, wenn z.B. plötzlich das Telefon klingelt.

Also lieber zurück zum Küchenradio: Es spielt ja noch, zwar nur einen Sender, aber immerhin. Auch muss man es jetzt quer auf den Tisch stellen und die Antenne versperrt die halbe Küche … Mister Bean läßt grüßen! Aber das Radio spielt! Glück gehabt, daß das Rad genau auf einem Senderplatz kaputtgegangen ist und nicht auf Rauscheposition. Und dreimal dürfen Sie raten, welchen Festsender ich nun habe: Antenne Brandenburg!!! Will mir irgendwer damit etwas sagen? Nun werde ich wohl 7 Wochen lang Radiofasten mit dem Heimatsender machen, bis ich mir zu Ostern ein neues Küchenradio anschaffe …


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Und übrig bleibt nur ein Schuh …

Erstellt von Bodo am 28. Juli 2013 – 15:51 -

Das war wieder ein Berlin-Tag ganz nach meinem Geschmack! Über Bernau und Lichtenberg ging es in die Stadtmitte. Der U-Bahnhof Lichtenberg empfängt mich mit einem sattem Gelb, wie überhaupt die alten U-Bahnhöfe, jedenfalls die ganz alten, mit starken Farben aufwarten können. Und die Kacheln erst: blank spiegelnd in Rot, Orange, Taubengrün oder Türkis! Dazu die Treppenstufen von anno dazumal, ein merkwürdiger Beton mit kleinen Glitzersteinchen. Es sieht außerirdisch aus! Mit diesem Charme kommt der beste Neubau nicht annähernd mit.

Die U5 ist um halb Elf nicht besonders voll. Gegenüber eine Touristen-Familie, daneben eine Türkin mit Kleinkind, das erst schreien will, aber von dem bunten Bilderbuch schnell beruhigt wird. Die Touristen-Tochter lächelt das Baby an. Und die Türkin lächelt zurück.

Der U-Bahnof Alexanderplatz ist nichts für Klaustrophobiker: Hier kreuzen sich drei U-Bahn-Linien – mehrere Ebenen, ungezählte Ausgänge, eine verwirrende Struktur, die sich mir immer noch nicht ganz erschlossen hat. Jedenfalls schaffe ich es irgendwie ins Untergeschoß des S-Bahnhofes, der auch drei Ebenen hat: aber in die Höhe! Oben alles voller Touristen: viele junge Leute, die gerne überall ein Erinnerungsfoto schießen. Ich mach auch eins: vom Roten Rathaus durch die Scheiben des Riesenbahnhofes, daneben der blanke Betonturm des Telespargels, an dessen Füßen kräftig gebaut wird. Ringsherum um die klassische DDR-Architektur werden hässliche Geschosse gesetzt. So wird Berlin wieder um eine Bausünde reicher!

Die Wannsee-Bahn kommt und nimmt mich eine Station bis zum Hackeschen Markt. Die schirmbedachten Außenflächen der zahllosen Restaurants sind noch fast leer und ich hab auch noch eine viertel Stunde Zeit. Also mal wieder die Hackeschen Höfe anschauen … vorbei an einer geführten Besuchergruppe, amerikanischer Akzent. Zum Fotografieren ist das Licht in den Höfen extrem schwierig: Schatten und knallige Sonne, aber die gemusterten Kachelfronten sind zu schön!

Im zweiten Hof, der nicht mehr so prächtig ist: ein Bücher- und Ansichtskartenladen, und im vierten Hof ein schöner schattiger Baum vor heller Fassade, Foto zwecklos! Ich suche mir zwei Ansichtskarten aus: eine mit “Berlin tut gut”-Aufschrift auf der Mauer und die andere, eine historische Aufnahme von 1966: ein paar Westberliner Steppkes vor der Stacheldrahtmauer, daneben ein Milchgeschäft. Ich war damals genauso ein Berliner Steppke, nur auf der anderen Seite, der auch immer die Milch in einer Aluminium-Kanne geholt hat. Doch ich wurde verschleppt! Nicht von der Stasi, nein: meine Mutter nahm mich mit aufs Land, an die innerdeutsche Grenze des Bezirkes Magdeburg – ohne mich zu fragen, ohne zu überlegen, ob mir das gut tun würde. Ich war so ein aufgeweckter Junge aus Prenzlberg … aber wir schweifen ab!

Eine SMS sagt mir: “Ich komme etwas später …” Also schaue ich mir die Ansichtskarten drinnen auch an, eine große Auswahl an historischen Berlin-Aufnahmen, auf denen man sieht: damals sah es richtig schick aus! Der Verkäufer meinte auch: Berlin war vor dem Krieg eine ganz andere Stadt! Auf einem Tisch liegt ein besonderes Buch: ein Kaleidoskop der Psychologie. Darin blättere ich ein wenig, lese ein wenig, und denke mir: das wäre ein schönes Geschenk! Bloß der Preis … momentan nicht machbar. Aber ich merk‘s mir!

Zurück zum Hackeschen Markt sehe ich schon von weitem Andreas, der sich umschaut und gerade noch einmal eine SMS eintippen will. “Das brauchen’se nich mehr machen!” unterbreche ich ihn, und wir begrüßen uns herzlich. Wir kennen uns schon länger, über E-Mail und Telefon, aber zu einem Treffen ist es noch nicht gekommen. Über das “Geschäftliche” reden wir eigentlich nicht viel, sondern eher über unsere Frauen-Geschichten und wie es uns damit geht. Unterm Schirm sitzend nähern sich die ersten Spatzen, denn sie wissen genau: die Berliner und die Berliner Touristen lassen sie nicht im Stich! Ich schnappe mir das aufgeschnittene Baguette-Brot und gebe einen Krümel ab. Dafür bekam ich ein Spatzen-Foto!

Unter den Schirmen ist es jetzt richtig voll. Es beginnt die Mittagszeit. Wir laufen an der Alten Nationalgalerie vorbei, wo sich junge Berlin-Besucher vor prächtiger Kulisse ablichten, und schwenken zum Dom hinüber, wo ein Touri-Bus neben dem nächsten steht. Die Lustgarten-Wiese vorm Alten Museum ist gut besucht und zwei junge Damen kühlen ihre nackten Beine im Springbrunnen, auf den geschwungenen Steinplatten laufend.

Hier, gleich gegenüber der Schloß-Baustelle, stehen viele, viele Litfaß-Säulen, auf denen Portraits zu sehen sind, in Schwarz-Weiß. Frauen und Männer, die Berlin verließen, gegangen oder ermordet wurden, weil aus dem roten, intellektuellen Berlin 1933 das braune Berlin wurde. Unwiederbringliche Verluste für die Stadt Berlin und für Deutschland! Daran soll und muss erinnert werden …

Die Sonne knallt unbarmherzig am Deutschen Historischen Museum. Unter einem schattigen Baum wird eine Touristengruppe in Spanisch unterrichtet. Vorbei an der Humboldt-Uni wechseln wir dann die Straßenseite, am Alten Fritz vorbei, hinüber, auch in den Schatten. Hier, am Ostende der Straße „Unter den Linden“ gibt es einen tollen Foto-Blick! Die Uni und das Reiterstandbild linkerhand, in der Mitte das rechte Gebäude der Humboldt-Universitätdas und rechts im Bild das Historische Museum, der Dom und der Fernsehturm im Hintergrund: eine klassische Bildkomposition, die man in Berlin nicht so schnell ein zweites Mal findet. Übrigens: das Motiv fand ich in einem alten DDR-Bildband über Berlin. Es war nicht alles schlecht früher …

Wir müssen uns verabschieden: Andreas muss zur Arbeit, ich zu meiner nächsten Verabredung, und zwar am Gendarmenmarkt. Also, tschüssi, nett uns mal gesehen zu haben! Die Sonne knallt vom reinen blauen Himmel und es gibt in der Charlottenstraße um diese Uhrzeit einfach keinen Schatten. Na, ich hab ja meinen Tropenhut auf … Meine Aufmachung begeistert offenbar auch einen kleinen Jungen, der in einer Besuchergruppe meinen Weg kreuzt: Er kann den Blick gar nicht abwenden und dreht sich auch immer wieder nach mir um. Er denkt sich sicherlich: Oh, ein Berlin-Tourist, direkt aus dem australischen Dschungel entsprungen! … Na ja, fast, es ist der Brandenburger Kiefernwald. Das lassen wir mal gelten …

U-Bahnhof Stadtmitte: hier soll ich warten! Und zwar unten bei der Linie U2 in Fahrtrichtung, erster Waggon, 13 Uhr. Es ist noch zehn Minuten Zeit, also warten. Wieder so ein schöner alter U-Bahnhof! Kein Schnickschnack, satte Farben und die alten Stahlträger, mit riesenhaften Nieten verbunden. Das ist frühes 20. Jahrhundert pur, der charmante Beginn der Moderne!

Eine U-Bahn kommt, und noch eine, und noch eine … Kim ist erst in der fünften U-Bahn drin. Freudestrahlend steigt sie aus den zweiten Waggon und kommt mir entgegen: Alles in Ordnung? Dann mal los! Und zwar hoch zum Gendarmenmarkt. Ich freue mich wie ein Kind, dass ich es mal geschafft habe, sie aus ihrem Charlottenburg herauszulocken. Aber eigentlich habe nicht ich die Lorbeeren verdient, sondern die Monatskarte der BVG, die Kim von ihrem Bruder geliehen bekam. Mit so einem Ding kann man Berlin schon unsicher machen, wa?

Hinauf auf den Französischen Dom geht gerade nicht, schade. Das wäre ein toller Panoramablick gewesen, den sie noch nicht kennt. Aber im Schatten, im Café ist’s auch nicht schlecht. Ein Klarinettenspieler macht Straßenmusik, Melodien der 50er Jahre. Zwei Kaffee, zwei Kuchen … und der nächste Spatz ist nicht weit. Kim macht mich darauf aufmerksam, dass es eine SIE ist. Natürlich, die Männchen sind viel intensiver gemustert. Jedenfalls wird unsere Spatzendame immer frecher, bis sie auf dem Tisch direkt neben der Kaffeetasse logiert. Nun ja, für ein Foto, aber dann: kusch, kusch, weg mit dir, du freches Ding! Kuchen wäre bestimmt nicht gut für Spatzen, meint Kim. Ich mache mir da keine Sorgen: Dann wären die Berliner Spatzen bestimmt schon ausgestorben, wenn sie keinen Kuchen vertrügen …

Wir wollen bezahlen, und unsere Rechnung ist auf einmal doppelt so teuer! Und Bier und Würstchen sollen wir verspeist haben! Der junge Kellner bekommt einen Riesenschreck, dreht sich um, und erwischt gerade noch die Gäste, die eigentlich unsere Kaffee-und-Kuchen-Rechnung bezahlt haben. Sie waren schon im Aufbruch, hatten aber ein Einsehen und bezahlten die Differenz, so dass der arme Mann heute nicht draufzahlen musste. Der Kaffee war gut, der Kuchen dafür weniger …

Ich muss los zu meinem nächsten Termin (Berlin will ausgenutzt werden!) und so schlendern wir noch ein bisschen durchs edelmarmorierte Quartier 206. Aber hier sind kaum kaufwütige Besucher. Die sind eher im neuen ALEXA oder in der Galeria, oder natürlich im KaDeWe, wo sonst? Hier unten, in dieser unterirdischen Passage, habe ich vor Jahren unsere Noch-nicht-Bundeskanzlerin gesehen, im Zurückblicken, nachdem man mich auf die unscheinbare Dame aufmerksam gemacht hatte. Eins muss man ihr lassen: Die Frau Merkel lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen! Taktik bis in die letzte Synapse …

Wir umarmen uns, und Kim nimmt die U2, and I the U6. “The U6 is over there, you will see that!” habe ich schon vorhin zu einer englischen Lady gesagt, die mich um Rat fragte. Der U-Bahnhof Stadtmitte ist Kinderkram gegen den Alex …

Die U6 bringt mich nach Tempelhof und ich darf in ihr die schönen neuen geformten U-Bahnsitze ausprobieren, die vor zwei Jahren in einer großen Fahrgast-Befragung gewonnen haben. Geschwungenes Plastik, graffity- und vandalismusresistent!

Oben auf dem S-Bahnhof ist es brütend heiß, wohl 32 Grad im Schatten! Und in der S-Bahn ist gleich richtige Sauna! Nochmal umsteigen in Hermannstraße, und dann ab mit der KWer Richtung Adlershof. Dort ausgestiegen nehme ich gar nicht erst den Bus: erstens immer proppevoll, und zweitens wäre das die nächste Sauna! In 5 Minuten bin ich zu Fuß beim Ärztehaus und heiß scheint die Sonne auf den vertrockneten Rasen des Studiogeländes. In den Wäldern rings um Berlin wird heute die höchste Waldbrand-Gefahrenstufe ausgerufen … Total verschwitzt komme ich die schön kühle Praxis und mache mich erstmal in der Toilette frisch. Außerdem kann ich meine Wasserflasche auffüllen, kostbares Naß!

Mein Doc rät mir davon ab, ein anderes Mittel auszuprobieren. Auch Andreas sagte mir am Vormittag: “Never change a running system!” Das weiß ich nur zu gut, als Software-Ingenieur … Mein Betriebssystem soll stabil weiterlaufen und bitte auch kein “Service-Pack 3″ mehr. Das nervt! Ich weiß genau, wenn‘s mal kritisch wird, ein … zwei Pillen eingeworfen und der gedankliche Absturz bzw. Höhenflug ist unterbrochen. So als ob es jetzt im Wald regnen würde, schöner Landregen … dann brennt‘s auch nicht mehr, sondern die Pilze wachsen!

Ich bekomme mein chronisches Attest für die Krankenkasse und mein Rezept und wünsche dem Doc einen schönen Urlaub. Ach, er bleibt nur im Garten, sagt er. Dort ist es auch schön! Schön ist auch der Schatten auf dem S-Bahnhof. Und ein kleiner Luftzug geht, hier in Adlershof eigentlich immer, so wie der Bahnhof in den Himmel gebaut ist …

In der S-Bahn wieder Sauna, aber nur auf kleiner Stufe. Ich freue mich aufs Kino. Denn anstatt bei Mordstemperaturen den Heimweg anzusteuern, möchte ich jetzt Mordsspaß mit 3D! Noch ein Snack in der Schönhauser Allee und ab geht‘s ins COLOSSEUM-Kino. Die junge Frau an der Kasse heißt Ms. Verständnis. Ein schöner Name wie ich finde. Findet sie auch! Was die Arbeitgeber nicht alles mit einem anstellen …

Das Mordsspektakel beginnt, und die Thematik ist schnell erfasst: Aus den Untiefen des Pazifiks kommen riesenhafte Monsterdrachen, die Kaiju, die nur mit ebenso riesenhaften Maschinenkämpfern, den “Jaegern”, gestoppt werden können, in denen zwei Menschen-Piloten per Gehirnkopplung, dem Drift, die Steuerung des Ungetüms übernehmen. Natürlich geht einiges schief: zuviel Mitleid, zuviel Haß, zuviel Neugier, zuviel Verstrahlung, zuviel Erinnerung, zuviel Liebe, zuviel Skrupellosigkeit. Asiatische Hochhäuser werden im Minuten-Takt pulverisiert und ein JAEGER nach dem anderen gibt den Geist auf. Doch im Showdown siegen die Kämpfer mit Herz und Todesverachtung gegen die kaltblütigen Aliens aus der Tiefe, natürlich mit der genre-üblichen Pointe des finalen Overkills. Und vom fiesem Schurken bleibt nur der goldene Schuh übrig …

Aber es war ein Mordsspaß! Und Herz-Schmerz war auch dabei … Wenn die riesenhaften Maschinenkämpfer die Ungeheuer in die Mangel nahmen: hier, nimm dies, nimm das – dann zuckte ich richtig im Kinosessel mit, um meine persönlichen Monster gleich mit fertigzumachen. Eigentlich eine hervorragende Therapie … So ein moderner Science-Fiction-Godzilla-Film ist nicht zu verachten! PACIFIC RIM 3D.

Nach dem Kino war es schon abends und die Temperaturen waren wieder passabel. Runter auf den Ring, eine Station bis Gesundbrunnen, und auf den Zug warten … Ich sehe eine junge Frau sitzen, ein Buch lesend, und mein Herz beginnt zu schmerzen: Sie sieht aus wie meine Frau, meine Noch-Frau! Dasselbe Grün, dieselbe Frisur, fast dasselbe Gesicht!  … Ich habe keinen Kontakt mehr zu meiner Frau, es wird zur Scheidung kommen …

Ein arg hinkender Obdachsloser spricht mich an, um eine mildtätige Gabe. Ich krame in der Hosentasche nach Kleingeld und habe nur ein Zehn-Cent-Stück und ein Zwei-EUR-Stück. Was soll‘s? Ich gebe ihm die zwei Euro und habe dafür ein nettes Gespräch über das Leben als Obdachloser in Berlin. Hier jedenfalls, in Berlin, wird man nicht weggejagt, nicht ständig kontrolliert, man kann bei der Kirche schlafen, wird medizinisch versorgt, zur Not von der Bundeswehr und auch in der S-Bahn wird man in Ruhe gelassen. Wovon lebt er? Von milden Gaben und von Plaste-Pfandflaschen aus Abfalleimern. Die wiegen nicht viel und mit einem Beutel voll hat man schon sein Essen zusammen … Bye, bye Mr. Schwabe in Berlin …

Mein Zug kommt, und es geht ab in den brandenburgischen Kiefernwald-Dschungel …

 

Montag, 22. Juli 2013

 

Lichtenberg Alexanderplatz

Berlin-Motiv Unter den Linden

Stadtmitte

Berliner Spatz Neue SitzeColosseum-Kino

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Ein sächsischer Traum

Erstellt von Bodo am 7. Mai 2013 – 05:45 -

Lange war ich nicht mehr in Dresden, der großen Metropole im Oberen Elbtal. Dem Elbflorenz des Ostens. Wie sehnte ich mich danach, wieder das “Nuh!” zu hören. Man kann es eigentlich nicht übersetzen. Es ist mehr eine seelische Schwingung, ein Gefühl der Bestätigung. Dieses Wort gibt der ostsächsischen Seele eine Wärme und Unschuld. Selbst die Buchstaben geben den Klang kaum wieder. Das Sächsische bräuchte eigentlich ein eigenes Alphabet.

Die alten Häuser der Uni sind wie eh und je. Als ob die Zeit stehengeblieben wäre. Aber im Süden und Westen wurde groß gebaut. Mehr geklotzt als gekleckert: eine moderne Bibliothek, neue Institutsgebäude aus Stahl und Glas; und die Wohnheime: hochglanzsaniert. Erinnerungen aus langer Zeit kommen hoch. Die TU war schon immer etwas Besonderes. Nicht nur für Dresden, für das ganze Land!

Das alte Stadtzentrum an der Elbe ist eine wahre Pracht geworden. Und das steinerne Juwel ragt hoch in den Himmel: die Frauenkirche! Viele neue schmucke Häuser umrahmen das Gotteshaus und den weiten Platz. Pferdekutschen und Gespanne an jeder Ecke. Touristen aus aller Herren Länder, die das Geld in die Stadt bringen. Manchem Dresdner ist es schon etwas zuviel Trubel, er war jahrzehntelang eher Beschaulichkeit gewohnt. Aber dann fährt er mit einer der vielen Straßenbahnen zurück in seinen Stadtteil: nach Strehlen oder nach Löbtau, nach Prohlis oder nach Coschütz, und genießt ein weitgehend touristenfreies Leben.

Auf dem Friedhof ist es ruhig. Ich muss ein bisschen suchen. Aber, da ist es! Ein schönes Grab. Und von mir drei Rosen dazu: zwei weiße und eine rote. Sie hat es schön hier! Kann sie von oben zuschauen? Hört sie meine Worte? Sieht sie meine Tränen? Aber eigentlich, denk ich mir, habe ich sie mit jedem Atemzug in mir. In meinem Herzen sowieso.

Beim Konzert kamen wieder die Tränen. Bläserensemble und Chor, von und mit Herrn Güttler. Sehr schön, und in dieser Kirche sowieso. Man braucht einen Abschied. Gerne hätte ich sie wiedergesehen. Nur für ein paar Worte und Augenblicke. Versäumt. Verdrängt. Vorbei.

Sie war bestimmt glücklich hier in Dresden. Und freier als zu Hause in diesem kleinen Ort der Lausitz, wo sie herkam. Früher konnte man nicht so einfach weg, alles aufgeben. Man hatte zwar Arbeit, aber man war gebunden, um nicht zu sagen eingesperrt. Ich wollte nicht in diesem Ort eingesperrt sein, ich wollte frei sein. Ich wollte zurück in mein Berlin. Habe verdrängt und wollte vergessen. Ungelebtes Leben, ungelebte Liebe.

Ist es müßig, darüber nachzudenken? War es richtig? War es Schuld? Egal: Abschied ist ein scharfes Schwert, heißt es in einem Lied. So ist es! Man muss seine Trauer abarbeiten. Man muss ihr Raum geben. Kopf hoch, Blick nach vorn – sagen andere. Ja. Gut. Doch wenn man nur nach vorn schaut, will man etwas bekommen, etwas erreichen. Doch man hat ja schon soviel! Man kennt oft gar nicht seinen Reichtum, den man in sich trägt. Den Reichtum der Seele und der Erinnerung …

Muss man seine Erinnerungen loslassen können? Muss man müssen? Man muss gar nichts! Dresden hat mir jetzt und heute so gut getan: Ich saß um fünf Uhr in der Morgenfrühe auf den Höhen am südlichen Stadtrand, und die Stadt im Tal erwachte, und der leichte Nebel entschwand aus dem Altstadt-Panorama … Das ist Poesie!

Überhaupt, das sage ich jetzt mal und behaupte es: Dresden hat das poetischste Zentrum einer deutschen Großstadt. Wie gemalt, wie komponiert! Da fragt man sich unwillkürlich: Hat Canaletto Dresden gemalt, oder wurde Dresden nach Canaletto gebaut? Und das Altmarktfest im Frühling und Herbst ist um Längen charmanter als das überfüllte Oktoberfest in München. Dresden brummt zwar in finanzieller Hinsicht, aber die sächsische Gemütlichkeit … die ist nicht totzukriegen!

Du bist bei mir.

Frühling Dresden-Panorama

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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50 Wörter für Schnee

Erstellt von Bodo am 7. April 2013 – 09:14 -

Nach diesem Winter können wir, glaube ich, für den Rest des Jahres keinen Schnee mehr sehen. Zu lange war er unser Begleiter auf Straßen und Plätzen, in Wiesen und Wäldern. Selbst die Zugvögel konnten wahrscheinlich gut auf diesen Nach-Winter verzichten, mussten sie doch für gut 4 Wochen wieder umdrehen und wärmere Gefilde aufsuchen.

Das konnten wir immobilierten Erdbewohner nicht und waren auf Gaslieferungen aus Russland angewiesen. Damit unsere Wohnungen nicht schimmeln. Wer draußen gefroren hat, war selbst schuld. Dafür gibt es ja Mäntel, Jacken, Schals, Handschuhe und Mützen. Aber, welcher Deutsche setzt schon eine Mütze auf? Erstens sieht man damit aus wie ein Depp; und zweitens, besonders bei den Damen, ist dann die ganze schöne, in Stunden hintoupierte Frisur im A… Also friert lieber die Birne ein. Wie sollen die Deutschen da warme Gedanken bekommen?

Jedenfalls haben wir etwas gelernt. Wir können jetzt, wie die Inuit, 50 Arten von Schnee unterscheiden. Nun brauchen wir nur noch Wörter dafür! Wir haben sie längst …

Hier eine Aufstellung:

SCHNEE in der Luft:

(1) vereinzelte Schneeflocken
(2) es schneit
(3) dichtes Treiben
(4) Schneesturm
(5) Schneegriesel
(6) dicke Flocken
(7) Schneeregen

SCHNEE auf den Pflanzen

(8) Raureif
(9) Schneebruch
(10) Winter Wonderland

SCHNEE auf dem Boden

(11) überzuckert
(12) Neuschnee
(13) Tiefschnee
(14) Schneewehe
(15) Schneechaos
(16) Schneematsch
(17) Nasser Schnee
(18) Pappschnee
(19) Verhärteter Schnee
(20) Schneemehl

SCHNEE im Wintersport

(21) Schneebrett
(22) Lawine
(23) Schnee-Garantie (bis in den Mai)
(24) Schnee-Kanonen-Schnee
(25) Schneeloipe
(26) Schneehang
(27) Pulverschnee

SCHNEE im Frühling

(28) Schneehaufen
(29) Schneereste
(30) Schneeflecken
(31) Schneeglöckchen
(32) Glasschnee
(33) Schattenschnee

verschmutzter SCHNEE

(34) dreckiger Haufen
(35) Sommersprossenschnee
(36) Streuselkuchenschnee
(37) Schmutzschnee
(38) Ascheschnee
(39) Schwefelschnee (DDR)
(40) Rußschnee

SCHNEE in der Literatur und Kunst

(41) Schneeweißchen und Rosenrot
(42) Schneekönigin
(43) sich freuen wie ein Schneekönig
(44) Frau Holle
(45) Snegurotschka (Russland)
(46) Schneekristall
(47) Schnee-Skulptur
(48) Schnee-Festival
(49) Schneewittchen

und schlussendlich:

(50) Iglu

Somit brauchen wir uns Mitteleuropäer mit unseren Schnee-Erfahrungen gar nicht hinter dem Berg verstecken. Vielleicht finden Sie, lieber Leser, noch weitere Wörter für Schnee? Sie können gerne hier kommentieren …

Frühlingsgrüße vom Bodo

 

Dreckiger Schneehaufen

Das kann bitte weg …

 

 

 


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Freitag mit Hindernissen

Erstellt von Bodo am 22. März 2013 – 21:29 -

Laute Bohrgeräusche wecken mich. Im Nachbar-Aufgang wird eine Wohnung für einen neuen Mieter hergerichtet. Neues Bad, neue Elektro-Installation. Den Maler kenne ich schon. Er hat meine Wohnung auch schön hergerichtet. Alles hübsch geworden.

Die Butter ist alle. Nur noch ein klitzekleiner Rest ist in der Dose. Auch gut. Zu Nutella braucht man nun wirklich keine Butter! Überhaupt ißt man viel zu viel Butter. Wenn man mal eine Woche die Butter weglässt, ist der Bauch gleich merklich kleiner. Das ist kein Witz! Der ultimative Diät-Tipp: einfach die Butter weglassen …

Nach dem Frühstück will ich die Deutsche Bank anrufen. Der Kredit ist vorfristig zurückgezahlt, sogar mit Überzahlung, nun will ich den Rest zurück. Bei jeder anderen Bank kein Problem. Nur nicht bei der Deutschen: Eine Dame: “Ich muss Sie an Hand der Adressdaten verifizieren. Sind Sie damit einverstanden, dass dieses Gespräch aufgezeichnet wird?” Ich sage, meinetwegen … “Sind Sie damit einverstanden, dass dieses Gespräch zu Kontrollzwecken aufgezeichnet wird? Sagen Sie JA oder NEIN!” Ich tue ihr den Gefallen und sage: Ja.

“Sind Sie damit einverstanden, dass Sie an Hand Ihrer Adressdaten verifiziert werden? Sagen Sie JA oder NEIN!” Ich antworte erbost, was denn dieser ganze Unsinn soll. “Antworten Sie mit JA oder NEIN!” Jetzt habe ich die Schnauze voll und sage “NEIN!” Die Dame: Tut mir leid, dann kann ich Ihnen nicht weiterhelfen. Und ich: “Schönen Dank! Auf Wiederhören!”

Ich rufe eine zentrale Hotline dieses Geld-Instituts an und schildere mein Anliegen. Plötzlich ohne JA-NEIN-Masche. Die Dame sagte, ja, das könnten nur die Kollegen vor Ort klären und sie versteht meinen Ärger. Und gibt mir noch eine Hotline-Nummer aus Frankfurt am Main. Dort soll die Zentralstelle der Kreditvergabe sein.

Die neue Dame lacht noch beim Abheben … aber nicht mehr lange: “Für den Frühling können Sie nicht sorgen?” versuche ich auch in Stimmung zu kommen. Nein, das könne sie leider nicht. Dann möge sie doch dafür sorgen, dass ich mein überzahltes Geld zurückbekomme. “Tut mir leid, dazu müssen Sie sich ausweisen. Am besten gehen Sie in eine DEUTSCHE-BANK-Filiale und tragen Ihr Anliegen vor.” Ich werde langsam ungeduldig: Wenn ich dort in der Filiale bin, sagt die Angestellte, sie wäre nicht zuständig und ich solle ein formlosen Schreiben an die Filiale schicken, die den Kredit bearbeitet hat.

“Und außerdem haben Sie alle meine Informationen: Sie haben meine Adresse, meine Konto-Nummer – wieso zahlen Sie den Rest nicht einfach zurück?” Die Dame hat wieder eine Ausrede: “Das wird alles automatisch bearbeitet und erst am Ende des Monats abgerechnet.” Na toll! Und in der Zwischenzeit spekuliert man wohl mit meinem Geld auf dem Lebensmittel-Weltmarkt? Ich bedanke mich jetzt, weil ich einfach keine Lust mehr auf DEUTSCHE BANK habe: “Vielen Dank für Ihren Service! Ihr Haus kann man wirklich nicht empfehlen!”

Und damit verplempert man nun kostbare 20 Minuten seines Lebens! Dafür ist nun die Waschmaschine bald fertig, sie schleudert gerade. Wäscheständer aufstellen, und dann die weiße Wäsche aufhängen. Ich habe einen Trick, wie die Handtücher auch ohne Trockner schön weich werden: Vorm Aufhängen die Tücher richtig heftig mit der Hand herumschleudern, und nach einer Stunde das Ganze nochmal. Bevor sie trocken sind. Funktioniert! Dann sind die Handtücher zwar nicht so superflauschig wie beim Trockner, aber auch nicht mehr so kratzbürstig hart.

Die Zwiebel liegt schon seit 2 Monaten in der Ecke. Also muss sie heute dran glauben! Für Penne mit Tomatenstückchen. Einiges muss man wegschneiden, aber noch zu gebrauchen. Die Zwiebel brutzelt mit Salami-Würfeln im Fett, dann die Tomaten rauf und dann das Ganze auf die Nudeln. Fertig und satt!

Mittagsschlaf.

Dann mit dem Bus in die Stadt: Der Fahrer hat’s eilig! Auf ihn wartet der Feierabend, wie man später sieht. Er wird abgelöst. So ein Feierabend kann nicht schnell genug kommen, zumal am Freitag! Da kann schon mal eine Oma längs im Bus hinschlagen! Alles schon passiert … Dann ist natürlich die Technik schuld: Mit so einem Bus kann man nur sportlich fahren! Das liegt am Drehmoment! Komisch: die Frauen können besser fahren.

Beim Bäcker nehme ich zwei Spritzkuchen mit. Fürs Kaffeetrinken. Mutter hat heute wieder ihren Meckertag: Nichts macht man richtig: “Du weißt genau, daß Du die Bäckertüten nicht zusammenknüllen sollst. Die brauche ich doch noch! Das machst Du mit Absicht!” Schöne Unterhaltung … Eigentlich wollte ich einen Kaktus mitnehmen, den Mutter nicht mehr braucht. Aber mir gefällt keiner. “Jetzt habe ich diesen Trieb extra für Dich abgeschnitten, und nun willst Du ihn nicht!” Man macht immer alles falsch! Mal ein Lob? Fehlanzeige!

Dafür darf ich Schnee schippen. Für den Stiefvater, dem man es auch nicht Recht machen kann.

Beim Blumenladen gibt’s nur Blümchen-Töpfe, keine Kakteen. Mit dem Bus geht’s zurück nach Westen. Aussteigen beim Baumarkt: Hier gibt es ganz kleine süße Kaktusse! Nur 1,69 EUR. Ich suche mir einen Winzling aus. Ab damit zur Kasse! Der Kaktus ist für den Kassen-Scanner zu klein. Ich meine, den gibt es sicher gratis. Das wird freundlich verneint. Eine junge Verkäuferin wird gerade angelernt und hat gleich einen Problemfall! Nummer eingeben funktioniert auch nicht. Anrufen. Besetzt! Eine dritte Kollegin wird mit dem winzigen Kaktus in die Pflanzenabteilung zurückgeschickt …

An der Kasse bildet sich schon eine lange Schlange. Ich entschuldige mich bei den Kunden: “Tut mir leid, ich wollte nur einen kleinen grünen Kaktus kaufen …” Der Nächste wird derweil abkassiert. Dann kommt ein Anruf rein, eine Nummer wird durchgesagt und aufgeschrieben. Die dann wieder in den Kassen-Computer getippt, und: Bingo! Es ist mein Preis! Ich darf also bezahlen. Doch wo ist mein Kaktus? Ach, da kommt die dritte Kollegin zurück aus der Blumenhalle, mit meinem Stachelgewächs. So ein Aufwand um einen kleinen grünen Kaktus!

Der Mini-Kaktus steht jetzt am Treppenhaus-Fenster. Und macht die Betonburg etwas gemütlicher …

 

22. März 2013

 

 

 


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Mein Traum letzte Nacht

Erstellt von Bodo am 19. März 2013 – 09:31 -

Draußen schneit es ununterbrochen und übermorgen ist Frühlingsanfang! Ich habe nachts das Fenster geschlossen, damit es nicht so kalt hereinzieht.

Erste Szene:
Ich habe etwas Kratzendes und Scharfes im Mund. Eine Rasierklinge! Sie ist tief hinten in der Kehle und man bekommt sie nicht herausgezogen.

Zweite Szene:
Ein Stadtteil. Ein Haus. Ein Wohnzimmer. Eher ein Büro. Nein, eher eine Kontrollzentrale. Mit Hebeln, Schaltern und Bildschirmen. Unterhaltung mit Kollegen. Ein Kollege wird bösartig und versucht die ganze Station, das ganze Zimmer, das ganze Haus durch Betätigung eines Hebels zu entführen. Mit der Kraft seines (eisernen) Armes hält er den Beschleunigungshebel fest. Es kann auch eine gedankliche oder emotionale Richtung sein, denn man sieht nicht, daß sich das Zimmer bewegen würde. Ein anderer Kollege bleibt alldessen gelassen, fasst an ein Steuerrad und hält es fest. Dadurch kann der böse Kollege sich zwar etwas entfernen, aber wie durch ein Gummiseil wird er, wird das ganze Büro, immer wieder zurückgeschnellt an seinen Ausgangspunkt. Der abtrünnige Kollege versucht es ein paar Mal noch, aber das starke Gummiseil macht ihm schmerzhaft klar, dass es zwecklos ist. Er gibt schließlich auf.

Ich wache auf, gehe auf Toilette, trinke etwas, weil die Kehle kratzt und der Mund trocken ist. Dann kippe ich das Fenster, damit frische kühlere Luft hineinkommt. Nun, das ging schon fast Richtung Alptraum!

Dritte Szene:
Ein Grundstück. Ein Garten. Ein Haus mit Dachboden. Auf dem Dachboden ist es dunkel. Verschiedene Abteile, aber allzuviel liegt nicht herum. Eine Leiter zur Dachluke. Ich klettere hinauf. Zwei helle Sterne gehen am Horizont auf. Es müssen Planeten sein. Venus und Jupiter? Nein, es ist etwas anderes: Die hellen Punkte gehören zu einem Verkehrs-Leitpfeil. Jetzt sehe ich ihn vollständig. Er zeigt nach links oben. Ich will ihn fotografieren und hole meine Kamera. Aber es ist mittlerweile schon hell geworden und im Zoom sehe ich nur in der Ferne eine Autobahn, daneben ein Kirchturm, und rechts am Fahrbahnrand kann man auf dem Grünstreifen noch den Pfeil erkennen, der schon ausgeschaltet worden ist.

Vierte Szene:
Eine Party. Ein Konzert. Jedenfalls viele Menschen. Ich gehöre zur Crew und muss die Eintrittskarten kontrollieren. Oder für Sicherheit sorgen. Eine Tür ist auf, die nicht auf sein darf! Schon wollen sich übergewichtige junge Mädchen durch die Tür quetschen. Ich schiebe sie wieder hinaus und schließe die Tür. Mit Gewalt. Die Riegel müssen noch einrasten! Sonst geht die Tür wieder auf. So … das ist geschafft!

Traumszenen am Morgen des 19. März. Es müsste eigentlich Frühling sein, aber draußen liegen 10 Zentimeter Neuschnee.

Bodo Bodenstein

 


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Beutel, Teufel und Beziehungswahn

Erstellt von Bodo am 19. Januar 2013 – 17:44 -

Komisch. Schon wieder fahr ich mit dem ODEG-Schienenbus rein ins Berliner Dorf. Ist einfach bequemer als der volle Regionalexpress.

Am Bahnhof steht ein kleines blondes Mädchen, na ja, junge Frau … und raucht sich eins. Im Zug setzt sich genau diese junge Frau schräg mir gegenüber ins Abteil. Sie hat Tatoos am Hals und an den Händen. Und wer weiß, wo noch überall. Ein kleines schlankes tätowiertes Räuchermädchen! Aber sie hat schöne Augen. Und liest einen dicken Schmöker: John Irving.

Um sie nicht zu sehr anzustarren, schaue ich mir den schönen verschneiten Winterwald an, durch den der Zug braust. Eine schöne Landschaft! Die kahlen Laubbäume, aber auch die Nadelbäume sehen mit Schnee bedeckt viel besser aus. So muss Winter sein!

Nach Bernau wird die Landschaft urbaner: Erst die Vorort-Siedlungen mit den Villen und Einfamilienhäusern und später dann der Schock der Moderne: Plattenbauten bis zum Horizont. Aber die Wohnungen sind wieder begehrt. Denn in der Innenstadt können nur noch Reiche wohnen.

Diesmal fahr ich doch bis Lichtenberg. Der Bahnhof ist echt zum Gruseln. Und das war mal der wichtigste DDR-Fernbahnhof! Jedenfalls, wenn man nach Berlin wollte. Der Leipziger oder der Dresdner Hauptbahnhof sind Paläste dagegen. Im Untergeschoss müsste noch die Toilette sein. Richtig. Aber mit eisener Drehtür gesichert, als gelte es einen terroristischen Anschlag abzuwehren. Das ist Service, wenn man sich in die Hosen macht! Der Putzmann hat ein Herz und lässt mich nach meinem Schimpfanfall an der Seite rein, obwohl mir 40 Cent zu dem 1-EUR-Preis fehlen. Es gibt noch gute Menschen!

Im Obergeschoss laufen zwei Polizisten rum und schauen nach dem Rechten. Oder nach den Rechten. Die Gegend ist bekannt dafür. Wenigstens gibt es einen ROSSMANN. Und eine kleine Schorle für 59 Cent.

Die S-Bahn zuckelt über Ostkreuz. Mal aussteigen und gucken. Hier ist ja immer noch Baustelle: Die Ringbahnhalle ist schon fertig, aber völlig überdimensioniert. Kein Charme mehr von früher! Unten noch die provisorischen Überführungen. Mal sehen, ob Ostkreuz noch vor dem BER-Flughafen fertig wird. Kommt drauf an, wer am besten schlampen kann …

Vorbei an der großen O2-World, wo so gut wie jedes wichtige Konzert gegeben wird. Natürlich keine klassische Musik! Eher so was wie PUHDYS oder noch besser: SILBERMOND! Oder COLDPLAY. Oder Eishockey.

Ein junger Mann fragt mich nach der Station Friedrichstraße. Ist noch nicht so weit, sage ich, ich steige dort auch aus! Das Untergeschoss des selbigen Bahnhof ist komplett eingerüstet. Warum? Wieder Pfusch am Bau: Runterfallende Betonteile hätten beinahe eine Frau erschlagen. So muss wieder nachgebessert werden.

Draußen ein Denkmal: Deutsche Geschichte, die noch gar nicht so lange her ist. Die Deportation, die Verschleppung und der Abtransport der Berliner jüdischen Bevölkerung. Schöne Bronzefiguren. Eine Rose liegt auf den Armen. Leider schon verwelkt.

Es schneit in der Friedrichstraße. Auf dem Weg zum DUSSMANN herrscht ein babylonisches Stimmengewirr: Amerikanischer Akzent, Spanisch, Französisch, Japanisch. Hier ist das Herz der Stadt und das der ausländischen Gäste. Berlin ist der neue Liebling im weltweiten Städte-Tourismus. Hotels schießen an jeder Ecke aus dem Boden, wie Pilze in einem feuchtwarmen Herbst. Berlin ist immer noch sexy!

Wahnsinn! DUSSMANN hat mein Buch! Zwar recht eigensinnig einsortiert, aber sie haben es im Programm! Zwischen “Borderline” und “Stress”. Das muss dokumentiert werden … Dieser Buchtempel hat übrigens alles: eine Auswahl an Büchern, die keine Wünsche offen lässt. Ein Buch über die TREUHAND-Verbrechen in der 90ern lächelt mich an. Aber ich hab noch Schmökerstoff zu Hause auf dem Sofa. Das nächste Mal …

Das WC ist ganz oben. Und überhaupt nicht vergittert. Ein flinker gläserner Fahrstuhl bringt mich hoch und wieder runter. Ich muss los zu meiner Verabredung! Zurück über den rötlichen Marmor-Fußweg vorm DUSSMANN zur Station Friedrichstraße. Menschen über Menschen. Berlin wuselt und wuselt. Schön!

In der S-Bahn schütteln junge Frauen kleine Beutelchen in ihren Händen. Die Dinger sollen wohl irgendwie warm werden. Wegen der kalten Hände! Am Bahnhof ZOO steigen sie aus. Ich muss hier auch raus. Draußen ein neuer Anblick: Das neue Waldorf-Astoria, ein Hochhaus-Hotel der Luxusklasse mitten im Herzen der Westcity. Berlin goes New York City. Beziehungsweise andersherum. Natürlich nur für Gäste mit dickerem Geldbeutel. Ob man sich als Normal-Sterblicher das Marmor-Foyer im Art-Deco-Stil mal anschauen kann? Das wird wohl der Portier entscheiden …

Der Eingang zur U-Bahn ist auch ne Baustelle. Ich bin leicht irritiert. Ein Mann, der offenbar seine besten Jahre hier am ZOO verbrachte, will mir helfen. Vielen Dank! Ich weiß wieder Bescheid und nehme den U-Bahn-Eingang in der Bahnhofshalle. Da kommt sie, die gelbe Berliner U-Bahn. Voll isses! Nur eine Station bis Ernst-Reuter-Platz. Dann steigen auch die meisten wieder aus. Uni-Gebiet.

Wo iss’n nun dat SCHWEINSKE? Ich bin schon fast zu spät. Der Platz ist riesig. Bin ich nun auf der richtigen Seite? Ich dreh mich ein bisschen rum und entdecke das Schweinske-Banner auf einem Baugerüst. Und davor steht meine Verabredung: Kim raucht sich eine. Winke winke!

Drinnen ist es ganz gemütlich. Leider reicht mein Geld nur “für den kleinen Hunger”. Auf dem Weg hierher war leider noch keine Sparkasse. Kim spendiert mir einen Euro. Damit reichts für ein Teller Geschnetzeltes. Sie nimmt Currywurst mit Pommes. Eben eine echte Berlinerin! Ich bin etwas neidisch, aber sie mag nicht tauschen … Spaß muss sein.

Wir quatschen über dies und das. Kims Haare sehen gut aus! Ein Student kommt wieder; er vergaß seinen Schirm am Nachbartisch. Der sah auch gut aus! Der wäre was für Kim … Darf sie ruhig sagen. Wir beschließen noch einen kleinen Spaziergang und bezahlen.

Der Park sieht im Winter schön aus. Aber die Wohnungen hier sind kaum zu bezahlen. Zwei eingepackte Hunde. Eine Joggerin. Wir laufen über weiß-glatte Wege zum See. Ein schönes Foto-Motiv! Und noch eines. Es gibt lauschige Vogelfütterplätze. Eine kleine Kohlmeise lässt Kim ganz nah zu sich heran. Na, sie kennt sich eben aus mit Meisen … die Kim!

Am Parkausgang steht ein hässlicher Seniorenwohnungs-Bunker. Sieht aus wie ein Ozeandampfer. Dazu fällt mir ein Spruch ein. Aus dem Radio, Worte zur Nacht: “Amateure haben die Arche Noah gebaut. Und Profis die Titanic.” Ja ja, den BER-Flughafen bauen auch Profis. Angeblich. “Aber der Bauplan zur Arche Noah war von Gott!” Da konnte ja nix schiefgehen …

Kim meint, Religion ist schon irgendwie wichtig. Und es gebe bestimmt einen Teufel. Zum Teufel, warum geht diese Oma vor uns jetzt bei Rot über die Straße? Hier passiert viel, an diesem Übergang. Wir gehen in ein kleines Café. Ja, Religion ist wichtig … es ist egal, wenn man an Gott glaubt, ob es einen Gott nun wirklich gibt und wie er aussieht. Hauptsache man hat eine Beziehung. Zu ihm.

Haha – ein Beziehungswahn, meint Kim. Sind doch alle krank, die Leute! Der Kaffee kostet nur 1 EUR. Bekomme ich spendiert. Nun bin ich schon 2 EUR schuldig. Aber weil Kim mein Buch mitnimmt, zum Lesen, sag ich einfach: 2 EUR Lesegebühr! Haha, und wir sind quitt.

Sie bringt mich zum S-Bahnhof. Auf Wiedersehen, du Berliner Mädchen, du Berliner Pflanze!!! Bis zum nächsten Mal …

Ja ja, Beziehungswahn kann einen schnell erwischen. Aber bei Kim kann ich mir das abschminken! Sie ist froh, wenn sie nach 19 Jahren Ehehölle ihre Ruhe hat und nur für ihre Katzen sorgen muss.

Gestern hab ich was im BERLINER KURIER gelesen: Beim Bundeswehr-Wachregiment treten verstärkt Fälle von Gynäkomastie auf. Das ist eine krankhafte Vergrößerung der männlichen Brust. Wenn die Soldaten ihren Karabiner 98k an die linke Brust anschlagen, um bei Staatsgästen einen schnittigen Eindruck zu machen, denkt sich die Brust: Ich hab eine Beziehung! Einen Karabiner kannte Gottes Bauplan zwar nicht. Aber ein Baby kennt die Brust schon! Und so denkt sich die männliche Brust: Hier will ein Baby zu trinken haben! Und wächst und wird größer. Nur links!

Ein klassischer Fall von Beziehungswahn …

BERLIN im Januar 2013, von Bodo Bodenstein

Ostkreuz mit WasserturmOstkreuz-Anblick ... nicht mehr langeWaldorf-Astoria am ZOOFriedrichstraßeMein Buch bei DussmannBaumParkteich
Bank am See

 


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Echtes Gold

Erstellt von Bodo am 6. November 2012 – 10:14 -

“Alles, um was ihr betet und bittet – glaubt, dass ihr es empfangt,
und es wird euch werden.”
Markus 11,24

Eigentlich wollte ich heute niemanden besuchen. Frau Koch nicht, und Tante Hildchen schon gar nicht. Dann hatte ich aber nach dem Arzt noch Zeit bis zum nächsten Zug, ich stieg einfach in den proppevollen Köpenicker Bus und nach drei Stationen wieder aus. Nein, an der Haustür der alten Dame habe ich nicht einfach geklingelt. Das wäre ein Überfall gewesen. Ich habe per Handy angeklingelt und durfte dann auch raufkommen. Konnte eh nur 10 Minuten bleiben.

Frau Koch hatte ihre Putzhilfe da. Oh, dachte ich, da störe ich wohl wirklich! In Wirklichkeit störte ich nur beim Kaffeetrinken und Kuchenessen. Ich bekam sogar eine Tasse Kaffee ab, und wir konnten uns ein wenig nett unterhalten – ich und die Damen: die eine etwas älter, die andere etwas jünger. Ein Stück Kuchen wäre sogar für mich drin gewesen. Aber ich dankte. Vom IKEA war ich noch satt.

Meine Trophäe war ein geflochtener Wäschekorb. Das Ding sieht ganz gut aus. Auf dem Bahnhof Gesundbrunnen jedenfalls, blieben die Blicke der weiblichen Mitreisenden an dem Flechtwerk kleben. Schnell damit nach Hause! Bevor es mir eine abschwatzt …

Dieser Berlin-Ausflug fing diesmal anders an als sonst. Mit der ODEG Richtung Lichtenberg und dann wollte ich über Ostkreuz in die Stadtmitte. Aber kurz vor Hohenschönhausen kam mir die Idee, ich könnte ja auch mir der Tram reinzuckeln. Also dort ausgestiegen! Fahrstuhl wegen Vandalismus kaputt, sagt das Schild. Also ein langer Fußweg zur Haltestelle …

In der Straßenbahn war es kalt. Die Tram fuhr die Hansastraße entlang – für mich noch Neuland – an originellen Ruinen vorbei, in denen man tolle Gruselfilme drehen könnte. Ich schätze Baujahr 1890 … Die müssen doch schon zu DDR-Zeiten so verfallen gewesen sein. Jetzt hat man doch Geld! Aber man baut lieber hässliche Einkaufs-Center. Die bringen Rendite!

Ob ich den Andreas in Weißensee überfalle? Er geht nicht ans Telefon. Na gut. Die Tram zuckelt weiter. Jetzt wird’s etwas eng, aber nicht lange. Am Alex steigen die meisten aus. Rund um den Fernsehturm eine einzige Baubrache! Schöner Platz für Säufer. Die DDR-Architektur wird systematisch zerstört. Überall im Land kann man das feststellen. Der Kommunismus muss eben mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Wenn schon Erinnerung: bitteschön, hässlich muss sie sein!!!

Der Buchladen am Hackeschen Markt ist nicht groß genug. Na ja, für mich schon. Nur nicht für mein Buch. Kein Gesundheits-Regal, leider. Der Verkäufer winkt ab und darf mir eine hübsche Postkarte verkaufen. Draußen ein paar Fotos: Monbijou-Park mit Großer Synagoge. Ich gehe die Oranienburger weiter und suche ein passendes Restaurant. Die Heckmann-Höfe: zu teuer. Eine Cocktail-Bar: nicht mein Ding. Ick will wat zu futtern! Ich laufe und laufe, bis meine Blase entscheidet: Da gehen wir jetzt rein!

Die Toilette: Schweigen wir lieber drüber. Aber das Essen war lecker, und auch originell. Rote-Beete-Risotto mit Kürbiskernen und gebratenen Zuchini. Tucholsky- Ecke Auguststraße. Uriger Laden, gar nicht teuer.

Die S-Bahn, die hier im Untergrund fährt, bringt mich Richtung Süden. Station Friedrichstraße: Wenn man sich das überlegt! Hier, mitten in der Stadt war ein Grenzübergang. Zwischen zwei Welten! Wer in den Westen konnte und durfte, der durfte ab in den Untergrund der Stadt. Durch den Eisernen Vorhang in der Horizontalen! Überhaupt habe ich das damals erst sehr spät mitbekommen, dass das Zentrum von Ostberlin ja mehrfach vom “Feind” unterwandert bzw. unterfahren ist. Echt krass!

Genauso krass wie der Potsdamer Platz: Ein völlig überdimensionierter Regionalbahnhof; ein hässliches Einkaufs-Arkaden-Center, in den 90ern mit großem Tam-Tam hochgezogen und das wohl nur noch mit Fressbuden Umsatz macht, in die sich die Ministeriums-Bürokraten zur Mittagszeit flüchten. Und jetzt: So wenig Laufkundschaft, dass die einzige Buchhandlung in einigen Monaten das Weite sucht. Keine Rendite mehr.

Die vielen Touristen sind nur am Potsdamer Platz selber: Hübsche Fotokulisse mit schroffen Wolkenkratzern … Davor eine nice German Wurstbude. Schade, hier gab es ein großes Gesundheits-Regal, aber nicht mehr lange …

Ich hatte Zeit und las auf dem roten Sofa ein ganzes Buch durch. Die wichtigsten Stellen. “Wie man seine Angst überwindet – in zehn Schritten lösen sie jede Angst auf.” Habs an Ort und Stelle probiert. Alles im Geiste. Könnte klappen … sehr zu empfehlen. Die Angst ist ja auch nur im Geiste und nicht wirklich real. Real war, dass ich das Buch wieder ins Regal stellen konnte. Und Geld gespart habe. Aber ich war nicht gemein: eine Hörspiel-CD wechselte den Eigentümer …

Bei IKEA wechselte dann noch der Wäschekorb den Eigentümer. Überhaupt, diese schwedische Möbelbaracke! Man kann nicht genug vor ihr warnen: Willst du dort nur Kaffee trinken und Kuchen essen, du kommst einfach nicht wieder heraus! Die Rolltreppe fährt nur in eine Richtung, und eine Treppe hinunter gibt es einfach nicht. Eine FALLE! Die Info-Dame sagte mir: “Sie müssen durch die erste Abteilung. Dann gibt es aber eine Abkürzung nach links zu den Kassen.” Wäre ja noch schöner! Ohne Abkürzung.

Ich hatte keine Zeit, denn in 20 Minuten war der Arzttermin. Aber am anderen Ende der Stadt. Also durch die Abkürzung: Und, was steht auf den letzten Metern von IKEA? Mein Wäschekorb. Körbeweise allerdings. Er lächelte mich an und sagte: “Nimm mich mit, nimm mich mit!” Meine Wohnung zu Hause hörte das auch und rief: “Nimm ihn mit, nimm ihn mit!”

Da hat man einfach keine Chance. Bei IKEA geht man nicht so einfach hinaus. Alter Schwede, sag ich nur. Die Kassiererin meinte, ihr gehe es genauso: “Das Geld muss ja irgendwo bleiben!” Haha. Ja, wo bleibt denn das liebe Geld? Bei uns jedenfalls nicht!

Den langen Weg zurück nach Südkreuz, da hatte ich echt keinen Bock drauf und meine Knie schon gar nicht. Das Taxi kam wie gerufen. Es stand schon da und wartete. Wohl nur auf mich. Ein netter kleiner älterer Taxifahrer mit Akzent. Ob er denn jede Straße von Berlin kennt, wollte ich frecherweise wissen. Oh nein, das gehe gar nicht – bei 16.000 Berliner Straßen. Wie lange er schon in Berlin sei, wollte ich wissen. Seit 1968, da war er 22 Jahre! Er verriet mir eine Abkürzung, wie man schneller zu Fuß zum IKEA kommt und nach dem Bezahlen bekam ich sogar noch Gold vom ihm geschenkt: ECHTES GOLD.

Oh – danke, sagte ich, das lege ich gleich bei der Deutschen Bank an! Es war ein kleines goldenes Miniheftchen. “Etwas zum Lesen …” verabschiedete sich der Taxifahrer.

In der S-Bahn blätterte ich ein wenig drin: “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.” Nicht schlecht! – “Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.” Genau! – “Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen …” - Ich glaube, man sollte das nicht wörtlich nehmen. – “Alles, um was ihr betet und bittet – glaubt, dass ihr es empfangt, und es wird euch werden.” - Also, nicht das Sein bestimmt das Bewusstsein. Sondern euer Bewusstsein bestimmt euer Schicksal, Glück oder Unglück.

Wie bei der Angst. Die kann man sich wegdenken. Oder wie der Autor sagte: Einfach deinstallieren! Mit seinem Geiste. Mit ihrem Geiste.

 

Montag, 5. November 2012 – Bodo Bodenstein





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Botschaft aus dem Exil

Erstellt von Bodo am 14. September 2012 – 06:44 -

(von Gabriele)

Ach, liebe Freunde:

Im dichten Nebel eures eisigen Schweigens
Dehnt sich meine Entgleisung ins Uferlose:

Keine Haltepfeiler mehr sichtbar
Auf die ich mich stützen könnte
Keine Hinweisschilder
Die mir das Ziel und die Richtung zeigen
Keine Grenzmarkierungen,
Die mich in meine Schranken weisen.

Ich bin ratlos und fremd hier

Die konturlose Grauzone zwischen uns
Verschlingt in bitterem Sog
Auch die vielen bunten Ideen
Die permanent in einem
Breiten und frei fließenden Strom
Meinem gemarterten Gehirn entweichen
Und in sinnlosem Streben nach Oben
Langsam gegen den nicht mehr
Sichtbaren Himmel driften Weiterlesen…»


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Bilder aus der Heimat

Erstellt von Bodo am 29. Oktober 2011 – 20:14 -

Liebe Leser,

heute möchte ich nur ein paar Bilder hier vorstellen. Bilder der Heimat aus dem Barnimer Urstromtal. Bist Du auch am fernen Ort / Zog die Liebe Dich hinfort / Der Heimat Wälder wiegen schwer / Ich kann sie missen nimmermehr …

 

Die Wiese im Herbst

Umgestürzter Baum

Die Rinde fiel weich

Feuchtwiese

Der Waldrand

Der Pfuhl im Herbst

Flüsschen im Erlental

Gebrochener Baum

Der Forstweg am Rande der Stadt

Am See

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos © 2011 by Bodo Bodenstein



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