Population und Fortpflanzung des Homo Sapiens

Erstellt von Bodo am 5. April 2017 – 14:00 -

In der Reihe „Unsere kleine Welt“ möchten wir Ihnen heute eine besondere Primatengattung vorstellen: den Homo sapiens, von voralpinen Genträgern der Art auch Großkopferte genannt.

Laut eigenem Selbstverständnis des über sechs Kontinente und 22 Klimazonen verstreuten Zweibeiners, besitzen die erwachsenen Tiere eine Vorstellung vom eigenen Ich und sind in der Lage alle paar Sonnenjahre eine Art rudimentäre Selbstorganisation zu bilden. Dabei beschränkt sich die Aktivität der Artangehörigen hierbei auf das Malen eines Kreuzes, einer höheren Intelligenzleistung also, die die meisten Mitglieder der Population allerdings überfordert.

Der Homo sapiens ist sehr anpassungsfähig, was seine zum Teil selbstgebauten Behausungen angeht. Er kann zu zehnt auf 30 m² existieren, aber auch alleine in kunstvoll verzierten Burgen mit 500 m² hausen, für die er allerdings in Symbiose mit sogenannten Dienern oder Putzfrauen leben muss.

Verständlicherweise vermehren sich die Beengteren in höherem Tempo, was schon alleine durch die größere Anzahl der Sozialkontakte bedingt ist. Hinzu kommt, daß Weibchen mit mehr Platz und mehr gesammelten Fundstücken nach einem höheren Rang in der Sozialhierarchie trachten, ein Anspruch, der sich mit dem Aufziehen von Nachwuchs nur schwer verträgt. Deshalb ist es unter höhergestellten Sapiens-Primaten Sitte, fremdgezeugte und -geborene Kinder als eigen anzunehmen und den genetischen Müttern ein paar Privilegien, wie mehr Platz und mehr Nahrung, zukommen zu lassen.

Die biologische Fortpflanzung der allermeisten Artmitglieder erfolgt nach berauschenden Ritualtänzen, wenn das männliche Tier das Weibchen in ihr Nest begleitet, und letzteres durch den Konsum von nervenlähmenden Substanzen den Geschlechtsverkehr nicht mehr verweigern kann. Am nächsten Tag können sich beide an nichts mehr erinnern, ziehen von dannen und sehen sich frühestens 9 Monate später vor regulierenden Sozialinstanzen wieder.

Die Aufzucht der Jungen bleibt dann, wie bei den Säugetieren üblich, an den Weibchen hängen. Viele meistern das mit Bravour und Gelassenheit, andere allerdings sind mit der schreienden und schleimabsondernden Brut hoffnungslos überfordert und sind gezwungen, ihre Kinder unfruchtbaren oder höhergestellten Artgenossen zu überlassen [siehe oben].

Manchmal kommt es vor, daß bei der Aufzucht des Nachwuchses noch ein Männchen anwesend ist. Es muss nicht unbedingt der genetische Vater der Jungen sein. Das kann für die Mutter der Jungtiere von Vorteil bei der Nahrungsbeschaffung und der Verteidigung des Revieres sein, aber meistens ist der männliche Sozialpartner nur an Geschlechtsverkehr interessiert, welchen er mit lauten Anal- und Kehlgeräuschen unmißverständlich einfordert.

Diese Art von Balzritual findet oft nach dem Genuss berauschender Substanzen statt, wenn der eigene Kriegerstamm, meist in Schwarz und Gelb bemalt, einen Ritualwettkampf verloren hat. Dann heißt es für das Weibchen auf der Hut zu sein und sich in einem Behausungsabteil des Nestes zu verbarrikadieren.

Die Weibchen der Spezies sind normalerweise zu kunstfertigerer Lautformung befähigt als die Männchen, die sich meistens in Revierkämpfen ein Leben lang abarbeiten. Die Lautformung und der Austausch von Sprache ist Bedingung für das Zusammenleben in Gruppen. Da Konflikte nie ausbleiben ist es für das psychische Wohlbefinden der Mitglieder unabdingbar, zusammen über gerade Nicht-Anwesende herzuziehen und ihnen jegliche Sozialkompetenz abzusprechen. Das geschieht mit jedem reihum, ohne daß es irgendwelche Konsequenzen hätte. Es dient allein dem Aggressionsabbau und der psychischen Reinigung. Homo sapiens, die, aus welchem Grund auch immer, daran gehindert sind, werden schwer krank.

Die Trieb-Kompensation, die beim vorgestellten Primaten infolge der Überbevölkerung stark ausgeprägt ist, erfolgt beim männlichen Tier mit dem Genuss vergorenen Hopfens oder Getreide, während das Weibchen vorgibt, in der Dämmerung zur Nacht nur noch eine Schokolade zu vertilgen, wobei noch ausstehende empirische Forschungen belegen müssen, ob damit ein Stück, eine Tasse oder eine Tafel gemeint ist. Bei einem Sapiens-Weibchen weiß man das nie genau!

;-) Bodo Bodenstein


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Der Absturz in den Bergen

Erstellt von Bodo am 21. Juni 2015 – 12:27 -

DER ABSTURZ IN DEN BERGEN – Filmkritik

Es beginnt ein normaler Arbeitstag auf dem Flughafen in Lissabon. Der Check-In des Frühfluges CO2666 nach Warschau verläuft planmäßig. Wegen Ostwindes startet die Boeing 737 diesmal in Richtung Land und fliegt im Steigflug zu den Pyrenäen. Kaum ist die Reiseflughöhe erreicht, drückt den Kapitän die Blase und er muss auf ein gewisses Örtchen. Darauf haben zwei djihadistische Terroristen an Bord nur gewartet. Der eine geht ebenfalls zur Toilette und setzt den 1. Piloten mit einer Chemikalie außer Gefecht. Der zweite Djihadist geht in Richtung Kabine und dringt blitzschnell ins Cockpit ein. Die Zuschauer sehen in Zeitlupe, wie er vor dem Verschließen der Tür das Klebeband am Riegel entfernt, der eigentlich die Tür sichern sollte. Die Putzfrau war also eine Komplizin!

In einem kurzen Handgemenge mit dem Co-Piloten gewinnt der Schurke die Oberhand und verklebt dem armen Luft-Offizier Mund, Arme und Beine. Dann lässt er den zweiten Terroristen ins Cockpit und beide versuchen, mit Youtube-Videos trainiert, die Boeing unter ihre Kontrolle zu bringen. Doch das Flugzeug reagiert auf keine Steuerung. Schnurstracks fliegt es über Südfrankreich in Richtung Alpenhauptkamm. Eigentlich wollten sie ja nach Paris, in den Eiffelturm fliegen, und nun das! Schlimmste Verwünschungen senden sie in Richtung Hölle. Sie reißen dem am Boden liegenden Co-Piloten das Tape vom Mund und drohen mit Folter, wenn er ihnen nicht hilft. Doch die Condor-Piloten haben eine stählerne Ausbildung hinter sich: auch unter Folter geben sie kein Sterbenswörtchen preis!

Mittlerweile bemerkt der Condor-Flugsheriff Jerzy Pomorszki, dass der Kapitän immer noch nicht vom „Geschäft“ zurückgekommen ist. Er wird misstrauisch und findet den Flugzeugführer bewusstlos am Boden. Schnell benachrichtet er die Stewardessen, und eine unter ihnen, Elisa Rasczková, hält dem 55-jährigen Luftfahrt-Granden das Hausmittelchen ihrer Oma unter die Nase und der Pilot erwacht sofort. Mit einer Geheimzahl, dem Geburtsdatum seiner Schwiegermutter, öffnet er die Cockpit-Tür: Luftsheriff Jerzy stürmt in die Kabine und befördert mit einer Kalaschnikow-Salve die Terroristen, beide kaum 25 Jahre alt, ins Paradies. Leider wird auch der tapfere Co-Pilot getroffen und so verblutet er in den Armen einer Stewardess.

Der Kapitän erkennt sofort den Ernst der Lage: Die Boeing befindet sich auf einem schnellen Sinkflug auf das Großklockner-Massiv zu. Er bewegt das Höhenruder, doch nichts passiert, 200 Passagiere rasen dem sicheren Tod zu! Doch jetzt fällt es ihm wieder ein: die Sicherung! Alle Condor-Piloten tragen eine lasergravierte Kenn-Nummer in der Augenlinse. Immer noch benommen von den K.O.-Tropfen, schafft es der Erste Pilot, wieder den Bordcomputer zu übernehmen. Das Flugzeug reagiert wieder! Doch ringsherum hohe Berge, keine Chance, sie zu überfliegen! In einem atemberaubenden Crash setzt der Condor-Pilot die Boeing 737 auf den Gletscher auf. Hollywood greift hier tief in die Spezialeffekte-Trickkiste, die die Kinobesucher atemlos in ihre XXL-Sessel pressen.

Gerettet! Die Passagiere und die Crew haben die Katastrophe überlebt. Sofort nehmen sich die österreichischen und polnischen Behörden der Sache an. Was sie jedoch aus dieser Geschichte machen, das erfahren Sie in Teil 2, der nicht weniger dramatisch ist und der im nächsten Frühjahr erscheint. Eine Trauer bleibt aber, der heldenhafte Co-Pilot (gespielt von Till Schweiger) musste mit dem Leben bezahlen. Am Ende des Films sehen wir nur einen kurzen Blick auf die Beerdigung: am Grab stehen alle Stewardessen, Sheriff Jerzy Pomorszki in tiefer Verzweiflung und der Kapitän des Fluges CO2666 von Lissabon nach Warschau. Und die Tränen fließen nur so.

Welches Geheimmittel Elisa Rasczková in ihrer Tasche hatte und warum dieser Flug nicht wie viele andere, so tödlich im Ozean, in der Wüste oder im Hochgebirge endete, das soll an dieser Stelle nicht verraten werden … Gehen Sie ins Kino!

DER ABSTURZ IN DEN BERGEN, 195 min, D – F – USA 2015
Fictiondrama, 3D


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Kleine Geschichte der Psychiatrie

Erstellt von Bodo am 6. April 2014 – 18:57 -

Die Methoden der angehenden Neuzeit zur Behandlung psychisch Kranker waren nicht gerade zartfühlend, und, man muss es leider sagen: Bis heute hat sich daran in bestimmten Bereichen moderner psychiatrischer Krankenhäuser nichts geändert. In früheren Jahrhunderten wurden alle Personen, die sich nicht in die heile Göttliche Ordnung integrieren ließen – also z.B. Landstreicher, Diebe, Mörder, Lustseuchenkranke, Dirnen, Bettler, Behinderte, Depressive und Irre – einfach gemeinsam ins sogenannte Zucht- oder Tollhaus gesperrt. An Ketten angeschmiedet bekamen sie kaum zu Essen und zu Trinken. Ja, man folterte die Irren sogar, weil sie erwiesenermaßen schmerzunempfindlich waren. So versuchte man ihnen die Narrheiten auszutreiben.

Als erstes Irrenhaus des christlichen Abendlandes wurde 1784 der Narrenturm am Allgemeinen Wiener Krankenhaus gebaut. Der Fortschritt: Das Irresein wurde als Krankheit angesehen und nicht mehr als Laster, das es zu züchtigen galt. Der Turm ist heute als Medizin-historisches-Museum zu besichtigen, man kann noch einzelne Zellen sehen, allerdings ohne die Ketten und Soldatenwärter.

In_Ketten_1806Mit der französischen Aufklärung wurden die Kranken von ihren Ketten befreit, an die frische Luft gebracht und nach Krankheitsbildern eingeteilt (Philippe Pinel, Paris 1792). Statt der Ketten gebrauchte man jetzt aber Zwangsjacken und tauchte die Kranken in eiskaltes Wasser, damit sie von ihren fixen Ideen losließen – auch nicht gerade eine humane Behandlung.

Anfang des 19. Jahrhunderts hatte man in der Irrenhaus-Abteilung der Berliner Charité besondere “Heilverfahren” entwickelt. War der Patient nicht mehr zu bändigen, wurde er oder sie in einen großen Sack gesteckt und an einem Haken aufgehängt, auf dass Ruhe einkehre … Nur manchmal verstarb ein Patient an so einem Heilversuch, was zum ersten dokumentierten Arzthaftungsprozess in Deutschland führte. (1)

Es gibt aber auch eine bessere Geschichte zu erzählen: Friedrich Hölderlin, bedeutender Schriftsteller der Romantik, wurde mit Beginn seiner psychischen Pflegebedürftigkeit nicht in irgendein Irrenhaus gesteckt, sondern von einer liebevollen Familie im Tübinger Turm versorgt.

Mitte des 19. Jahrhunderts sammelte ein Frankfurter Arzt fleißig Spenden bei den Bürgern der Stadt und ließ ein neues, großzügiges Gebäude für die Behandlung der psychisch Kranken am nördlichen Stadtrand von Frankfurt errichten, vom Volksmund “Irrenschloß” genannt. Er wurde der erste Direktor dieser Klinik. Sein Name: Heinrich Hoffmann, Autor des Kinderbuches “Der Struwwelpeter”. Ein weiterer, später berühmt gewordener Arzt dieser Klinik war Alois Alzheimer, der hier die nach ihm benannte Demenzerkrankung entdeckte.

Der Psychiatrie jener Zeit kam aber nicht nur die Rolle der Hospitalisierung und Behandlung von Kranken zu, so weit es denn möglich war. Sie wurde verstärkt auch gesellschaftlich und politisch mißbraucht. Der wohl berühmteste Fall ist König Ludwig II. von Bayern. Der junge König hatte eine romantische Ader. Wenig begeistert von Kriegen, Politik und Staatsgeschäften förderte er lieber Kunst und Musik. Richard Wagners Meisteropern sind ohne die Unterstützung von Ludwig nicht denkbar gewesen. Außerdem verfiel er einer Bausucht, die zwar der Nachwelt herrliche Schlösser hinterließ, die aber der bayerischen Staatskasse enorme Schulden einbrachte und ziemlichen Unmut seiner Minister heraufbeschwor. Schließlich beauftragte der Prinzregent den angesehenen Psychiater von Gudden, ein Gutachten über Ludwig II. zu verfassen, mit dem Ziel, den unbequemen jungen König für regierungsunfähig zu erklären und aus dem Verkehr zu ziehen.

Ludwig_1886Die Sache endete tragisch: Ludwig wurde nach Schloß Berg verbracht – vergitterte Fenster, abgeschraubte Türgriffe – und er wußte, dass sein Schicksal beschlossen war und dass er jetzt nur noch dieselben Freiheiten hatte wie sein kranker Bruder Otto. Auf einem Spaziergang mit Prof. von Gudden am Starnberger See kam es zum Drama, das bis heute nicht ganz aufgeklärt ist: Ludwig will sich wohl in den See stürzen, um zu ertrinken. Der Arzt will ihn wohl davon abhalten. Es kommt zur Rauferei. Ludwig erwürgt oder ertränkt von Gudden und begeht danach Selbtmord. Man findet später die beiden Leichen im Wasser.

Dies war nur die oberste Spitze eines Eisberges. Man kann sich in hellen Farben ausmalen, wie viele Männer oder Frauen von ihren Angehörigen oder Geschäftspartnern bewußt pathologisiert und von gutbezahlten Psychiatern beiseite geschafft worden sind …

War man erst einmal in einem Irrenhaus, kam man nicht so schnell wieder heraus. Und die Rassen- und Erbideologie des beginnenden 20. Jahrhunderts sollte dafür sorgen, dass man die Psychiatrie-Patienten gar nicht mehr wiedersah. Nach dem angeblichen Naturgesetz des Rechtes des Stärkeren waren die Kranken und Behinderten minderwertige Erbkranke, die die Volksgesundheit untergruben. Sie waren jetzt Schädlinge, sie waren Schmarotzer, die nur auf Kosten der Allgemeinbevölkerung künstlich am Leben gehalten wurden. Der beginnende Weltkrieg tat sein Übriges. Ressourcen waren knapp und so wurden auf geheimen Führerbefehl hin zehntausende Patienten selektiert, in speziell präparierten Bussen abtransportiert und in Vernichtungs-”Kliniken” von Ärzten vergast. Erst nach weiten Protesten in der Bevölkerung und in der Kirche wurde die sogenannte Aktion T4 eingestellt.

Aber das Morden in den Krankenhäusern ging weiter: Mit Nahrungsentzug und mit Giftspritzen brachten deutsche Pflegerinnen und Ärzte hunderttausenden Patienten den Gnadentod. Noch nach Kriegsende ließ man tausende Patienten einfach verhungern. Denn sie hatten keine Rechte und sie hatten niemanden, der sie schützte. Lebensmittel waren knapp. Und offenbar war auch menschliches Mitgefühl nur spärlich vorhanden. Das Wort vom Gnadentod spukte nach wie vor in den Köpfen.

Denkmal_der_grauen_BusseDie Nürnberger Kriegsverbrecher- prozesse beschäftigten sich nur am Rande mit der Euthanasie, nämlich nur insoweit, als es sowjetische oder polnische KZ-Insassen betraf. Die juristische Aufarbeitung blieb Deutschland und Österreich überlassen: In der Alpenrepublik wurden in den Nachkriegsjahren von sogenannten “Volksgerichten” einige Todesurteile gegen Ärzte und Pfleger/innen verschiedener Einrichtungen ausgesprochen, die auch vollstreckt wurden. In Ost- und Westdeutschland gab es ebenfalls Euthanasie-Prozesse, die mit Todesstrafen, bzw. langen Haftstrafen endeten. Einige der Täter flüchteten oder begingen Selbstmord. Die öffentliche Aufmerksamkeit bei diesen Prozessen war enorm, war es doch für den normalen Menschen unvorstellbar, dass Ärzte und Schwestern zu Mördern wurden. (2)

Mit den Erfolgen der medikamentösen Behandlungen in den 50er/60ern einerseits und einer neuen Generation von Psychiatern und Sozialarbeitern andererseits konnte sich die Psychiatrie in den 1970ern ein wenig öffnen und zu einem weniger dunklen Fleck der Gesellschaft werden. Die Psychiatrie-Reformen, sowohl in der DDR als auch im Westen, brachten Verbesserungen in Form von neuen Therapieangeboten, Tagesstätten, betreutem Wohnen und Integrations-Hilfen. Das Stigma, das psychischen Krankheiten und der Psychiatrie bis heute anhaftet, konnten sie jedoch nicht beseitigen.

Film und Fernsehen taten ihr Übriges: Im Oscar-prämierten Streifen “Einer flog übers Kuckucksnest” erfährt Psychiatrie-Patient McMurphy alias Jack Nickolson am eigenen Leibe, was Ärzte und Pfleger von aufsässigen Behandlungsverweigerern halten: Mit Elektroschocks und schließlich einer irreversiblen Lobotomie wird er fügsam gemacht; Mitpatient “Häuptling” Bromden erlöst den nur noch apathischen McMurphy und zerschmettert die Anstaltsmauern, die ihn gefangen halten.

TablettenGlücklicherweise werden schon seit 40 Jahren keine Lobotomien mehr in der Psychiatrie durchgeführt, und auch die Insulinschocks gehören der Vergangen- heit an. Die Elektrokrampftherapie (EKT) hat sich bis heute als eine Ultima-Ratio-Behandlung gehalten; sie wird nur in Ausnahmefällen durchgeführt und sie ist auch keine Disziplinarmaßnahme mehr, die Patienten bekommen davon kaum etwas mit. Hauptbehandlungs-Methode der Gegenwart ist die medikamentöse: durch klassische Neuroleptika, Tranquilizer und Antidepressiva oder durch neuentwickelte Präparate, die jedoch nicht selten schwere Nebenwirkungen haben. Bekanntester Fall der jüngeren Geschichte ist Zyprexa (Wirkstoff Olanzapin), ein Produkt der Firma Eli Lilly, welches oft zu extremer Gewichtszunahme und Diabetes führt, mit all den bekannten Komplikationen. (3)

Nach wie vor ein Klassiker der Behandlung ist Haloperidol, dessen vorzügliche Disziplinierungs-Wirkung der Verfasser dieser Zeilen am eigenen Leibe erfahren musste. Diese Art von Therapie mussten auch etliche politische Dissidenten in der ehemaligen Sowjetunion über sich ergehen lassen. In der Psychiatrie wurden sie zu gebrochenen Menschen. Unsichtbar gefoltert!


Und hier sieht man schon das Hauptproblem der Psychiatrie: Halbgötter in Weiß verordnen irgendwelche Pillen; die Pfleger und Schwestern müssen dafür sorgen, dass sie geschluckt werden und ansonsten werden die Patienten verwahrt, im besten Fall gut behütet und mit Beschäftigungstherapien versorgt. Wer fremd- oder eigengefährdend ist kommt auf die Geschlossene, die sich jetzt witzigerweise “intensivmedizinische Station” nennt. Intensiv ist vielleicht die Langeweile des Eingesperrtseins oder reichlich nachhaltig intensiv kann auch das Trauma einer Fesselung ans Fixierbett sein. Wer Pfleger oder Schwester auf einer psychiatrischen Station ist, muss schon recht abgebrüht sein, um mit den vielen schweren Krankheitsverläufen klarzukommen. Und wer sich da zu sehr um die Patienten kümmert, riskiert nur ein Burnout. Was soll man da erwarten? Und die Ärzte: Die können neue Medikamente in aberwitzigen Dosierungen an hilflosen Geschöpfen austesten und darüber wissenschaftliche Artikel für das eigene Ruhmesblatt schreiben. Ansonsten herrscht wohl auch im psychiatrischen Krankenhaus eine Hackordnung, wie in jeder Firma. Wie der Herr, so das Gescherr. Deshalb sollten sich die Landtage überlegen, die Amtszeit von Ärztlichen Direktoren und Geschäftsführern zu begrenzen. Oder sind unsere Psychiatrien gar keine demokratischen Institutionen?

Die Autorin Sabine Kuegler beschreibt in ihren Büchern (“Das Dschungelkind” u.a.) ihre Kindheit im indonesischen Urwald und sie erzählt davon, dass ihr Fayo-Stamm sich rührend um die seelische Befindlichkeit der Mitglieder kümmerte. Ging es einem erkennbar seelisch schlecht, wurde das Stammesmitglied von morgens bis abends, tage- oder wochenlang umsorgt und gepflegt und quasi auf Händen getragen, bis es wieder gesund war. Körperliche Krankheiten nahm man hingegen als Schicksalsschlag oder Strafe von Dämonen hin. In unserer modernen Gesellschaft ist es eher umgekehrt: Körperliche Krankheiten werden mit höchstem Aufwand therapiert und beforscht, während psychischen Leiden immer noch der Makel des Mittelalters anhaftet, über die man nur leise, wenn überhaupt, spricht und von einer angemessenen fürsorglichen Behandlung kann auch keine Rede sein. Die Angehörigen haben Angst, fühlen sich überfordert und schieben ihre lieben Verwandten möglichst schnell in die Psychiatrie ab, wo sie von professionellen “Wärtern” ruhiggestellt werden. Als Medikamenten-Zombies und Behinderte werden sie wieder in die verständnislose Gesellschaft entlassen.

 


Anmerkungen:
(1) Quelle: Deutsches Ärzteblatt vom 25. März 2011;
(2) Quelle: Euthanasie-Prozesse seit 1945 in Österreich und Deutschland -

http://www.doew.at/thema/thema_alt/justiz/euthaufarbeit/theseneuth.html

(3) Quelle: Zyprexa-Skandal – http://de.wikipedia.org/wiki/Olanzapin

Abbildungen:
(1) “Der Verrückte” – Kupferstich von Charles Bell (1806)
(2) Ludwig II. von Bayern in seinem Todesjahr 1886
(3) Denkmal der Grauen Busse in Ravensburg-Weißenau
(4) Tabletten – die unsichtbare Gewalt der Psychiatrie
(5) “Doktor Pinel befreit die Irrsinnigen von Salpêtrière” – Gemälde von Tony Robert-Fleury (1795)

 

Philippe_Pinel


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BERLIN geht nach der Uhr – ein Verkehrsratgeber

Erstellt von Bodo am 18. März 2014 – 09:16 -

Wenn es nach der BVG ginge, sollte jeder Berliner ein Jahres-Abo für den öffentlichen Verkehr abschließen. Damit fährt man dann sogar über zwei Monate gratis! Allerdings ist das kleine Kärtchen erst für den schlappen Preis von 914 EUR zu haben. Reiche Rentner zahlen für das Gesamtnetz sogar nur 571 EUR. Für arme Hartz-4-Empfänger gibt es keinen Tarif. Sonst ginge die BVG bzw. die S-Bahn pleite.

Der deutsche öffentliche Nahverkehr, und da steht Berlin als Leuchtturm da, ist etwas, worum uns die Welt und auch gerade die Amerikaner beneiden. Während andere Metropolen von den Highways nur so zerschnitten werden, dominiert in der deutschen Hauptstadt die S-Bahn und die U-Bahn. Diese beiden Fortbewegungsarten haben ihren besonderen Reiz, aber auch ihre besonderen Herausforderungen.

Betrachten wir zunächst die Seite der Fahrgäste: Meistens jedenfalls, kann man in der S-Bahn entspannt sitzen und nach draußen schauen, wie die Stadt-Landschaft langsam vorübergleitet. Es ist eine Dia-Schau der unterschiedlichsten Architektur-, Wohn- und Wirtschafts-Stile und die Mitreisenden nimmt man zwar wahr, doch sind sie nicht so präsent. Die S-Bahn fährt ruhig und hat ihren Rhythmus.

In einer Viertelstunde ist man von Gesundbrunnen bis Ostkreuz. Von da wieder eine Viertelstunde bis Südkreuz. Und von Südkreuz bis Westkreuz ist es, Sie ahnen es, auch wieder nur 15 min weit. Die Ringbahn schließt sich dann wieder bis Gesundbrunnen, und der rot-gelbe Triebwagenzug kommt so nach genau einer Stunde wieder am Ausgangsort an. Berlin geht also nach der Uhr! Natürlich kann man auch in der Gegenrichtung fahren. Von Nord nach Süd bzw. von West nach Ost durchquert man die Innenstadt in nur 28 min, mit dem Kreuzungspunkt Friedrichstraße nach jeweils 16 bzw. 12 min Fahrtdauer.

U-Bahn fahren ist eine ganz andere Sache: Man muss in den Bauch der Berliner Erde und die Bahnsteige sind immer voll mit Menschen. Für Klaustrophobiker nicht so geeignet. Dafür sind in der U-Bahn die Stoiker gefragt, die Schläfer, die Smartphone-Tipper, aber auch die Flirter haben jetzt große Chancen. Denn wohin soll man schauen? Draußen ziehen rasend schnell schwarze Wände vorbei, und in der U-Bahn sitzt man sich gegenüber und muss damit klarkommen, plötzlich wildfremde Menschen anzustarren, mit denen man lieber nichts oder vielleicht doch gerne etwas zu tun haben möchte. Und der schönste Flirt endet abrupt, wenn sie oder er aussteigen muss. Berlin ist grausam! Vorbei, verweht, nie wieder …

Die U-Bahn, die in Berlin immer in kräftiger Eigelbfarbe daherkommt, ist schneller als die S-Bahn. Man kommt von Station zu Station fast im Minutentakt, während es bei der S-Bahn eine Drei-Minuten-Strecke ist. Aber der Haupttakt von Berlin, seine ureigenste Schwingung, das sind 20 Minuten. Während die U-Bahnlinien in der Regel starr sind, mit festen Richtungen, schwingt das Berliner S-Bahn-System in einer fein austarierten Harmonie, deren Richtungsgeber die großen Langstrecken sind. Die Endpunkte der großen Linien, also Potsdam und Ahrensfelde, Blankenfelde und Bernau, Spandau und Strausberg, Oranienburg und Wannsee werden im 20-Minuten-Rhythmus angefahren.

Dazwischen werden die Strecken verdichtet, das heißt z.B. alle 20 min fährt ein Zug von Wannsee nach Mahlsdorf, und, schon haben wir auf der inneren Strecke einen 10-Minuten-Rhythmus. Weil sich aber zwischen Ostkreuz und Westkreuz, zwischen Südkreuz und Bornholmer Straße viele Linien bündeln, so führen die Zugbewegungen aus Hohenschönhausen, aus Ahrensfelde, aus Strausberg und aus Erkner kommend, auf der Stadtbahn zu einem 2-Minuten-Rhythmus der S-Bahn. Will man also nicht weit fahren, kann man sofort jeden Zug nehmen, um z.B. von Ostbahnhof den Savignyplatz im Westen zu erreichen. Will man jedoch nach weiter außerhalb, nach JOTTWEDE, dann muss man u.U. maximal 20 Minuten warten, bis man in “seine” Bahn einsteigen kann.

Die Fahrtzeiten von Endpunkt zu Endpunkt sind beachtlich: von Ahrensfelde bis Potsdam fährt man eine Stunde und 3 Minuten, ebenso von Hennigsdorf bis Teltow, von Spandau bis Strausberg Nord sind es sogar 1,5 Stunden. Woran denkt man da unwillkürlich? Richtig, an eine Toilette! Die gibt es aber in den Zügen nicht, und auf den meisten S-Bahnhöfen auch nicht. Da gilt es, eine gute urologische Planung einzuhalten. Das gilt für Fahrgäste, ebenso aber auch für die Zugführer, wobei letztere wahrscheinlich gewisse “Dienstbehälter” für den Notfall in der Kabine haben.

Das fein austarierte System des Berliner Nahverkehrs, mit seinen Einfädelungen und Ausfädelungen, stellt höchste Anforderungen an Personal und Technik. Im Minutentakt müssen die Weichen richtig gestellt werden, damit die Oranienburger S-Bahn nicht nach Bernau, damit die Wannsee-Bahn nicht nach Spandau fährt. Umgekehrt dürfen sich die die Züge nicht alle gleichzeitig einfädeln. Deshalb ist der Fahrplan die oberste Bibel der S-Bahn. Nur wenn alles pünktlich fahren kann, funktioniert das ganze System. Fällt nur eine Weiche irgendwo aus, wegen Schnee oder Defekt, ist das Chaos programmiert.

So lebt der Berliner also: zwischem perfekten Timing, das wie ein Räderwerk einer Schweizer Taschenuhr funktioniert, und dem Chaos, das ab und zu über ihn hereinbricht, wenn nichts mehr geht, wenn die Züge aus allen Nähten platzen, wenn 20 Minuten im eisigen Wintersturm recht ungemütlich werden können. Wenn man es nicht mehr hören kann: “Liebe Fahrgäste! Wegen einer technischen Störung kommt es auf der Strecke … zu Zugausfällen …” Doch ohne S- und U-Bahn wäre Berlin nicht mehr Berlin. Das sind die Blutadern einer Weltstadt von 3,5 Millionen Einwohnern, die, so hat es jemand errechnet, sogar auf 6 Millionen wachsen könnte, ohne dass die S-Bahn-Leistungsfähigkeit geschwächt wäre. Beschützen und bewahren wir also unsere S-Bahn! Und lassen wir sie nicht kaputtsparen!

Das größte S-Bahn-Netz in Deutschland hat allerdings nicht Berlin, sondern München, die Bayerische Landeshauptstadt. Dort kann man sich nämlich, nach einem Besuch auf dem Viktualienmarkt, gemütlich in einen (unterirdischen) Zug setzen und sich bis an den Starnberger See kutschieren lassen. Doch die Berliner S-Bahn ist eindeutig die Schönere … mit ihrem Rot-Gelb und ihrem unvergleichlichen Stadtpanorama!

Bodo Bodenstein,  18. März 2014

 

Der S-Bahn-Ring

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Weihnachtszeit

Erstellt von Bodo am 3. Dezember 2013 – 13:06 -

Nun ist es wieder soweit: Die Weihnachtsmärkte werden geschmückt und die Wohnungen gestürmt … oder ist es eher andersherum? Jedenfalls während uns Radio, Fernsehen und andere Medien in den kollektiven Jahresend-Kaufwahn treiben, können ernsthaft gestörte Menschen schon mal Besuch vom Sondereinsatzkommando der Polizei bekommen. Und weil sie die schwerbewaffneten Sturmhaubenmänner für Aliens vom Mars halten, öffnen sie mal nun nicht gerade herzlich die Wohnungstür. Wenn dann nun so ein armer Deliquent unvorsichtig mit dem Buttermesser hinter der Küchentür hantiert, wird von den Gesetzeshütern schon mal das Sturmgewehr zu Rate gezogen … und, schon hat das Sozialamt einen Fall weniger zu bearbeiten. So arbeiten die Beamten Hand in Hand. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit, nein, auch im Sommer lebt man als Verrückter lebensgefährlich. Wenn man zum Beispiel im Adamskostüm und mit einem Kartoffelschäler bewaffnet im Neptunbrunnen baden will, um die Jungfrau Maria zu erwarten, muss so ein Beamter sogleich aus Notwehr eine Hinrichtung vollziehen. Hatte er nicht die Nummer vom SEK dabei?

Weihnachtszeit, frohe Zeit, die Lichtlein brennen … Zuerst sind es nur ein paar Lichtpunkte, die aber im Handumdrehen zu hellen Strahlen werden, dann bündeln sie sich zu einem Lichterkranz, verschwimmen tausendfach zu einem Meer von leuchtenden Augen, das hin- und herwabert und um einen unbekannten Mittelpunkt rotiert. Plötzlich schießen wieder die Strahlen hervor, scharf und schneidend, wechseln abrupt die Richtungen, werden größer und dann wieder kürzer … bis man die Augen öffnet und das Blinzelspiel mit dem Adventsleuchter beendet. Weihnachten kann so schön sein! In die Lichter zu schauen und auf den Schmuck der Straßen. Doch vergessen wir eins dabei nicht: In unser Herz zu schauen!

Euer Bodo

 

Frohe Weihnachten

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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50 Wörter für Schnee

Erstellt von Bodo am 7. April 2013 – 09:14 -

Nach diesem Winter können wir, glaube ich, für den Rest des Jahres keinen Schnee mehr sehen. Zu lange war er unser Begleiter auf Straßen und Plätzen, in Wiesen und Wäldern. Selbst die Zugvögel konnten wahrscheinlich gut auf diesen Nach-Winter verzichten, mussten sie doch für gut 4 Wochen wieder umdrehen und wärmere Gefilde aufsuchen.

Das konnten wir immobilierten Erdbewohner nicht und waren auf Gaslieferungen aus Russland angewiesen. Damit unsere Wohnungen nicht schimmeln. Wer draußen gefroren hat, war selbst schuld. Dafür gibt es ja Mäntel, Jacken, Schals, Handschuhe und Mützen. Aber, welcher Deutsche setzt schon eine Mütze auf? Erstens sieht man damit aus wie ein Depp; und zweitens, besonders bei den Damen, ist dann die ganze schöne, in Stunden hintoupierte Frisur im A… Also friert lieber die Birne ein. Wie sollen die Deutschen da warme Gedanken bekommen?

Jedenfalls haben wir etwas gelernt. Wir können jetzt, wie die Inuit, 50 Arten von Schnee unterscheiden. Nun brauchen wir nur noch Wörter dafür! Wir haben sie längst …

Hier eine Aufstellung:

SCHNEE in der Luft:

(1) vereinzelte Schneeflocken
(2) es schneit
(3) dichtes Treiben
(4) Schneesturm
(5) Schneegriesel
(6) dicke Flocken
(7) Schneeregen

SCHNEE auf den Pflanzen

(8) Raureif
(9) Schneebruch
(10) Winter Wonderland

SCHNEE auf dem Boden

(11) überzuckert
(12) Neuschnee
(13) Tiefschnee
(14) Schneewehe
(15) Schneechaos
(16) Schneematsch
(17) Nasser Schnee
(18) Pappschnee
(19) Verhärteter Schnee
(20) Schneemehl

SCHNEE im Wintersport

(21) Schneebrett
(22) Lawine
(23) Schnee-Garantie (bis in den Mai)
(24) Schnee-Kanonen-Schnee
(25) Schneeloipe
(26) Schneehang
(27) Pulverschnee

SCHNEE im Frühling

(28) Schneehaufen
(29) Schneereste
(30) Schneeflecken
(31) Schneeglöckchen
(32) Glasschnee
(33) Schattenschnee

verschmutzter SCHNEE

(34) dreckiger Haufen
(35) Sommersprossenschnee
(36) Streuselkuchenschnee
(37) Schmutzschnee
(38) Ascheschnee
(39) Schwefelschnee (DDR)
(40) Rußschnee

SCHNEE in der Literatur und Kunst

(41) Schneeweißchen und Rosenrot
(42) Schneekönigin
(43) sich freuen wie ein Schneekönig
(44) Frau Holle
(45) Snegurotschka (Russland)
(46) Schneekristall
(47) Schnee-Skulptur
(48) Schnee-Festival
(49) Schneewittchen

und schlussendlich:

(50) Iglu

Somit brauchen wir uns Mitteleuropäer mit unseren Schnee-Erfahrungen gar nicht hinter dem Berg verstecken. Vielleicht finden Sie, lieber Leser, noch weitere Wörter für Schnee? Sie können gerne hier kommentieren …

Frühlingsgrüße vom Bodo

 

Dreckiger Schneehaufen

Das kann bitte weg …

 

 

 


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Mein Traum letzte Nacht

Erstellt von Bodo am 19. März 2013 – 09:31 -

Draußen schneit es ununterbrochen und übermorgen ist Frühlingsanfang! Ich habe nachts das Fenster geschlossen, damit es nicht so kalt hereinzieht.

Erste Szene:
Ich habe etwas Kratzendes und Scharfes im Mund. Eine Rasierklinge! Sie ist tief hinten in der Kehle und man bekommt sie nicht herausgezogen.

Zweite Szene:
Ein Stadtteil. Ein Haus. Ein Wohnzimmer. Eher ein Büro. Nein, eher eine Kontrollzentrale. Mit Hebeln, Schaltern und Bildschirmen. Unterhaltung mit Kollegen. Ein Kollege wird bösartig und versucht die ganze Station, das ganze Zimmer, das ganze Haus durch Betätigung eines Hebels zu entführen. Mit der Kraft seines (eisernen) Armes hält er den Beschleunigungshebel fest. Es kann auch eine gedankliche oder emotionale Richtung sein, denn man sieht nicht, daß sich das Zimmer bewegen würde. Ein anderer Kollege bleibt alldessen gelassen, fasst an ein Steuerrad und hält es fest. Dadurch kann der böse Kollege sich zwar etwas entfernen, aber wie durch ein Gummiseil wird er, wird das ganze Büro, immer wieder zurückgeschnellt an seinen Ausgangspunkt. Der abtrünnige Kollege versucht es ein paar Mal noch, aber das starke Gummiseil macht ihm schmerzhaft klar, dass es zwecklos ist. Er gibt schließlich auf.

Ich wache auf, gehe auf Toilette, trinke etwas, weil die Kehle kratzt und der Mund trocken ist. Dann kippe ich das Fenster, damit frische kühlere Luft hineinkommt. Nun, das ging schon fast Richtung Alptraum!

Dritte Szene:
Ein Grundstück. Ein Garten. Ein Haus mit Dachboden. Auf dem Dachboden ist es dunkel. Verschiedene Abteile, aber allzuviel liegt nicht herum. Eine Leiter zur Dachluke. Ich klettere hinauf. Zwei helle Sterne gehen am Horizont auf. Es müssen Planeten sein. Venus und Jupiter? Nein, es ist etwas anderes: Die hellen Punkte gehören zu einem Verkehrs-Leitpfeil. Jetzt sehe ich ihn vollständig. Er zeigt nach links oben. Ich will ihn fotografieren und hole meine Kamera. Aber es ist mittlerweile schon hell geworden und im Zoom sehe ich nur in der Ferne eine Autobahn, daneben ein Kirchturm, und rechts am Fahrbahnrand kann man auf dem Grünstreifen noch den Pfeil erkennen, der schon ausgeschaltet worden ist.

Vierte Szene:
Eine Party. Ein Konzert. Jedenfalls viele Menschen. Ich gehöre zur Crew und muss die Eintrittskarten kontrollieren. Oder für Sicherheit sorgen. Eine Tür ist auf, die nicht auf sein darf! Schon wollen sich übergewichtige junge Mädchen durch die Tür quetschen. Ich schiebe sie wieder hinaus und schließe die Tür. Mit Gewalt. Die Riegel müssen noch einrasten! Sonst geht die Tür wieder auf. So … das ist geschafft!

Traumszenen am Morgen des 19. März. Es müsste eigentlich Frühling sein, aber draußen liegen 10 Zentimeter Neuschnee.

Bodo Bodenstein

 


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Für Ärzte ist das kein Problem

Erstellt von Bodo am 20. Januar 2013 – 17:08 -

Ein Patient braucht eine Pille
Das ist sein erster Wille
Doch will man sie in Händen halten
Muss man einen Arzt einschalten …

Sie wissen wo die Spritzen liegen
Wo sie preiswert Häuser kriegen
Haben immer noch ne Pillenpackung da
Sind Chef vom Klinik-Großkonzern
Die Schwiegermütter haben sie gern
Und nachts, da machen sie: Tatü-Tata!
Rechnungen schreiben – Schwestern vertreiben
Marlboro rauchen – Pflaster verbrauchen
Und ständig füttern sie den Arzt-PC
Professoren hofieren – das Butterbrot schmieren
Den Dr. med. machen – sich mit dem Mann krachen
Das alles tut nicht wirklich richtig weh

Für Ärzte ist das kein Problem
Ihren Kontostand wissen sie gut
Um Geschenke müssen sie nicht flehen
Denn sie kennen dein Blut
Wenn ich’s doch sage
Für Ärzte ist das kein Problem
Deinen Sums hör’n sie zehnmal am Tag
Sie sagen, du sollst nach Hause gehn
And don’t forget den Betrag … zu zahlen
Gar keine Frage … Weiterlesen…»


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Dorinde und Jonathan – ein Märchen zum Totensonntag

Erstellt von Bodo am 23. November 2012 – 14:34 -

Es war einmal vor langer Zeit, noch vor der großen Zeitenwende. Jonathan war ein Zauberschüler. Eigentlich nichts besonderes. Doch er konnte in seiner Lieblingsstadt studieren, die er schon seit Kindertagen so faszinierend fand: in Dransidon. Die große Stadt lag zwischen malerischen Hügeln und ein breiter Strom durchfloss das Tal.

Das erste Lehrjahr lag hinter ihm und die Zauberschule schickte die Studenten – so hießen nämlich die Zauberschüler in Dransidon – aufs Land, nach Lutetien, um den Bauern bei der Ernte zu helfen. Die Arbeit gefiel Jonathan ganz gut. Doch er war betrübt, weil er keine Freundin hatte.

Eine Woche vor dem Ende der Erntearbeit wurde ein großes Fest gefeiert. Man traf sich abends beim Schenkerwirt und es wurde musiziert und getanzt. Jonathan setzte sich an irgendeinen Tisch und da saß sie: Dorinde! Und noch andere Mädchen. Ihm gefiel Dorinde sofort. Und Jonathan gefiel ihr auch. Nach ein bisschen Plauderei und etwas Essen und Trinken wollten sie zusammen tanzen.

Die Musik spielte herrlich und Jonathan schaute in Dorindes Augen, während sie sich beide beim Tanze drehten. Und sie fühlte es auch: das ist mein Prinz! Nachdem die Musik zu Ende gespielt hatte und das Fest vorüber war, war es an der Zeit nach Hause zu gehen. Doch Dorinde ließ Jonathan nicht los. Denn sie wusste genau, wenn er jetzt geht, sieht sie ihn nie wieder.

Und so nahm sie Jonathan mit auf ihre Kammer und sie liebten sich und schworen sich ewige Treue und wollten gemeinsam Kinder haben. Jonathan blieb die ganze letzte Arbeitswoche bei Dorinde und noch eine weitere, obwohl schon Zauberferien waren. Sie zeigte ihm ihren großen Schatz: eine Mappe mit neun Locken. Die waren von ihren Liebhabern, die in den letzten Jahren bei ihr übernachtet hatten.

Dorinde war eine Magd bei einem lutetischen Bauern und hatte schon ein Kind, eine kleine Tochter. Deshalb war sie im Dorf nicht sehr angesehen, weil es keinen Mann dazu gab. Das war für Jonathan kein Problem, denn er war selber mal so ein Kind gewesen. Aber Dorindes Räucherstäbchen begannen ihn bald zu stören. Sie zündete ständig welche an, weil es so gut duftete und sie ihr etwas die Sinne benebelten.

Jonathan musste sich wieder auf die Zauberschule vorbereiten und fuhr nach Ewosan zurück, in die ferne Provinz Batulien. Dort wohnten seine Eltern. Draußen, in den weiten Kiefernwäldern, überlegte er sich, was er tun sollte. Er liebte Dorinde noch, das wußte er. Doch wie lange würde es dauern? Bis sie sich stritten? Bis er zerrissen war zwischen Lutetien, Batulien und Dransidon? Und so beschloss er, seine Dorinde nur noch einmal zu besuchen.

Und zwar an ihrem Geburtstag. Es war schon dunkel, als er an ihrem Haus ankam. Dorinde verabschiedete kurz ihre Eltern und dann durfte Jonathan hereinkommen. Dorinde ahnte schon etwas, aber beide liebten sich wieder in dieser Nacht. Natürlich, Jonathan sagte am Morgen Worte, die gesagt werden mussten. Aber was sind schon Worte. Dorinde weinte und verstand es nicht. Jonathan verstand es selber nicht, doch er wollte diese Liebe nicht dahinsiechen sehen. Er wollte sie bewahren und als Schatz mitnehmen in seinem Herzen.

Und so ging er und ließ eine weinende Dorinde zurück.

Nach ein paar Wochen hatte Jonathan Geburtstag und eine Bote brachte einen Brief von Dorinde. Sie bat ihn um eine Locke von seinem Haar. Nein, schrieb Jonathan zurück, er wolle nicht eine weitere Locke in ihrer Sammlung werden. Das verletzte Dorinde sehr, aber sie wünschte ihm alles Gute in seinem Leben.

Dorinde sagte zu sich: “Ach Jonathan, du Esel!” Dann ging sie in den Stall zum alten Esel Gustav und schnitt ihm eine Locke aus dem Fell. Die Locke tat sie in ein kleines Kästchen und bewahrte es sorgfältig auf. Wenn sie nachts fror, holte sie das Kästchen mit der Locke hervor und das Kästchen wärmte Dorinde, als ob ein kleines Feuer drinnen wär. So kam sie durch schwere Zeiten.

Jonathan hatte viel zu Lernen an der Zauberschule. Und bald vergaß er seine Dorinde. Und dachte nicht mehr an den Schatz in seinem Herzen. Er wurde einsam und traurig. Er ging nicht mehr auf Feste und tanzte mit keinem Mädchen mehr, weil er genug von Räucherstäbchen hatte. Seine Mutter sah, dass es ihm nicht gut ging. Doch sie wusste nicht warum.

Sein Schatz war tief in sein Herz gesunken. Er spürte ihn nicht mehr. Er spürte nur noch Dunkelheit. Sein Schatz, sein Feuer, konnte ihn nicht wärmen, denn er hatte ihn völlig vergessen. Das Feuer fraß von innen an seiner Seele und an seiner Gesundheit.

Er war jetzt kein Zauberschüler mehr, sondern ein junger Zauberer in Belinda, der Hauptstadt von Batulien. Er hatte viel Arbeit. Doch er war nicht glücklich. Er spürte keine Wärme. Bis er eine Frau traf, die sein Herz berührte. Das Feuer brach auf, und Jonathan wünschte sich wieder Kinder. Doch das war ein dummer Wunsch. Denn Isolde, so hieß die Frau, hatte schon sechs Kinder und konnte keine weiteren ernähren. Sie sagte Jonathan Lebewohl.

Doch Jonathans Feuer brannte lichterloh. Er verstand es nicht. Denn es war nicht das Feuer für Isolde, sondern das für Dorinde. Er wurde krank. Schwarze Dämonen senkten sich auf seine Seele. Er konnte kaum noch atmen und erkannte sich nicht mehr im Spiegel.

Der Herr im Himmel hatte Mitleid mit Jonathan und schenkte ihm eine Vision: Isolde war nicht seine Liebe, sondern eine Schwester, die er noch nicht kannte. So konnte Jonathan von ihr loslassen und die grauen Wolken flogen davon. Nun erkannte Jonathan aber in jedem Ding, in jedem Geschöpf neue Visionen und Rätsel. Jonathan wollte die Rätsel lösen: Er ahnte es. Es ging um seine Braut. Er sollte eine Braut bekommen.

Jonathan konnte nicht mehr zaubern. Er wurde ins Heilig-Geist-Spital in Ewosan gebracht und die Mediziner versuchten ihr Bestes. Sie kannten schon solche Fälle. Doch Pillen und Pülverchen halfen nicht. Jonathan taten sich immer größere Rätsel auf und schließlich glaubte er, der böse Zauberer Uksamin sei hinter ihm her. Jonathan stellte sich tot, damit der böse Zauberer von ihm abließ.

Da mussten die Ärzte den großen Medizinmann Elkator holen, denn nur er allein konnte Jonathan jetzt noch helfen. Elkator nahm den kranken Zauberer Jonathan mit in seine Schreckenskammer und schleuderte ihn hoch an den Himmel und dann wieder tief hinunter bis in die Mitte der Erdkugel und legte ihn dann sanft auf das Krankenbett.

Jonathan schlief sieben Tage. Und als er erwachte, waren alle Damönen von ihm verschwunden und es gab auch keine Rätsel mehr. Er freute sich, dass er lebte.

Er konnte zwar noch zaubern, doch Jonathan musste von jetzt ab immer drei Pillen nehmen: eine morgens, eine mittags, eine abends. Sonst kämen die Damönen wieder, meinten die Ärzte. Aber die Pillen unterdrückten auch das Feuer und seinen Schatz konnte Jonathan nicht erkennen.

Jonathan lernte eine junge Magierin kennen, mit der er sich gut verstand, und die ein neues Feuer in ihm entzündete. Sie wurden Mann und Frau und lebten zehn Jahre glücklich miteinander in ihrer Heimat Sabornia. Doch alles hat seine Zeit. Und ein Feuer erlischt wieder.

Jonathan zog wieder in seine Heimat Batulien, um bei seinen Eltern und in seinen Kiefernwäldern zu sein.

Es war November und die Kirche feierte hohe Gedenktage. Das Gedenken an die Verstorbenen und an den Tod. Überall im Land wurden Trompeter losgeschickt und Ausrufer. Man solle in sich gehen und auch über solche Fragen nachdenken. Durch seine Frau kannte Jonathan das Meditieren und wie man in seiner Seele forscht. Sie hatte viele kluge Bücher.

Bald war also Totensonntag. So stellte sich Jonathan vor, er würde sterben. Nicht in einer Woche. Jetzt sofort! Und horchte in seine Seele …

Schlagartig erschien sein Schatz wieder in seinem Bewußtsein. Seine Dorinde. Seine liebe Dorinde! Er hatte sie all die Jahre bei sich gehabt und es nicht gewusst. Er fragte sich, wo ist sie jetzt, wie kann ich sie finden? Er ging zu einer Seherin in die Stadt. Die schaute eine Weile in ihre Kristallkugel und sagte: “Ich kann sie nicht finden!” Jonathan fiel ein, vielleicht hätte sie ja geheiratet.

“Ja, hier ist sie!” sagte die Seherin. Doch sie klang traurig. Denn sie fand nur Dorindes Grabstein. Sie war gestorben. Vor sechs Monaten. Sie hatte sich in Dransidon beerdigen lassen, der Stadt von Jonathans Zauberschule.

Jonathan hatte seinen Schatz wieder. Doch Dorinde lebte nicht mehr. Er konnte nicht mehr mit ihr sprechen und sie nicht mehr umarmen. Nie mehr! Nimmermehr. Sieben Tage und Nächte weinte er um seine Geliebte. Er bat sie um Verzeihung, und versprach ihr, seine Locke an ihr Grab zu bringen. Vielleicht hörte sie ihn ja – dort oben im Himmel.

Er zauberte sich ein kleines Bild von Dorinde. So wie sie dastand, als er sie verließ. Das trägt er jetzt immer bei sich. Seinen Schatz. Um ihn nie mehr zu vergessen!

 

23. November 2012, aufgezeichnet von Bodo Bodenstein

 

 


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Gedicht im November

Erstellt von Bodo am 13. November 2012 – 08:45 -

Du bist noch da, noch immer.
Dein Herz schlägt weiter, sonderbar.
Die Zeit baut auf, die Zeit reißt nieder.
Gedanken kommen und verschwinden.
Nichts hält für immer.

Jahre prägten Leib und Seele.
Durch Höhen und Tiefen ohne Ende.
Gezehrt, verletzt, gelacht, geliebt.
Am Ende ging ich nur und schwieg.
Nichts hält für immer.

Planeten, Sonnen, Galaxien.
Wohin geht die Bahn, wohin die Reise?
Entschwindet alles in ein Nichts?
Geboren, gewachsen, gelebt, gestorben.
Doch auch kein Nichts hält wohl für immer.


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