Danke …

Erstellt von Bodo am 22. März 2009 – 20:45 -

Ich möchte DANKE sagen

Ich bin dankbar dafür …

… daß ich mit meinen mittlerweile 46 Lenzen immer noch auf dieser schönen Erde weilen kann, auf der es von Pflanzen und Getier nur so wimmelt und ich maße mir nicht an, mich über eines der anderen Geschöpfe zu stellen, sei es mir in Körpergröße gleich oder unscheinbar winzig – jede Kreatur hat ihren berechtigten Platz in unserem Kosmos.

Ich bin dankbar dafür …

… daß ich einigermaßen gesund bin, zwar nicht ohne Zipperlein, aber doch noch so stabil und kräftig, daß ich meine täglichen Lebensaufgaben bewältigen kann, daß ich noch über eine gewisse geistige Neugier verfüge, die mich dann und wann zu neuen Ufern führt und die das Leben bunter macht. In diesem Zusammenhang darf ich nicht mein Medikament vergessen, das unerträgliche Symptome verschwinden lässt und mich psychisch stabil und gelassen macht.

Ich bin dankbar dafür …

… daß ich in einem, zwar nicht unproblematischen, aber guten Elternhaus aufwachsen konnte, daß ich eine gute Schule besuchen konnte und schließlich sogar studieren durfte. Der vermeintliche Mangel der unattraktiven Studienrichtung wurde durch die neuen Möglichkeiten der Technik wettgemacht und das Schicksal gab mir die Chance, neues Terrain zu betreten und die Fähigkeit, mir neues Wissen selber zu erarbeiten.

Ich bin dankbar dafür …

… daß ich vor niemandem meinen Rücken krümmen muss, mein Gewissen verbiegen, daß ich nicht schleimen und heucheln muss, damit ich ja nicht auf die Abschussliste der nächsten Personalkürzung komme. Die Macht des Chefs deformiert jede menschliche Beziehung und man muss schon sehr viel Glück haben einen solchen zu finden, der einem Unabhängigkeit und etwas Freiraum zugesteht.

Ich bin dankbar dafür …

… daß ich nur ein spärliches Einkommen habe und nicht überlegen muss, was ich morgen für ein neues Kleidungstück anziehen oder gar kaufen muss. Ich muss mich nicht entscheiden zwischen Motorrad, Audi oder ICE erster Klasse oder gar zwischen den Bahamas und den Malediven, zwischen Kapstadt und Sydney. Braucht man dort ein Visum oder eine Impfung? Egal. Wenn ich mal weiter von zu Hause weg muss, habe ich mein treues Fahrrad und die öffentlichen Verkehrsbetriebe. Ansonsten reicht mir mein Wasser und mein Brot, meine Butter und mein Käse, meine Wurst und mein Apfel.

Ich bin dankbar dafür …

… daß mich Kümmernisse und Leiden, die mich zahlreich auf meinem Lebensweg begleiteten, nicht verzweifeln ließen, daß ich immer an das Gute im Menschen glaubte und die Hoffnung nie aufgab, daß das Schicksal sich auch wieder zum Besseren wendet. Vielleicht ist es ja so, daß erst diese schweren Prüfungen, mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich jetzt bin und daß die psychische Erkrankung untrennbar mit meinem Schicksal und meiner Eigenart verbunden ist.

Ich bin dankbar dafür …

… daß diese Webseite hier im Internet doch nicht gänzlich ignoriert wird, daß mittlerweile viele Leser aus der ganzen Welt Interesse an einer Psychosegeschichte aus Berlin haben, einem Berlin, das früher durch eine unüberwindbare Mauer in zwei Teile getrennt war und wo die Menschen im Ostteil der Stadt ängstlich, aber sehnsüchtig in den unerreichbaren Westen schauten, während es sich die Westberliner in ihrer privilegierten Sonderstellung gut gehen ließen, inklusive “Mauertourismus”; einem Ostberlin, das vom SED-Staat dominiert wurde und das seinerseits gegenüber der restlichen DDR, der “Zone”, privilegiert war, in der es nicht einmal zu Weihnachten Bananen oder Apfelsinen gab.

Ich bin dankbar dafür …

… daß eine dieser vielen Leserinnen meine Frau geworden ist, mit der ich mein Leben teilen kann. Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist nur halbes Leid – das kann ich nur bestätigen, und selbst unser Kater, der eigentlich doch ein wildes Tier ist, möchte nicht allein sein und will bei jeder sich bietenden Gelegenheit gestreichelt werden. So ist halt die Natur – die Schöpfung, oder Gott, oder der große Manitu, wie man es auch nennt – sie wollen nicht, dass wir alleine leben, wir sind fürs Geben und Nehmen in dieser Welt geschaffen. Man soll selber geben – ja – aber man sollte auch darauf achten, daß einem gegeben wird, und zwar menschliche Wärme und Zuwendung, Achtung und Anerkennung, die man gerade als junger Mensch so dringend für eine gesunde Entwicklung benötigt. Und man sollte ohne Trauer jenen Ort verlassen, wo man diese Zuwendung nicht erhält und sollte dorthin oder in jene Gemeinschaft gehen, wo einem mit Respekt, Achtung und Wärme begegnet wird.

Ich bin dankbar dafür …

… daß meine Frau nach einer langen, schweren Erkrankung wieder auf dem Wege der Besserung ist, daß die Ärzte, Pfleger und MitpatientInnen sich so gut um sie gekümmert haben, daß offenbar ein gutes Medikament gefunden worden ist, das die Rückfälle in das Loch der Depression abmildert oder gar verhindert und daß sie wieder Freude und Spaß am Leben haben kann.

DANKE für all dies und für noch vieles Ungesagte

B.B.


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