Humor ist die beste Medizin

Erstellt von Bodo am 10. Dezember 2015 – 10:24 -

Zuschrift einer Leserin:

Nach einer Kündigung durch eine Zeitarbeitsfirma gerate ich in einen Strudel zwischen paranoiden Ängsten und euphorischen, größenwahnsinnigen Ideen. Mein Mann bringt mich in diesen Phasen doch ein paarmal zum Lachen und rückt meine Phantasien
durch seine lakonische Art wieder etwas zurecht. Als es mich diesmal doch wieder etwas tiefer hineintunkt, nimmt er sich sogar unbezahlten Urlaub, um mir an der Seite zu stehen.

Als ich in den frühen Morgenstunden herausplatze: „Ich bin in der euphorischen Phase einer Psychose und habe größenwahnsinnige Ideen“ meint er „Solange du weißt, dass das Phantasien sind, ist alles in Ordnung. Nimm dein Notfallmedikament und versuch noch etwas zu schlafen.“

Ich schreibe in dieser Phase exzessiv Tagebuch und sehe mich schon Buchpreise abräumen, wenn ich das veröffentlichen würde, merke aber bald, dass ich an meine literarischen Grenzen stoße, um einen dicken Wälzer zu schreiben, der von der ersten bis zur letzten Zeile spannend ist. Mein Mann entgegnet lakonisch: „ War’s wohl nichts mit dem Preis auf der Frankfurter Buchmesse und dem
Literaturnobelpreis.“

Meine Tante kann sich meine größenwahnsinnige, euphorische Phase so erklären: „ Du bist durch die Kündigung zurückgestoßen worden. Jetzt sucht sich Deine Phantasie etwas, wo du groß gelobt wirst. Da schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Versuch, dich selber nicht so wichtig zu nehmen. Mach etwas ganz Normales. Putz die Schuhe oder die Fenster.“

Mein Mann befürchtet, dass nach dem High-Fly der nächste Absturz folgt, so ähnlich wie beim Albatros aus Bernhard und Bianca: Fliegen geht wunderbar, aber die Starts und Landungen sind eher eine Katastrophe. Ich schramme in dieser Phase gerade an den Baumwipfeln an. Wolke 4 wäre besser als Wolke 7, wie in dem Lied aus dem Radio. Nach den Anschlägen von Paris nehmen meine Phantasien ein apokalyptisches Ausmaß an. Am Schluss bleiben nur noch rechtsextreme und islamistische Gruppierungen über, die sich gegenseitig niedermetzeln. Der liebe Gott meint anschließend: „Hab ich’s euch nicht schon gleich gesagt.“ Mein Mann vermutet, ich wäre dann so etwas wie ein Katastrophenkatalysator, der wie der Flügelschlag des Schmetterlings im Amazonas einen Hurrikan hervorruft.

Wir haben im Halbschlaf noch weiter herumgeblödelt. Ich erzähle ihm, dass ich in einer früheren Psychose in dem Video „Anarchy in the U.K“ von den Sex Pistols lauter geheime Botschaften für mich herausgelesen habe. Er erwidert: „Ja genau, die haben ja genau an Dich gedacht, so voll gedröhnt wie die damals waren. Aber in deinem anarchistischen Amoklauf kannst du nicht mal ein Gänseblümchen umtreten. Ich lebe meine Phantasien in meinen Computerspielen aus. Da habe ich schon tausende Monster umgebracht und Milliarden Goldstücke gesammelt. Vielleicht solltest du das auch mal probieren.“

In der Phase, in der ich überall und in Allem ein spirituelles Zeichen sehe, blödelt er herum: „Ein Zeichen! Ein Zeichen! Er hat den Schuh erhoben! Lasst uns alle den Schuh erheben!“ Er zitiert dabei den Film „Das Leben des Brian“ von Monty Pyton. Als ich ihm erzähle, das mich bei meinem Kirchenbesuch durch das Kirchenfenster ein Sonnenstrahl an einem trüben Novembertag getroffen hat, zitiert er Jake aus dem Blues Brothers-Film: „ Das Licht! Das Licht! Ich habe das Licht gesehen! Die Band! Die Band! Wir müssen die Band wieder zusammenbringen!“

Solche Witze schrauben meine Phantasien wieder auf ein Normalmaß zurück.

Herzliche Grüße
Quendolyn Lovehurts

(Mein Mann findet dieses hanebüchene Pseudonym auch ziemlich albern)


Erstellt in Kategorie Gastbeiträge | 1 Kommentar »

Ein Kommentar zu “Humor ist die beste Medizin”

  1. Vanessa sagt:

    Danke für deinen Beitrag, habe mich z.T. darin wiedergefunden.
    Lieben Gruß, Vanessa

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