Mein lieber Mann ist krank

Erstellt von Bodo am 3. April 2011 – 12:49 -

(ein Feedback einer Angehörigen, Name geändert)

Lieber Bodo,

 

es ist sehr mutig, solch einen persönlichen Bericht (siehe Tagebuch – d.R.) zu schreiben. Mein Mann befindet sich gerade in einer psychiatrischen Klinik. Er ist an einer schizophrenen Psychose erkrankt. Allerdings auch nicht das erste Mal. Er ist 1961 geboren und erkrankte zum ersten Mal 1981 während seiner Ausbildungszeit als Funker in der Bundeswehr. Das 2. Mal im Jahr 2000 und eben jetzt wieder. Dies geschah immer nach Stressphasen, die ich immer versucht habe von ihm abzuhalten, aber er war nicht einsichtig und nicht zu bremsen. Ich kenne ihn seit 1980 und liebe ihn sehr. Er ist nämlich ein ganz toller Ehemann u. Papi. Beim ersten Mal war es für mich sehr schwierig damit umzugehen habe mich aber mit der Thematik befasst um besser zu verstehen, was los ist. Es ist ja heute wesentlich einfacher da man vieles durchs Internet erfährt.

 

Lieber Bodo, ich hoffe du kannst gut leben mit deiner Krankheit. Es ist nichts vor dem man sich schämen muss. Im Gegenteil die Umwelt sollte sich schämen, da sie dies zum Tabuthema machen.

 

Außerdem die Leute mit psychischen Erkrankungen, sind alle sehr intelligent und da liegt wahrscheinlich das Problem. Es reicht nicht 100 % Leistung, nein ihr wollt alles perfekt, eben über die Grenzen leisten.

 

Ich wünsche dir viel Glück auf deinem weiteren Lebensweg.
Liebe Grüsse, Gesine

Erstellt in Kategorie Gastbeiträge, Krankheit | 6 Kommentare »

6Kommentare zu “Mein lieber Mann ist krank”

  1. Bodo sagt:

    Danke an Gesine für die Erlaubnis zur Veröffentlichung! Ja, es ist wohl wahr, etwas mehr Schlendrian und Leck-mich-am-Arsch-Einstellung täte uns allen sicher ganz gut … Beste Genesungswünsche!

  2. Markus sagt:

    Bodo… Du sprichst mir aus der Seele gerade im Moment könnt ich das L-m-a-A echt nötig gebrauchen. Heut is irgendwie nicht mein Tag. Das muss wieder besser werden.

  3. Jens sagt:

    Liebe Gesine,

    heute habe ich Bodos Buch gelesen. Ich nehme mir leider kaum Zeit zum Lesen (leider) und suche mir die Lektüren genau aus.
    Das Buch hat mir sehr gut gefallen, Bodo hat mir viele Dinge nahe gebracht, mit denen ich die bohrenden Fragen der letzten 10 Jahre beantworten kann.
    Was sind das für Fragen und warum habe ich dieses Buch gelesen ?
    Und warum habe ich Dein Beitrag gelesen ?
    1996 habe ich eine tolle, liebe Frau kennengelernt. Eine sehr kreativer, intelligenter und warmherziger Mensch. Wir fühlten uns so stark miteinander verbunden, dass schon nach kurzer Zeit unsere Tochter unterwegs war und wir glücklich geheiratet haben. In den nächsten Jahren hatten wir geschäftlich große Erfolge, standen aber auch vor vielen Problemen und Aufgaben. Irgendwann bemerkte ich bei meiner Frau, dass Sie erschöpft wirkte. Sie sagte auch, dass sie keine Kraft mehr hat. Ich beruhigte meine Frau- selbst ziemlich ausgelaugt- und war mir sicher, dass wir die größten Probleme bald bewältigt hätten und dass dann ein wenig Ruhe einkehrt. Dann kam es zu Aussagen meiner Frau, die ich nicht deuten konnte und teilweise als Scherze ihrerseits aufgefasst habe oder auffassen wollte. Sie fühlte sich durch Testkäufer in unseren Betrieben beobachtet u.ä. Aussagen machten mich stutzig.
    Ich konnte diese Signale nicht deuten.
    Eines Tages hatten wir getrennt voneinander 2 geschäftliche Aktionen zu betreuen. Sie verabschiedete sich von mir und unserer kleinen Tochter- völlig normal. Erst im nachhinein erinnere ich mich an ein Zuzwinkern von Ihr…
    Sie kam nicht wieder- einige Stunden später nahm sie sich das Leben.
    Seit mehr als 10 Jahren quält mich die Frage “warum” . Diese quälende Frage konnte mir auch nie ein Psychologe richtig beantworten. Langsam begreife ich, dass ich die Antworten nie richtig verstanden habe, da ich immer wieder nach der Logik im Denken eines kranken Menschen gesucht habe bzw. der Entschluss für eine solche Tat ja in einem “wachen” Zustand stattfinden müsste, da sie ja geplant wird.
    Deine Geschichte ist mir aufgefallen, weil ich mir seit Jahren Vorwürfe mache, dass ich nicht für meine Frau da war und ich nicht in der Lage war die Krankheit zu erkennen.
    Ich freue mich, dass Dein Mann jemanden an seiner Seite hat, mit dem er aus den Phasen dieser Krankheit wieder zurückfinden kann. Ich freue mich, dass Ihr gemeinsam die Probleme bewältigt und möchte dem Autor dieses Buches danken.
    Dieses Buch ist für alle Angehörigen hilfreicher als jedes medizinische Fachbuch über psychische Erkrankungen.

  4. Markus sagt:

    Hallo Bodo.
    Danke für den guten und ausführlichen Beitrag. Auch wenn es bei deiner Frau nicht gut ausgegangen ist, find ich es wichtig, dass du hier darüber schreibst, weil so vielleich wieder etwas mehr Licht in ein Tabuthema gebracht wird.

    Ich finde es auch wichtig, dass der Erkrankte gut über seine Krankheit aufgeklärt wird. Das war bei mir am Anfang leider nicht der Fall, so dass ich ziemlich lang ziemlich im Dunkeln tappte. Dieser Missstand hat mir dann auch das bisschen Selbstbewusstesein genommen, das ich damal hatte, weil ich den Fehler immer bei mir persönlich suchte, was mir aber auch bei meiner Behandliung die letzten Jahre nie ausgeredet wurde. Nein es wurde mir auch noch bestädigt.

    Jetzt nech einem Wechsel in die Uni-Klinik Würzburg geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr und mein Selbstbewusstesein ist so hoch wie noch nie. Darum kann ich im Moment auch sehr offen mit meiner Erkrankung umgehenm, was ich sehr gut finde, da ich den Leuten besser nahem bringen kann was bei sowas in einem vor geht.

    Darum möchte ich etwas an die Behandlungsteam richten. Ihr solltet die Erkrankten zumindest als gleichwertig ansehen. Diese Leute sind oft nicht so dumm wie es ihr Verhalten erscheinen lässt.

  5. Gisela Schweser (Gesine) sagt:

    Hallo Jens,

    Danke für dein Recall zu meinem Beitrag.
    Deine Geschichte ist wirklich sehr traurig, aber such die Schuld nicht bei dir. Deine Frau muss sehr verzweifelt gewesen sein und das hat sehr viele Gründe die nichts mit dir oder deiner Tochter zu tun haben. Ich kenne meinen Mann seit ich 19 Jahre alt bin und habe mit ihm viele schwierige Jahre durchlebt aber auch sehr viel schöne. Auch er hatte viele Selbstmordgedanken, ich hatte vielmals Angst, er würde sich etwas antun, wenn ich bei der Arbeit war und ich denke, dass ich es auch nicht hätte verhindern können, wenn er es geplant hätte. Wir haben sehr viel geredet und ich habe ihm immer von den schönen Seiten des Lebens erzählt. Ich finde heutzutage nehmen die meisten Menschen nicht einmal mehr die Schönheiten der Natur war. Es ist doch schön die Vögel zwitschern zu hören oder die Blumen blühen zu sehen. Ich frage mich öfters, was will der Mensch? Kann es befriedigen einen Mercedes zu fahren oder im Lotto zu gewinnen? Die Krankheit bewegt einen in die Realität zu schlüpfen und Freude haben an kleinen Dingen und Freude wenn man sieht, dass es seinem Partner wieder besser geht. Das ist für mich Lebensfreude. Mein Sohn sieht das auch so, denn auch er war sehr, sehr krank. Es war nicht einfach, aber ich habe gemerkt, dass ich mit diesen Aufgaben gewachsen bin. Für manche scheint das verrückt, aber inzwischen kann ich gut damit leben, denn die Leute reden immer ob gut oder schlecht. Bitte lebe deine Träume, egal ob das für gut geheissen wird oder nicht. Ich wünsche dir ganz viel Glück für deine Zukunft und viele schöne Erlebnisse.

    Liebe Grüsse

    Gesine

  6. Barbara sagt:

    Diejenigen, die sich am wenigsten um die Meinung anderer kümmern, leben oft am besten.
    Das gilt übrigens auch für die Anfälligkeit für Depressionen! Perfektionismus ist eher schädlich…

    Eine Freundin von mir bekam Depressionen, nachdem sie jahrelang für Ihre Schwester da war, die ebenfalls Depressionen hatte. Immer verfügbar sein, immer zuhören, nichts falsch machen. Da zeigt sich immer mehr, dass – egal bei welcher psychischen Erkrankung – Angehörige mitbehandelt werden müssen! Ein neuer Ansatz ist der des “Need Adapted Treatment”, vgl http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/180720.html

    Auch hier spielt die Angehörigenarbeit eine wichtige Rolle, denn man kann nur helfen, wenn man selbst stark ist.

    Dir alles Gute!

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