… über Psychosen und ihre Behandlung

 

Psychosen sind seelische Ausnahmezustände des Menschen, die ihn oder sie schleichend oder ganz plötzlich von der Realität entrücken können. Meist sind besondere Lebensumstände der Grund für den Ausbruch dieser Erkrankung: Liebeskummer, zuviel Stress in der Familie oder in der Arbeit, zuwenig Schlaf, Drogenmissbrauch, Mobbing … oder auch alles zusammen; man ist im Leben vor Überraschungen nicht gefeit!

Keiner soll sagen: Mir kann das nicht passieren! Es kann jeden treffen – es kommt nur auf die Dosis der Belastungen an, die ein Mensch aushalten kann. Natürlich sagen die Ärzte: Es ist eine Stoffwechsel-Erkrankung, die zum Teil genetisch bedingt ist … In der Tat helfen wirklich Medikamente gegen bestimmte Symptome der Erkrankung, wie z.B. Schlaflosigkeit, Ängste, Unruhe oder Halluzinationen. Aber ein bisschen liegen die Ursachen auch im eigenen Lebensstil, im eigenen Denken und in der Ignorierung seiner eigenen Bedürfnisse. Für eine Gesundung muss der Mensch in sich gehen und sein bisheriges Leben hinterfragen: Was ist wirklich wichtig für mich? Was braucht meine Seele? Was braucht mein Körper? Was kann ich selber tun?

Wenn ein Betroffener sich im akuten Wahn befindet, den außer ihm niemand versteht, ist es nicht leicht, ihn oder sie zu überzeugen, doch mal zu einem Arzt zu gehen oder besser gleich ins Krankenhaus. Man sollte da gefühlvoll sein und nicht sagen: “Du bist ja verrückt! Du gehörst in die Klapse!” – sondern vielleicht so: “Dort im Krankenhaus bist du geschützt. Dort kannst du dich ausruhen. Die Ärzte sind nett und werden dir helfen, wieder fit zu werden.” Man sollte die persönliche Integrität des Kranken immer achten, ihn nicht kränken oder lächerlich machen. Ein von Psychose Betroffener hat empfindliche Antennen und reagiert auf Wärme und Zuwendung viel eher, als auf Geheimnistuerei und Bevormundung. Bei Letzterem wird er oder sie sich noch weiter im Wahn bestätigt sehen, verfolgt zu werden oder von einer schlimmen Macht bedroht zu sein, und er würde sich viel weniger kooperativ für eine Behandlung zeigen.

Wie kommt es in einer Psychose zu Wahngedanken? In einer persönlichen Ausnahmesituation werden die Kräfte sehr schnell aufgebraucht. Vielleicht vernachlässigt man auch das Schlafen und die Stärkung durch Speise und Trank; jedenfalls ist dann das Gehirn sehr anfällig für äußere Reize – irgendein Filter ist defekt, ist ver-rückt worden – und die Gelassenheit fehlt, solche Reize zu ignorieren; und schon fällt man auf irgendein Trugbild herein, eine Sinnestäuschung, die näher interpretiert und untersucht werden muss. Auch gegenüber inneren Eingebungen (man hat ja schon manchmal blöde Gedanken!) kann sich der Kranke nicht mehr abgrenzen und ist ihnen hilflos ausgeliefert, geht ihnen gedanklich nach, hält sie für eine Erleuchtung, die nur er oder sie kennt, und baut sich so nach und nach ein ganzes Wahngebilde auf. Man hält es für geheimes Weltwissen, das einem zuteil wurde und man selber ist jetzt eine besondere Person (Jesus, Maria, sogar Gott) und jeder Versuch, diese seine Erleuchtung als Krankheit oder Spinnerei zu bezeichnen, versteht der Kranke als Angriff, als Geringschätzung und als Beleidigung (eben von Jesus, Maria oder Gott). Die Angreifer können also nur Teufel oder böse Außerirdische sein, vor denen man sich hüten muss. Schließlich erhalten manche Betroffene gar die Mission (von oben), die Welt vor diesen bösen Teufeln zu retten und sie denken sich seltsame Dinge aus, wie man das erreichen könnte – in den meisten Fällen harmloser Unfug und unverständliches Verhalten. Aber das reicht schon, dass die Angehörigen beunruhigt sind und sich fragen: Was ist mit ihm? Was ist mit ihr?

… Fortsetzung folgt …



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