Pahaschi Blog
Berichte aus der Welt der Psychiatrie

Icon designed by Adrian


Schizophrenie – Rezidiv nach Absetzen der Medikamente

Written by Bodo on 25. Juli 2020 – 07:25 -

Vorgestellter Patient, männlich, 56 Jahre alt, sollte im Rahmen einer Umstellung im Juli 2019 von tgl. 2 mg Fluanxol auf tgl. 2 mg Risperdal vorhandene Medikation langsam ausschleichen und nach zwei einnahmefreien Tagen mit Risperdal einsetzen. Die Reduktion gelang nach Angaben des Pat. problemlos innerhalb von 10 Tagen. Ihm war dabei von seiten des behandelnden Arztes empfohlen worden, auf geistige Tätigkeiten zu verzichten. Am ersten einnahmefreien Tag fühlte sich der Patient gut und nahm leichtsinnigerweise den Ratschlag eines guten Freundes an, auf die Medikation komplett zu verzichten.

An zweiten Tag bekam der Pat. ein unangenehmes Druckgefühl in der linken Brustseite, was sich linksseitig bis zum Schlüsselbein hochzog. An dieser Stelle hätte ein Wiedereinsetzen der Medikation stattfinden müssen, um Schlimmeres zu verhindern. Doch der Pat. durchstand diese Phase und redete sich ein, dies seien nur Missempfindungen gewesen. Am dritten Tag ohne Medikation stellte sich ein belastendes Kopfgefühl ein, eine Art Druck mit präpsychotischem Empfinden. Diese Phasen durchstand der Pat. durch Meditation mit geschlossenen Augen, wodurch sich jeweils eine deutliche Besserung zeigte. Der Pat. bemerkte eine Veränderung: beim Gehen schwangen die Beine freier und kräftiger, was sich etwas negativ auf seine Meniskussymptomatik auswirkte.

Am vierten Tag nahm die Häufigkeit des unangenehmen Kopfdrucks zu, was zu entsprechender Meditation zwang. Die beschwerdefreien Phasen waren aber nur kurz. Am fünften Tag bemerkte der Pat. beim Gang zum asiatischen Imbiß, daß die Gegenwart von Menschen sehr stark auf ihn einwirkte, fast physisch und von psychotischen Symptomen bewahrten ihn nur seine Tatenlosigkeit.

Am Abend des fünften Tages jedoch, ein nennenswerter Medikationsspiegel war nicht mehr vorhanden, empfand der Pat. plötzlich einen Schlag in die Magengegend, als er eine kritische Nachricht seiner Psychologin las. Auch durch sofortige Meditation bildete sich dieses heftige Missgefühl nicht vollständig weg, sodaß sich der Pat. entschloss mit 1 mg Risperdal einzusetzen.

Innerhalb von Minuten stellte sich eine Besserung ein. Da das Missgefühl nicht vollständig verschwand nahm der Pat. nach einer Stunde noch einmal 1 mg Risperdal ein. Das Missgefühl war nun weg und der Pat. ging schlafen. Nachts wachte er jedoch mit Herzrasen auf und auch extreme Mundtrockenheit machte ihm zu schaffen.

Am Morgen des nächsten Tages stellten sich folgende Nebenwirkungen dar: schwere Beine, schneller Puls, Kurzatmigkeit, extreme Mundtrockenheit und Übelkeit. Das eingenommene 1 mg Risperdal erbrach der Pat. auf der Busfahrt und musste daraufhin ein Taxi nach Hause nehmen. Zu Hause konnte der Pat. nur auf dem Sofa liegen, um die Symptomatik ertragen zu können. Schließlich entschloss er sich, trotz der extrapyramidalen Nebenwirkungen, wieder mit 1 mg Fluanxol einzusetzen.

Dies brachte innerhalb einer Stunde eine spürbare Erleichterung für den Pat. und am nächsten Tag nahm er wieder 1 mg Fluanxol ein, was aber eine viel zu geringe Dosis war, um auf einen guten Spiegel zu kommen. Am folgenden Tag überlastete sich der Pat. mit leichten Tätigkeiten, was zu einem extremen Kopfdruck führte, der kaum zu ertragen war. Er konnte daraufhin nur auf dem Sofa liegen und die Atmung war schnell und flach, Schweiß auf der Stirn. Es gelang ihm gerade so, telefonisch seine behandelnde Psychologin zu erreichen, die ihm riet, jetzt tgl. 3 mg Fluanxol einzunehmen und daß er das Schlimmste überstanden hätte und zur Ruhe kommen solle. Der folgende Tag verlief problemlos. Am Abend des nächsten Tages stellten sich jedoch Atmungsprobleme ein, flach und schnell, Schweiß, Panikgefühle, sodaß der Pat. durch eine Freundin zur Notaufnahme des allgemeinen Krankenhauses gebracht werden musste.

Allgemeine Schwäche, Zittern, erhöhter Blutdruck und Puls, Panikgefühle – der Pat. wurde ins psychiatrische Krankenhaus eingewiesen und verbrachte die ersten drei Tage auf der Psychosomatik-Station. Symptomatisch zeigte sich eine ausgeprägte Minderbelastbarkeit und zeitweise hoher Blutdruck, bis zu 199/107, der einmalig mit einer Fiole behandelt wurde, neben den normalen Blutdruckmitteln, die er einnahm. Der hohe Blutdruck äußerte sich nach Angaben des Pat. in einem unangenehmen Kopfdruck, der ihn zwang, sofort ins Bett zu gehen und die Augen zu schließen.

Als Bedarfsmedikation zur Beruhigung wurde dem Pat. vom diensthabenden Arzt max. 4x tgl. Promethazin 25 mg verordnet, was vor allem nachts zum Einsatz kam. Die Fluanxol-Dosis wurde auf 2 mg tgl. festgesetzt, um die extrapyramidalen Nebenwirkungen zu begrenzen. Diese äußerten sich beim Pat. durch Zuckungen der Zehen.

Um den Pat. besser behandeln zu können, erfolgte eine Verlegung auf die Psychose-Station. Die Oberärztin legte auf Grund pharmakinetischer Bedenken als Bedarfsmedikation Pipamperon fest, das beim Pat. in der folgenden Nacht zu hohem Puls, Ohnmacht und Sturz führte, glücklicherweise nur zu etlichen blauen Flecken. Die diensthabende Ärztin wies daraufhin wieder Promethazin als Bedarfsmedikation an. Die 2 mg Dragee Fluanxol wurde geteilt auf eine Morgen- und Abendhälfte.

Der Pat. konnte die ersten Tage nur im Bett liegen, nahm seine Mahlzeiten im Zimmer ein und an der Gruppenvisite nicht teil. Zusätzlich belastend für den Pat. waren die klimatischen Bedingungen auf der Station mit großer Hitze und verschlossenen Fenstern, sowie ein sehr anstrengender psychotischer Mitpatient, dem sehr viel Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden musste.

Nach ungefähr einer Woche war der Pat. in der Lage, an den Gruppenvisiten teilzunehmen sowie sich im Haus frei zu bewegen. Promethazin brauchte er nicht mehr. Aktivitäten außer Haus stellten noch ein Hindernis dar, aufgrund der zustandsmäßig nicht zu verarbeitenden Eindrücke. Die Genesung erfolgte von Woche zu Woche. Jetzt konnte der Pat. 30 min in den Park gehen und zur Cafeteria. Besonders vom Koffein berichtete der Pat. eine stabilisierende Wirkung.

Nach 4 Wochen ging der Pat. auf eigenen Wunsch hin wieder nach Hause, weil es einfach zu warm im Zimmer war und der neue Zimmerkollege schnarchte. Durch die Hausärztin bekam er sowohl das Fluanxol verschrieben, wie auch die Bedarfsmedikation, was bitter nötig war. Die ersten zwei Wochen war der Pat. nur 20 min tgl. belastbar und benötigte bis zu 3x tgl. Promethazin, um vor allem die Atmung zu verbessern und das Panikgefühl zu vermindern.

Die Versorgung mit Lebensmitteln konnte durch Freunde und Nachbarn sichergestellt werden. Ein einwöchiger völliger Verzicht auf Internet, Radio, Musik, Lesen und Fernsehen machte sich positiv bemerkbar, sowie die Beschränkung auf 20 min Aktivitäten außerhalb der Wohnung. Busfahrten waren noch nicht möglich und das Stehen an der Supermarktkasse belastete den Pat. sehr. Nach vierzehn Tagen konnte das Promethazin abgesetzt werden und ab der dritten Woche der Selbständigkeit steigerte sich die tägliche Belastbarkeit von Woche zu Woche um 30 Minuten. Nach etwa 12 Wochen schwerer Krankheit und Genesung war der Pat. soweit wieder hergestellt, daß er den normalen Alltag bewältigte. Im Krankenhaus musste der Pat. in dieser Zeit 28 Tage behandelt werden, was relativ kurz ist, betrachtet man die Fälle mit zusätzlicher psychotischer Komplikation.

Durch die Einnahme der reduzierten Einzeldosis Fluanxol (1mg – 0 – 1mg) reduzierten sich die extrapyramidalen Nebenwirkungen auf ein erträgliches Niveau, sodaß ein weiterer Umstellungsversuch der Medikation sich erübrigte.



Gebet zur fünften Stunde

Written by Bodo on 7. September 2019 – 07:22 -

Liebe Freunde,

ich schreibe  Euch diese Zeilen im Scheine eines kleinen Wachslichtes, das ich unter meinen Scheffel stellen mußte. Hier, im Heilig-Geist-Spital der märkischen Siedlergemeinde Ebertshausen, gelegen zwischen den Wiesen des Großen Biberflusses und dem Kaiserlichen Großschifffahrtsweg, ist es nicht gern gesehen, wenn man zu den Ruhezeiten sündigen Tätigkeiten nachgeht.

Schon den zehnten Tag finde ich Obdach hier bei den Brüdern und Schwestern des Stiftes Friedensthal. Zimmerbruder Andreas ist bei seiner Familie und Bruder Stefan schläft noch den Schlaf des Gerechten. In der Stunde vor Mitternacht fand ich noch keinen Schlaf und so begab ich mich zur Nachtschwester, um etwas geistigen Beistand zu bitten, doch die Tür zur Heiligen Obacht war geschlossen. Um die zehn Minuten wartete ich vergeblich vor der Türe, auch ein zaghaftes Klopfen wurde nicht erhört. Ich war sehr verwundert, denn weit und breit war kein Retter in der Not, wenn ein Feuer ausgebrochen wäre, um die armen Seelen des Stiftes zu retten ... weiterlesen



30 Jahre mit der Krankheit

Written by Bodo on 25. Oktober 2018 – 13:43 -

Als sich im Herbst 1988 bei mir die ersten Symptome der Erkrankung zeigten, die von Medizinern gemeinhin als paranoide Schizophrenie bezeichnet wird, war mir noch nicht bewußt, was das für mein Leben bedeuten wird. Ich steckte voll drin in einer wirren und phantastischen Geschichte von Liebe, Verführung und politscher Verschwörung. Am Ende ging es um das Schicksal der gesamten Welt, das nur von mir allein abhing und meiner Standfestigkeit. Mit sechs Einzeltherapien von leichten Stromflüssen durch das verwirrte Gehirn, ordneten sich wieder die Gedanken und Empfindungen und man war wieder ein bewußter Teil dieser Gesellschaft ... weiterlesen



Vom Schloß war leider nichts zu sehen ...

Erstellt von Bodo am 1. Juli 2015

Endlich wieder in Berlin! Lange geplant, musste man sich auf diesen Tag gut vorbereiten. Neun Stunden Aktion sind sonst nicht so leicht wegzustecken. Drei Tage vorher Ruhe, und drei Tage werden es danach sein.

Eigentlich war das Stadtschloß schon vor drei Wochen fällig, an dem Tag als Richtfest gefeiert wurde, mit einem schwebenden Kranz über der riesigen Kuppel, die in Barockfassade gekleidet, wieder ein Glanzpunkt der Stadt werden soll. Aber vor drei Wochen ging es mir nicht so gut. Spannung im Kopf, die Dosis erhöht, überlastet vom Ausflug nach Frankfurt-O, war es doch besser, zuhause zu bleiben.

Aber nun war Berlin fällig! Ich musste ja auch zum Doc, mir wieder mein Glückspillenrezept verschreiben lassen. Wie gut, daß mich in unserem Provinznest kein Arzt haben wollte. Nun habe ich immer einen Vorwand, in mein Berlin zu fahren. Und einen Antrieb. Ich werde nie enttäuscht ... weiterlesen



Einblicke in die Forensik

Written by Bodo on 17. Juni 2014 – 16:05 -

Vorgestern, am Sonntag den 15. Juni 2014, kam auf Deutschlandradio Kultur um 13.05 Uhr eine interessante Reportage über Patienten, die in der Forensik leben müssen, weil sie eine Straftat in ihrem Wahn begangen haben.

Anna zum Beispiel, hat in einem religiösen Bestrafungswahn eine unschuldige Frau aufs U-Bahn-Gleis gestoßen. Nun ist sie Insassin einer Hochsicherheits-Psychiatrie, einer forensischen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses im Norden von Berlin ... weiterlesen



Kleine Geschichte der Psychiatrie

Erstellt von Bodo am 6. April 2014 - 18:57 -

Die Methoden der angehenden Neuzeit zur Behandlung psychisch Kranker waren nicht gerade zartfühlend, und, man muss es leider sagen: Bis heute hat sich daran in bestimmten Bereichen moderner psychiatrischer Krankenhäuser nichts geändert. In früheren Jahrhunderten wurden alle Personen, die sich nicht in die heile Göttliche Ordnung integrieren ließen - also z.B. Landstreicher, Diebe, Mörder, Lustseuchenkranke, Dirnen, Bettler, Behinderte, Depressive und Irre - einfach gemeinsam ins sogenannte Zucht- oder Tollhaus gesperrt. An Ketten angeschmiedet bekamen sie kaum zu Essen und zu Trinken. Ja, man folterte die Irren sogar, weil sie erwiesenermaßen schmerzunempfindlich waren. So versuchte man ihnen die Narrheiten auszutreiben. Als erstes Irrenhaus des christlichen Abendlandes wurde 1784 der Narrenturm am Allgemeinen Wiener Krankenhaus gebaut. Der Fortschritt: Das Irresein wurde als Krankheit angesehen und nicht mehr als Laster, das es zu züchtigen galt. Der Turm ist heute als Medizin-historisches-Museum zu besichtigen, man kann noch einzelne Zellen sehen, allerdings ohne die Ketten und Soldatenwärter ... weiterlesen



Für Ärzte ist das kein Problem

von Bodo Bodenstein am 20. Januar 2013 – 17:08 - 

Ein Patient braucht eine Pille
Das ist sein erster Wille
Doch will man sie in Händen halten
Muss man einen Arzt einschalten

Sie wissen wo die Spritzen liegen
Wo sie preiswert Häuser kriegen
Haben immer noch ne Pillenpackung da
Sind Chef vom Klinik-Großkonzern
Die Schwiegermütter haben sie gern
Und nachts da machen sie: Tatü-Tata!
Rechnungen schreiben - Schwestern vertreiben
Marlboro rauchen - Pflaster verbrauchen
Und ständig füttern sie den Arzt-PC
Professoren hofieren - das Butterbrot schmieren
Den Dr. med. machen - sich mit dem Mann krachen
Das alles tut nicht wirklich richtig weh ... weiterlesen



Beutel, Teufel und Beziehungswahn

Erstellt von Bodo am 19. Januar 2013 - 19:05 Uhr

Komisch. Schon wieder fahr ich mit dem ODEG-Schienenbus rein ins Berliner Dorf. Ist einfach bequemer als der volle Regionalexpress. Am Bahnhof steht ein kleines blondes Mädchen, na ja, junge Frau ... und raucht sich eins. Im Zug setzt sich genau diese junge Frau schräg mir gegenüber ins Abteil. Sie hat Tatoos am Hals und an den Händen. Und wer weiß, wo noch überall. Ein kleines schlankes tätowiertes Räuchermädchen! Aber sie hat schöne Augen. Und liest einen dicken Schmöker: John Irving.

Um sie nicht zu sehr anzustarren, schaue ich mir den schönen verschneiten Winterwald an, durch den der Zug braust. Eine schöne Landschaft! Die kahlen Laubbäume, aber auch die Nadelbäume sehen mit Schnee bedeckt viel besser aus. So muss Winter sein ... weiterlesen



Ärzte, nehmt Haloperidol!

Erstellt von Bodo am 25. Dezember 2012 – 09:20 - 

Überall wird von praxisnaher Ausbildung gesprochen. Gerade angehende Psychiater müssen in Ihrer Facharzt-Ausbildung Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten kennen. Gerade bei Neuroleptika.

Um sich besser in ihre Patienten einfühlen zu können, wird vorgeschlagen, das Standard-Medikament der Psychiatrie selbst zu testen: Haloperidol! Nur kurze 3 Wochen lang. An der Kantinenkasse gibt es dann für jeden eine Probierpackung zum Mitnehmen ... weiterlesen



Krank oder Gesund?

Erstellt von Bodo am 27. Oktober 2012 - 18:44 -

Schon hatte ich befürchtet, der Oktober-Artikel dieses Blogs wird wohl diesmal ausfallen - wegen Bodennebel in der Birne -, da las ich vorhin auf www.mut-zum-anderssein.de folgenden Artikel: Es ging um die Frage der echten psychologischen Behandlung einer psychischen Erkrankung im Gegensatz zur bloßen Symptomunterdrückung, das die meisten Ärzte praktizieren: nämlich nur Medikamente verordnen.

Der Autor stellte die These auf, das Ideale Selbst des Kranken, in der Psychose und Manie um Größenordnungen erhöht, und auf Verletzungen in der Kindheit beruhend, verbaut dem Kranken eine realistische Sicht auf die eigene Person. Es komme darauf an, diese Idealvorstellung von sich zu erkennen und kritisch zu hinterfragen ... weiterlesen



Neuroleptika - Dosis, Nebenwirkungen und Reduzierung

Erstellt von Bodo am 23. April 2012

Neuroleptika werden vor allem zur Behandlungen von psychischen Krankheiten eingesetzt. Sie sollen den Patienten beruhigen und zu einer größeren Stresstoleranz beitragen. Viele Betroffene sind im Laufe ihres Lebens zu empfindlich gegenüber Umweltreizen geworden und benötigen mit dieser Medikation ein "dickeres Fell" auf chemischer Grundlage. Neuroleptika werden aber auch in der Altenpflege und in der Tierhaltung eingesetzt, eine Praxis, die kritisch gesehen werden muss.

Welches Medikament ein Patient verordnet bekommt, entscheidet der Arzt. Oft müssen mehrere Versuche gemacht werden, damit man das passende Mittel findet. Die Verträglichkeit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, da der Körperstoffwechsel auch individuell verschieden ist. Da die Nebenwirkungen der Stoffe zum Teil erheblich sind und das Leben und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen, sollte man: erstens das geeignete Mittel für sich finden, und zweitens nur eine geringstmögliche Dosis einnehmen - die sogenannte Erhaltungsdosis, die die Stabilität im normalen Alltag ermöglicht ... weiterlesen


Eine andere Weihnachtsgeschichte

von Gabriele am 11. November 2011 - 16:06 -

Erinnerung an Weihnachten
Oh, Du fröhliche, Oh Du selige ...

Das Weihnachtsfest in meiner Herkunftsfamilie war eine sich jährlich gleichbleibend wiederholende Katastrophe. Vorausschicken muss ich die Information, dass mein Vater Alkoholiker war und dass diese Tatsache zu den in Alkoholikerfamilien typischen Verwicklungen und Streitigkeiten zwischen den Eltern führte. Da mein Vater als Werkführer bei der Bundesbahn unter der Woche auf Montage war, beschränkten sich die - handgreiflichen - Zänkereien auf das Wochenende. Wir Kinder, mein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder und ich, lernten früh, die sich anbahnenden Spannungen und Feindseligkeiten zu erfühlen und uns rechtzeitig unsichtbar zu machen, denn es konnte durchaus sein, dass man im Eifer des Gefechtes wegen irgendeiner längst vergessenen Unartigkeit in das Gerangel mit einbezogen wurde und auch ein paar Hiebe abbekam ... weiterlesen


Alternative Therapie der Schizophrenie – eine Buchempfehlung

Erstellt von Bodo am 7. Juli 2011 – 13:11 - 

Die in der Schweiz lebende Belgierin Anouk Claes hat eine besondere Art, ihre Patienten zu behandeln.  Sie ist eine Sehende mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, und ihre Gaben setzt sie ein um zu helfen. Die Hilfesuchenden, die sie aufsuchen, werden weder klassisch psychiatrisch, noch mit herkömmlichen psychologischen Methoden behandelt.

Man könnte sagen, Anouk Claes ist ein Medium. Sie sieht es den Leuten an, wo ihr Problem liegt. Zumindest bekommt sie es nach einer kurzen Unterhaltung heraus. Und später sogar noch das Problem, was hinter dem Vordergründigen liegt. Ihre Erfahrungen legt die Psychologin und Autorin in mehreren Büchern dar: Im vorliegenden Buch “Durchsichtig – Hellsichtigkeit und wie Sie am besten damit umgehen” präsentiert  Anouk Claes dem Leser eine Auswahl an Fällen aus ihrer Behandlungserfahrung ... weiterlesen


Bio-Wetter für Schizophrenie und Depression

Erstellt von Bodo am 18. Juli 2009 – 17:12 - 

Hallo zusammen,

die letzten Tage waren hier in Bayern einfach nur unerträglich, man fühlte sich schlapp und quasi wie “erschlagen” – da kam die Vermutung auf, daß dies an diesem seltsamen Sommerwetter liegen muss - ein bisschen gegoogelt und siehe da:
das Bio-Wetter warnte an diesen Tagen vor starker Belastung für Schizophrenie-Kranke ...

Man kann sich auf dieser Seite entweder die Deutschland-Übersicht für eine bestimmte Erkrankung anzeigen lassen oder eine Stadt oder PLZ eingeben und bekommt dann eine Übersicht über alle auftretenden Belastungen in dieser Region. Im Folgenden habe ich ein paar Links für Euch zusammengestellt:

Bio-Wetter bei DONNERWETTER:
www.donnerwetter.de/biowetter/menu.hts?Auswahl=6

... weiterlesen


Heinrich-Hoffmann-Jubiläum

Erstellt von Bodo am 14. Mai 2009 - 09:34 - 

In wenigen Wochen jährt sich der 200. Geburtstag von Heinrich Hoffmann, der in seiner Vaterstadt Frankfurt am Main mit vielen Veranstaltungen und Ausstellungen im diesjährigen “Hoffmann-Sommer 2009″ gefeiert wird. Viele werden sich jetzt sicher fragen: Heinrich Hoffmann – Wer war das denn? Er war ein Frankfurter Armen- und Kinderarzt, der später Psychiater wurde (damals sagte man noch “Irrenarzt”) und der sich mit großem Engagement für die Verbesserung der Behandlungsbedingungen der psychisch Kranken einsetzte. Durch seinen Einsatz entstand im Frankfurter Norden 1864 das erste moderne psychiatrische Krankenhaus, großzügig entworfen und mit getrennten Bereichen für unterschiedliche Krankheitsbilder – vom Volksmund wegen seines gotischen Baustils “Irrenschloss” genannt, und Dr. Hoffmann selbst war langjähriger Direktor dieser Klinik. In den 1920er Jahren, lange nach Hoffmanns Tod, musste das Krankenhaus auf dem Affenstein wegen vermehrter Unzulänglichkeiten aufgegeben werden und wurde abgerissen. Auf dem Areal entstand 1928 die Zentrale des IG-Farben-Konzerns ... weiterlesen


Spiritualität und Psychose

von Gabriele am 20. Januar 2009 - 08:25 -

Ich bin seit 1994 schizophren erkrankt. Die Psychiatrie hat mir zweierlei Etiketten verpasst, zum einen "Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie" und zum anderen "Schizo-affektive Psychose". Ich war insgesamt 8 x in einer psychiatrischen Klinik, zum Teil wegen akuter psychotischer Schübe, zum anderen wegen schwerster Depressionen, die so ausgeprägt waren, dass ich mich nicht mehr selbst versorgen konnte. Ich nehme konstant eine geringe Erhaltungsdosis an Neuroleptika und blieb deshalb in den letzten Jahren vor einem weiteren Klinikaufenthalt verschont. Wiederholte Versuche, die Medikamente abzusetzen, haben regelmäßig zu einem erneuten psychotischen Schub geführt, so dass ich mich im Laufe der Jahre an die jetzige Minimaldosis herangetastet habe und diese auch vorläufig beibehalten will. Mein langfristiges Ziel liegt jedoch immer noch darin, irgendwann einmal ohne die Medikamente ein normales Leben bei gesundem Verstand führen zu können. Da muss ich mich jedoch erst noch hinarbeiten und mein Bewusstsein soweit erweitert und gereinigt haben, dass es die ver-rückten Phantasien und konfusen Gedanken, die bei einem psychotischen Schub auftauchen, kühl und nüchtern erfassen kann, ohne gleich unüberlegte und für andere nicht nachvollziehbare Handlungen daraus abzuleiten ... weiterlesen


Schule und Studium mit der Krankheit

Leserforum-Beitrag 396 von Thu, 08 Jun 2006 20:03:42

Hallo liebe Foren-Leser,

ich habe das Bedürfnis, etwas von meinem Leidensweg zu erzählen, da er, denke ich, Hoffnung machen kann. Meine Diagnose ist eine schizo-affektive Psychose, das ist in meinem Fall eine Mischung aus einer bipolaren Störung (manisch-depressiv) und einer echten Schizophrenie mit Plus-Symptomen. Meine Krankheit begann plötzlich mit 15 als körperliche Krankheit. Doch einige Symptome wie z.b. Übelkeit blieben nach Abklingen des Infekts erhalten. Außerdem blieb ich den ganzen Tag im Bett, außer dass ich noch zur Schule ging. Ich beschränkte mein gesamtes Leben auf das Minimum, und das hieß damals Schule. Das ging so ein Jahr lang, bis ich immer hypochondischer wurde und schließlich eine Depression festgestellt wurde. Ich hatte seit Beginn der Erkrankung keinerlei Kontakt mehr zu Freunden. Tatsächlich hatte ich keine reine Depression, sondern auch Schizophrenie. Aufgrund der ständigen Reizüberflutung in meinem Gehirn enthielt ich mich instinktiv allen Reizen. Das Taschengeld sammelte sich an, da ich einfach nichts ausgab, denn einkaufen war zu anstrengend. Ich half kein bisschen mehr im Haushalt ... weiterlesen


Zwischen Wahn und Depression - eine schizophrene Mutter erzählt

Leserforum-Beitrag 386 vom 7. Januar 2006

Wie steht Ihr zu Medis? Eine schizophrene Mutter hat ihre Erkenntnisse mal locker zusammengefasst:

Das was sie mit Deinem Körper machen, versuchen sie auch mit Deinen Nervenzellen, nur sind die Fesseln nicht aus Leder, sondern aus Gift. Aber Du hast den Bezug zu Deinem Körper noch nicht ganz verloren. Gegen Gift gibt es Gegengift. Nikotin, Coffein, Alkohol, Zucker. Aber Deine Verfolger sind nicht dumm, sie wissen das auch. Du befindest Dich im Krieg, der Schwarzmarkt blüht. Wer ist so mutig und bricht die Gesetze, wer versorgt Dich mit Stoff. Eine andere Möglichkeit wäre laufen, um Deine Gedanken zu ordnen, aber das ist nicht erwünscht. Ich bin regelmäßig davongelaufen, mein Freiheitsdrang war enorm. Aber warum darfst Du Dich nicht bewegen, wenn Dein Körper danach schreit? Warum musst Du jeden Schritt genehmigen lassen? Zum einen ist Ausgangssperre ein wichtiges Sanktionsmittel gegen medikamentenverweigernde Patienten, und zum anderen bist Du gemeingefährlich. Gefährlich ja, denn sie sind neidisch auf das, was Dein kranker Kopf sieht, auf die Möglichkeit das Universum zu begreifen ... weiterlesen


Als Kranke(r) braucht man Verbündete

Leserforum-Beitrag 377 vom 16. Juli 2005 - 00:35:31 -

Beim Ausbruch meiner Psychose hat zunächst auch bei mir nicht jeder ideal reagiert. Das ist aber auch keinem vorzuwerfen, denn wer rechnet im ersten Moment schon damit, daß die betroffene Person plötzlich an Wahnvorstellungen leidet? Zwar bin ich kurz vor dem Ausbruch meiner Psychose meinen Eltern bereits recht nervös und unausgeglichen vorgekommen, so wie Du das auch bei Deiner Freundin schilderst, aber eine Krankheit hat da noch keiner vermutet. Ich war zu der Zeit einfach ganz außer mir, weil ich mich wahnsinnig in ein Mädchen verliebt hatte, die mich aber recht schlecht behandelte. Alle wußten das und hielten das für die Erklärung meiner Nervosität, was ja auch stimmte. Der eigentliche Schritt zum krankhaften Zustand kam aber dann relativ abrupt ... weiterlesen


Endogene Psychose - ohne Medikamente geht es nicht

Leserforum-Beitrag 360 vom 2. Januar 2005 - 10:06 -

Ich bin jetzt 36 Jahre alt und die akute Phase meiner endogenen Psychose fand vor 10 Jahren statt (zwei Wochen geschlossene, sechs Wochen offene Station). An meinem 26. Geburtstag wurde ich das einzige Mal fixiert (eine schlimme Erfahrung).

Wenn ich zurückdenke, wie es dazu kam, daß bei mir die Sicherungen durchbrannten, so finde ich mehrere Faktoren: Hauptgrund war aus meiner Sicht die lange, lange erfolglose Suche nach einer Partnerin; dazu kam die Überforderung in der Arbeit und eine aus den vorgenannten Faktoren resultierende Flucht in den Alkohol (Führerscheinentzug mit 2,28 Promille). Zudem konnte ich als alter Ja-Sager zu dieser Zeit keinen Job in meinem Sportverein ablehnen, also machte ich zusätzlich zum Fußball spielen (das mich als einziges nie belastete) auch noch Hauptkassier, Jugendbetreuer und Schiedsrichter. Also viel zuviel auf einmal und nichts richtig. Im großen und ganzen braucht Ihr nur das Tagebuch von Bodo lesen und ein paar Daten und Namen ändern, dann habt Ihr auch meine Geschichte ... weiterlesen


Stress-Management und Psychotherapie

Leserforum-Beitrag 336 vom Fri, 12. Mar 2004 - 15:49:01 -

Bodo vielen Dank für Deine Antwort. Ich muß doch noch einiges zu Stoffwechselstörung als Ursache von Psychosen loswerden. Als Biologe stört mich die unseriöse Diskussion. Es wäre ein Wunder, wenn der enorme Stress einer akuten Psychose keine Auswirkungen auf den Stoffwechsel hätte. Jeder weiß, dass Stress den Blutdruck in die Höhe treibt. Also wäre hoher Blutdruck eine Ursache für Stress, wenn man der Argumentation der Ärzte in Bezug auf Psychosen (Stoffwechselstörung ist Ursache, nicht Folge) folgt. Beruhigungspillen helfen gegen Stress und senken den Blutdruck, also nimm (lebenslang) Beruhigungspillen, um die Stresswirkungen zu verhindern. Das ist für mich die Logik für biologische Ursachen einer Psychose. Dann doch eher Stressmanagement, um die Gesundheit wiederherzustellen ... weiterlesen


Psychose als Medikamenten-Nebenwirkung

Leserforum-Beitrag 315 vom Mon, 13 Oct 2003 - 15:13:14 -

Ich versuche ein bißchen zu erzählen, wie es mir ergangen ist. Ich bin jetzt seit 1991 erkrankt, Auslöser waren 2 Kortison-Spritzen gewesen. Lange Zeit wußte ich nicht, was mit mir los ist und ich machte einfach weiter, so wie bisher, nur, daß ich die körperliche Kraft kaum noch aufbringen konnte. Am Tag nachdem ich die 2. Kortisonspritze bekommen hatte, wurde ich in der Nacht auf einmal wach und sah nur noch rot und schwarz und ich dachte, der Teufel ist hinter mir her und steht im Badezimmer, dann fing ich an Stimmen zu hören, die sich sehr furchterregend anhörten. Ich kam nicht mehr dazu zu schlafen und hatte doch tagsüber drei Kinder zu versorgen, darunter noch ein Baby. Dies ging so weiter bis März 1991, dann hatte ich einen körperlichen Zusammenbruch und kam auf die Innere im Krankenhaus. Dort blieb ich eine Woche und wurde mit einem Termin bei einer Psychiaterin entlassen ... weiterlesen


Erinnerungen an eine Psychose

Leserforum-Beitrag 308 vom Fri, 15 Aug 2003 - 17:18:41 -

„Armer, armer! Nun so schwarz. Und so arg verbrannt!"

 „Toni, aufwachen..." Eindringlich spreche ich auf den Patienten ein. Zwei Krankenschwestern bewegen sich geschäftig im Aufwachraum der Klinik. „Sprechen Sie weiter mit ihm, er müsste schon längst aufgewacht sein", ermuntert mich eine von ihnen. Toni ist am frühen Morgen mit dem Verdacht auf Mund-Krebs operiert worden. Er leidet an einem Down-Syndrom. Die Nacht haben wir gemeinsam in seinem Krankenzimmer verbracht. Weil die Ärzte befürchteten, er könnte vor der Operation Flüssigkeiten zu sich nehmen, habe ich auf ihn aufgepasst. Toni und ich durchlebten eine schlaflose Nacht. Immer, wenn mir die Augen vor Müdigkeit zufielen, sprang er aus seinem Bett und lief zum Wasserkran oder zum Klobecken. Ich stellte mich ihm entgegen und fing ihn mit beiden Armen auf. Das Wohnheim, in dem Toni lebt, hatte mich gewarnt, dass er nachts unruhig umherläuft, aber so schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt. Doch langsam ging die Nacht vorüber und der Morgen brach an ... weiterlesen




© 2009-2020 Bodo Bodenstein pahaschi.de
Impressum